:paralympic_NEWS_01_10: Top of Germany – BG Tourstart auf der Zugspitze

Vancouver-Favorit Martin Braxenthaler im Porträt bei ParalympicSportTV

Alle Welt hat Ski-Sport auf dem Schirm – auch paralympische Erfolge?

Kompliziert, aber fair.“ lautete neulich die Headline eines Sportbeitrages im Tagesspiegel zum aktuellen Ski-Sport http://www.tagesspiegel.de/sport/Skispringen;art272,3014969 – und Autor Benedikt Voigt findet das ganz in Ordnung: „Bereits jetzt siegt nicht immer der Springer, der am weitesten flog. Und auch jetzt schon muss der Zuschauer nach der Landung ein paar Sekunden warten, bis die Haltungsnoten eingerechnet sind. Nun kommen eben noch zwei Faktoren hinzu.

Der Verband sorgt sich dennoch, dass die Zuschauer die neuen Regeln nicht verstehen werden. Er sollte die Fans nicht unterschätzen. Sie werden lernen, dass sie künftig nicht nur auf Weite und Haltungsnoten schauen müssen. Sondern auch auf Anlaufluke und Windmesser.“ Der Journalist meint: „Das sollte zu schaffen sein.“ Wer hier an paralympisches Sportgeschehen denkt, liegt falsch: es ist vom Skispringen der Athleten ohne Handicaps die Rede.

Auch der paralympische Leistungssport folgt schon lange komplizierten Regeln, die ein Höchstmaß an Fairness gewährleisten sollen – und ständig auf den Prüfstand kommen. Der Sport soll transparenter und attraktiver werden. Da sind olympischer und paralympischer Sport näher beieinander, als oft vermutet. Letzterer wird dieser Tage dennoch beharrlich ausgeblendet bei vielen Medien – bis auf wenige Ausnahmen lokaler Berichterstattung.

Es braucht immer noch die Sensation, Ausnahme-Athleten, bis auch Paralympioniken ihren Sprung von der Ski-Piste ins Sportressort schaffen. Der Kanadier Brian McKeever ist so einer. Als blinder Skilangläufer startet er als erster Athlet in der Geschichte der Winterspiele bei Olympia und Paralympics in Vancouver: http://www.abendblatt.de/sport/article1355136/McKeever-schreibt-Olympia-Geschichte.html

„Ganz ehrlich, es ging mir wirklich nur darum, das Beste aus mir herauszuholen“, sagt der Ausnahme-Athlet bescheiden. Der 30-Jährige wollte immer nur die eigenen Grenzen austesten. „Ok. Nun werde ich der erste sein, der in beiden Winterspielen mitmacht. Wenn das die Vorstellungskraft der Menschen anregt und ihnen zeigt, was Paralympioniken schaffen können, dann ist das gut so.“

Heiß auf Eis – Sledgehockey goes Sportschau


Schon im Vorfeld der Winterspiele zeigen unsere Paralympioniken auf Piste, Loipe und Eis, was sie können – und verweisen ihre Konkurrenz auf die Plätze. „Das deutsche Paralympics-Team will hoch hinaus“ http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/923054

Wo kann man das besser verkünden, als auf Deutschlands höchstem Punkt – der Zugspitze: http://www.zugspitze.de/de/winter/index.htm

Da trafen sich kürzlich die Spitzen der deutschen paralympischen Bewegung zum Gipfeltreffen. Der Anlass: „Kick-off zur BG Kliniktour 2010“ Das Motto: „Bewegung verbindet“ – und erfolgreiche Leistungssportler des DGUV-Teams werben als Repräsentanten für die bundesweite Informations-Kampagne über die Reha nach Unfall oder Krankheit – und für den Sport.

Flugs eilten eigens geladene Pressevertreter zahlreich herbei mit kompletter Medienausrüstung. Sogar eine Journalistin mit Snowboard wurde gesichtet – Sport muss sein! Die Ski-Stars, mehrmalige Paralympicssieger und aktuelle  Medaillengewinner Gerd Schönfelder und Martin Braxenthaler präsentierten ihren Sport per Schussfahrt auf sonnendurchfluteter Zugspitz-Piste: http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/schwaben-und-altbayern-aktuell/klink-bewegung-scholz-ID1264589556472.xml So schaffte es die DPA-Meldung vom Zugspitz-Gipfel flächendeckend ins Tal der Lokalberichterstattung – fast überall. Berlin scheint im Schneegestöber für derlei gute Nachrichten noch unerreichbar. Das dürfte sich während der Winterspiele Vancouver deutlich ändern – mit Berichten der hier exklusiv aufgelegten „Paralympics Zeitung“.

Das Sport-Blatt beim Tagesspiegel online:

http://www.tagesspiegel.de/sport/paralympics/

Sportler trainieren bereits auf Hochtouren – und Schülerredakteure in Berlin auch: http://www.tagesspiegel.de/berlin/Brandenburg;art128,3017779

Sportliche Journalisten kommen nicht nur auf der Piste, sondern auch mit der Vorberichterstattung zu den Paralympischen Winterspielen Vancouver in Schwung: http://www.haz.de/Nachrichten/Sport/Olympia-2010/Bei-den-Winter-Paralympics-soll-es-Rekorde-hageln Sie haben dabei jede erdenkliche Unterstützung vonseiten der paralympischen Athleten, Vereine und deren Sportverbände: http://www.rp-online.de/bergischesland/leverkusen/sport/Quades-kanadische-Mission_aid_811896.html – und vom Chef de Mission, Karl Quade.

Erfolgreiche Leistungssportler präsentieren die BG-Kliniktour

Kirsten Bruhn, Christiane Reppe, Claudia Biene und Holger Nikelis – im Talk mit Marcel Bergmann

Alle Infos und BG-Tour-Termine unter http://www.dguv.de/inhalt/rehabilitation/fitimsport/bg_kliniktour_2010/index.jsp

Das deutsche Team wird mit 22 Athleten bei den diesjährigen Winter-Paralympics vertreten sein http://olympia.ard.de/olympia/nachrichten/paralympicsdeutschesteam100.html und mit rund 600 Sportlern aus 45 Nationen in den Disziplinen Ski alpin, Skilanglauf, Biathlon, Schlitten-Eishockey und Rollstuhl-Curling an den Start gehen. ARD und ZDF berichten mit 21 Stunden live von den Wettbewerben – so aufwendig wie nie. Ihre Premiere haben in Vancouver auch die Rollstuhl-Curler. Als Sportler des Jahres 2009 haben sie es bereits vor den Winterparalympics 2010 ganz nach oben in der Gunst ihrer Fans geschafft – und gelten nach Bronze bei der WM in Vancouver nun als Paralympics-Favoriten auf Gold http://paralympics.zdf.de/ZDFsport/inhalt/8/0,5676,7928296,00.html

Wachsender Beliebtheit erfreut sich paralympischer Sport auch bei Jugendlichen mit und ohne Handicap. Nach 40 Jahren „Jugend trainiert für Olympia“ nehmen erstmals auch Schülerinnen und Schüler mit einer Behinderung am Pilotprojet „Jugend trainiert für Paralympics“ mit eigenem Nachwuchswettbewerb teil. Als Verbündeten haben sie einen langjährigen und leidenschaftlichen Paralympics-Förderer als Schirmherren an  ihrer Seite – Bundespräsident Horst Köhler. http://www.dosb.de/de/jugendsport/jugend-news/detail/news/erstes_bundesfinale_fuer_jugend_trainiert_fuer_paralympics/9746/cHash/e90e503ffd/

Der Trend: Junge Fans begeistern und vernetzen sich zunehmend im Sport mit Handicaps – auch das eine Bewegung, die verbindet.

Extrem cool – der Niederländer Kees-Jan van de Klooster

http://www.sjeesonline.com/index.html

Freuen wir uns also auf eine begeisterungsfähige, vielseitige und bewegte Medienwelt in und um Vancouver. Auch, weil es mit den journalistischen Vorlieben bei der Sportberichterstattung über Olympia und Paralympics nicht viel anders ist als in zwischenmenschlichen Beziehungen: Es ist komliziert – aber fair.

Die Sportler-Porträts der BG Klinik-Tour (PDF-Datei zum Download)

Der aktuelle Newsletter des DBS (PDF-Datei zum Download)

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Konkurrenz weggeputzt: Deutsche Leichtathleten räumen Titel und Medaillen ab bei IWAS Games in Bangalore – Update

Die Erfolgsmeldungen von der Leichtathletik-WM im indischen Bangalore reißen nicht ab. Auch am vierten Wettkampftag vermeldet das deutsche Team sensationelle Ergebnisse: Mathias Mester wirft als erster kleinwüchsiger Athlet den Speer über die 40-Meter-Marke und holt sich den Titel mit einer Weite von 40,69 Metern.

In der 4x-400-Meter-Staffel kommen die deutschen amputierten Sprinter nach Disqualifikation der Thailänder mit einer Zeit von 47,96 Sekunden auf Platz eins und zum Weltmeister-Titel.

Über 100 Meter lief David Behre in neuer persönlicher Bestzeit von 24,56 Sekunden hinter dem Brasilianer Olivera zu Silber.

In der Startklasse der Oberschenkelamputierten  holte sich Heinrich Popow im deutsch-deutschen Duell den WM-Titel über 200 Meter. Bis zur Kurve hatte sich Wojtek Czyz einen Vorsprung erarbeitet, berichtet TSV Bayer 04 auf der Vereinsseite. In der Kurve kam der Leichtathlet vom 1. FC Kaiserlautern dann aber aus dem Tritt und verlor seine Prothese.

An der Spitze des Feldes nutzte Heinrich Popow seine Chance und sicherte sich in 26,62 Sekunden überraschend den Titel und Gold vor dem Japaner Yamamoto.

Heinrich Popow (Mitte) und Thomas Kipping (links)

Thomas Kipping mit Heinrich Popow und David Behre

Verliererin des Tages könnte nun Steffi Nerius sein, die ihre Wette mit Mathias Mester verlor. Doch sie nimmt es sportlich – und wurde vom deutschen Team freudig mit neuer Hymne bedacht: „Wir wollen dich putzen sehen,…“

Derzeit sind wohl alle deutschen Team-Mitglieder Gewinner: http://www.tsvbayer04.de/de/_news.detail.asp?id=4151&guid=E7AB23750F2A4C74B824B4574AD9967C-469-378-421

Beachtliche Leistungen sind das angesichts eher weniger optimaler Startbedingungen an den Wettkampfstätten in Bangalore und organisatorischer Ablaufschwierigkeiten aufseiten der Gastgeber. Sogar indische Sport-Journalisten äussern sich dazu kritisch:

http://beta.thehindu.com/sport/other-sports/article55126.ece

Da musste bei der Eröffnungszeremonie ein Redner im Rollstuhl auf die Tribüne gehoben werden, weil eine Rampe fehlte: ein echtes Handicap. Handbiker und Rennrollstuhlsportler bemängeln die Beschaffenheit der Tartanbahn, die zu langsam sei. „Am Anfang schien die Organisation etwas mit dem Ablauf überfordert zu sein – jedoch steigert man sich hier von Tag zu Tag. Gab es am ersten Tag noch nicht mal Weiten- oder Zeitenanzeigen, hat man das dann gleich am zweiten Tag im Griff gehabt. Mittlerweile wird bei den Siegerehrungen sogar die entsprechende Nationalhymne vom Band gespielt. Am ersten Tag haben wir mit dem Team unsere schöne Hymne noch live gesungen – wir wurden dafür sogar lobend in der indischen Presse erwähnt.“ so Thomas Kipping.

Er betreut das deutsche Team als Orthopädietechniker-Meister vor Ort. Was in anderen Nationen, wie etwa den USA schon seit Jahren professionelle Praxis ist, setzte nun der neue Bundestrainer, Willi Gernemann, um. „Nachdem ich bei einem Wettkampf in Münster gesehen habe, wie wichtig ein Orthopädiemechaniker sein kann, haben wir diese Neuerung eingeführt. Schließlich haben wir zahlreiche amputierte Athleten dabei, die auf ihre Prothesen angewiesen sind.“

Bei 16 Einsätzen stand Kipping den Leichtathleten mit Prothesen-Technik als Fachmann zur Seite, kümmerte sich um Reparatur und Feinjustierung der Sportausrüstung. Seine Werkstatt hat er mangels anderer Alternativen  in seinem Hotel-Zimmer in unmittelbarer Nähe der Athleten eingerichtet. Gegen 13 Uhr ging es dann per Shuttle-Bus samt gepacktem Rucksack mit Notfallwerkzeug, Tapes, Klebstoff ausgerüstet ins Stadion.

Nachwuchsathlet Nick Weihs und Thomas Kipping

Nachwuchsathlet Nick Weihs und Thomas Kipping

„Für die Prothesenträger ist es in erster Linie wichtig zu wissen, dass ein Orthopädietechniker mit entsprechendem Equipment im Hintergrund für den Notfall bereit steht. Das gibt ihnen eine gewisse Sicherheit im Kopf.“ erklärt der Mann für alle Fälle. Diese lassen sich indes trotz Fine-Tuning und Sicherheitsvorkehrungen nicht immer verhindern – und sind zum Glück selten.

Nach den ersten Trainingseindrücken optimierte Kipping die Prothese des Nachwuchsathleten Nick Weihs. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Drei persönliche Bestleistungen und eine Silbermedaille standen für den 17-jährigen Athleten auf der Habenseite.

Mit Orthopädie-Technikern läuft es gut

Mit Orthopädie-Technikern läuft es gut

Seit dem Jahr 2001 betreut Thomas Kipping den vierfachen Medaillengewinner in Indien und Paralympics-Sieger Heinrich Popow.

Thomas Kipping freut sich, das deutsche Team unterstützen zu können: „David Behres Stümpfe haben hier etwas im Umfang verloren – daher ruschten seine Prothesen und ein Sturz im Training war die Folge. Ich habe ihm den Innenschaft angepasst und die Ventile, die das Vakuum halten müssen, verbessert.“ Auch verschiedene statische Anpassungen gehören zu den Aufgaben des Supports vor den Wettkämpfen. Um größere Reparaturen durchführen zu können, steht Kipping in Kontakt mit Kollegen der Werkstatt von Otto Bock Health Care in Bangalore.

Es sei wichtig, alles an Maschinen und Material da zu haben, um komplette Prothesen bauen zu können, ergänzt der Orthopädietechniker des deutschen Teams und lobt die Hilfsbereitschaft der Otto-Bock-Werkstatt, die man bislang noch nicht in Anspruch nehmen musste.

Zum Boxenstopp gehört auch das Reifenflicken – eine echte Herausforderung für Thomas Kipping, als ein platter Rollstuhlreifen von Marianne Buggenhagen sofortigen Support benötigt: „Da kein Ersatzschlauch aufzutreiben war – und eine Lieferung 10 Tage dauert -, improvisierte der  erfahrene Team-Orthopädietechniker – und schnitt flugs einen Flicken aus einem Thera-Band, das Athleten  zu Trainingszwecken dient.

Jörg Frischmann, selbst erfolgreicher Leichtathlet dieser WM mit Silber im Kugelstoßen und Geschäftsführer von Bayer 04 Leverkusen, sagt: „Tom Kipping hat den Bereich Prothetik  sehr gut begleitet. Ich würde mich freuen, wenn er fester Bestandteil des Teams wird.“

Siegerehrung Jörg Frischmann

Siegerehrung Jörg Frischmann

Alles in allem läuft es sehr gut für das deutsche Leichtathletik-Team. Nächste Station ist vor den Paralympics 2012 die IPC Leichtathletik WM in Neuseeland 2011 – möglichst auch mit dem Orthopädie-Techniker Thomas Kipping im Nationalteam.

Martina Willing holte ihre zweite Goldmedaille nach Diskus jetzt auch im Kugelstoßen. Mit einer Weite von 8,17 Metern blieb die 50-Jährige nur 34 Zentimeter unter ihrer persönlichen Bestleistung und 47 Zentimeter unter dem Weltrekord. Für die mehrfache Paralympics-Siegerin Willing ist dies der siebte WM-Titel ihrer Laufbahn, meldet die Märkische Oderzeitung: http://www.moz.de/index.php/Moz/Article/category/Sport/id/306069 Am Sonntag setzte die Athletin noch einen drauf und eroberte sich beim Speerwerfen mit 23,53 Metern Platz eins und erneut Gold. Alle guten Dinge sind drei.

Im Speerwurf sicherte sich Marianne Buggenhagen mit 16,32 Metern Bronze. Am Sonntag glückte ihr beim Kugelstossen, was Martina Willing in deren Startklasse zuvor gelang: mit einer Weite von 8,17 Metern die Eisen- in eine Goldkugel zu verwandeln.

Weitwurf-Spezialisten - Ali Ghardooni und Steffi Nerius

Weitwurf-Spezialisten - Ali Ghardooni und Steffi Nerius

Der 29-jährige Diskuswerfer Ali Ghardooni, der nach einer Kinderlähmung das rechte Bein eingeschränkt nutzen kann, wirft die Scheibe aus der Sitzposition heraus – jetzt mit einer Weite von 44,71 Metern zu Gold. Damit hat der gebürtige Iraner sein Ziel hier bei der Leichtathletik-WM in Indien erreicht: den Weltmeistertitel. Er hofft, 2010 die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten.

Mit einer Gold- und zwei Silbermedaillen endeten die Titelkämpfe für die deutsche Mannschaft bei der Leichtathletik Weltmeisterschaft in Indien. Zum Auftakt des letzten WM-Tages gewann Marc Schuh in einem packenden Finale mit der Zeit von 49,62 Sekunden über 400 Meter Gold.

Weltmeister Mathias Mester

Weltmeister Mathias Mester

Mathias Mester stieß die Kugel zum guten Schluss mit 11,91 Metern noch einmal auf Europa-Rekordweite und gewann damit eine Silbermedaille. Seine Trainerin Steffi Nerius zeigt sich darüber mehr als erfeut – trotz oder gerade wegen verlorener Wette.

Sehr erfreulich, dass zumindest einige deutsche Lokal-Redaktionen auch aus der Ferne am Start sind bei den IWAS Games 2009.

(Text: Andrea Ramsteck, Fotos: Jörg Frischmann/TSV Bayer04 Leverkusen, Ali Ghardooni: privat)