„Ein Abend mit Strahlkraft“ – aber ohne Schirmherrin: die Nacht der Stars 2009

Zugegeben, klingt fast ein wenig wie Waschmittelwerbung, die heutige Headline. Werbetextern fällt das schnell auf – und sie suchen dann mindestens genauso treffende Worte. Dabei wollen wir doch alles andere als „Weichspülschreiben“ – von Sportlern, Lesern und Fans gleichermaßen und zunehmend verpönt beim Thema Paralympics.

Mir ist auch keine bessere Überschrift mit mehr Strahlkraft eingefallen als Annette Kögel zu ihrem Bericht im Berliner Tagesspiegel – dem einzigen ausführlichen in der Berliner Presselandschaft zur „Nacht der Stars 2009“: http://www.tagesspiegel.de/berlin/Stadtleben-Paralympics;art125,2948287

So viele strahlende Gesichter in glanzvollem Ambiente sieht man selten – und Athleten mit charismatischer Ausstrahlung. An diesem Abend also: sportliche Strahlkraft pur. Und eine Ansage der besonderen Art: „Three, two, one – Lift-Off, we have a Lift-Off.“ Die wird Leichtathlet und Paralympics-Sieger Matthias Schröder vom PSC Berlin bei seiner gewonnenen Reise zum Shuttle-Start nach Cape Canaveral hören – und dort den Boden unter seinen Füßen beben spüren.

Paralympics in der SPORTSCHAU: Raus aus dem Abseits!

Auch die ARD berichtet über die „Ehrung der Behindertensportler des Jahres 2009“ auf Sportschau-online sowie im Morgenmagazin – und versucht so gleich zwei Zuschauer-Generationen zu erreichen. Bei den älteren Sportfans dürfte das geglückt sein:

http://www.sportschau.de/sp/behindertensport/news200911/12/sportlerdesjahres_behindertensport.jsp

Als leuchtendes Vorbild berichtete auch der Regional-Sender RBB über die Benefiz-Gala zugunsten des paralympischen Sports.

Eines der wichtigsten Ereignisse der paralympischen Sportszene: die „Nacht der Stars“ hat ihre feste Adresse in Berlin gefunden. Hier werden die Sportler des Jahres geehrt, Medienpreise verliehen, ehrenamtliches soziales Engagement gewürdigt – und Kontakte aufgefrischt oder neu geknüpft. Der festliche Abend ist auch Anlass, sich über verschiedene Sportarten  und berufliche Metiers hinaus auszutauschen – anregend und bisweilen auch kontrovers.

Die Sportler des Jahres 2009 porträtiert Lorenz Vossen im Tagesspiegel:

Skirennfahrerin Andrea Rothfuss

http://www.tagesspiegel.de/sport/Paralympics;art17971,2948630

Radsportfahrer Michael Teuber

http://www.tagesspiegel.de/sport/Paralympics;art17971,2948628

Das deutsche Rollstuhl-Curling-Team

http://www.tagesspiegel.de/sport/Paralympics;art17971,2948626

Wer als Vertreter der schreibenden Zunft als Gast dabei sein darf, freut sich über die herzliche Atmosphäre, bringt gute Eindrücke vom Festabend mit – und Fanfotos.

Tischtennis-Ass Holger Nikelis in Begleitung seiner Schwester Rebecca

Tischtennis-Weltmeister Holger Nikelis mit seiner Schwester Rebecca

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Schnell vom lockeren Job-Outfit aus der Jugendarbeit in die Abendgarderobe geschlüpft – und zur Benefiz-Gala „Nacht der Stars“ geeilt. Es war ein beeindruckender Festabend mit interessanten Gästen, guten Gesprächen – und glücklichen Sportlern des Jahres 2009.

Als Gast dabei sein zu dürfen und Leistungssportler hier persönlich zu treffen, ist schon etwas Besonderes. Das macht Lust auf die nächsten Winter- und Sommerspiele in Vancouver 2010 und in London 2012 – und auf Sportevents auf dem Weg dort hin.

Ein Tagesspiegel-Interview mit Willi Lemke, Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport und Redner bei der „Nacht der Stars“, weckte Neugier und Nachdenklichkeit bereits im Vorfeld der Sport-Gala:

http://www.tagesspiegel.de/sport/Willi-Lemke-Paralympics-Behindertensport;art272,2947491 Die engagierte Rede war viel diskutiert – und wird hier später noch erörtet.

Mancher Gast des Abends, der immerhin 400 Euro je Karte – davon 200 Euro für den guten Zweck der Benefiz-Gala – investiert hatte, war irritiert über die Abwesenheit der bisherigen Schirmherrin der Veranstaltung, Bundeskanzlerin Angela Merkel. Zu Hintergründen und weiteren Überraschungen titelt die FAZ – nicht ganz ohne Ironie – mit dem Zitat: „Und nächstes Mal eine Fernsehshow“:

http://www.faz.net/s/Rub9CD731D06F17450CB39BE001000DD173/Doc~E22681E1CF829433DB3A256555961D18D~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlenews

Was wohl die Sportszene dazu sagt…

Bei allen kontroversen Diskussionen rund um den paralympischen Sport gilt:

Herzliche Glückwünsche allen gekürten Sportlern des Jahres 2009:
Andrea Rothfuss, Michael Teuber und das Rollstuhl-Curling-Team sowie
den Gewinnern der „Paralympic Media Awards“ und des „Le Mobile Award“!

„Es ist normal, verschieden zu sein.“, appellierte schon vor Jahren Richard von Weizsäcker für mehr Toleranz.

Dieses Credo begleitet auch Journalisten, die engagiert und aufmerksam-kritisch über paralympischen Sport im Kontext gesellschaftlicher und struktureller Realität berichten. Dies gelingt dem diesjährigen Preisträger des Paralympics Media Award im Bereich Print: NRZ-Redaktion Rheinberg

http://www.derwesten.de/nachrichten/nrz/2009/11/13/news-140798627/detail.htm

Wer über Vorbilder schreibt, ist derzeit selbst eines – dafür bedarf es keiner oft so gescholtenen „Gutmenschen“. Sportredakteure tun sich zuweilen mit den zwangsläufig vorhandenen sozialen Gegebenheiten und Belangen von Menschen in verschiedenen Lebenslagen eher noch schwer. Sie fragen sich:

Wie läßt sich das Handicap mit dem Unterhaltungswert des Sports verbinden, ohne Spannung, Dynamik und Professionalität dem Blick aufs Schicksal preiszugeben? Eine Gratwanderung, die entgegen jedem Zweifel immer öfter gelingt.

Die Medienpreis-Gewinner im Bereich Online, brandstage-tv, zeigen mit ihrem „Paralympic Sport TV“ seit mehreren Jahren international erfolgreich, wie das geht – und zudem auch bei jungen Sport-Fans „cool rüberkommt“: http://www.youtube.com/user/ParalympicSportTV

Ganz wichtig: Eine Sportberichterstattung, die auch ihre jungen Zielgruppen erreichen will – nicht erst aus Anlass der Paralympics alle Jahre wieder -, tut dies aktuell, zeit- und ortsnah. Wer regelmäßig im Sportteil seiner Zeitung oder auf seinem Sportkanal über lokale Highlights „seiner Lieblingssportart“ informiert wird, ist auch gerne immer wieder mal live dabei.

„Zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“ Dieses Werbetexter-Credo verhilft mir des öfteren zu überraschenden Begegnungen und Gesprächen. So hatte ich das Glück, meine Platzkarte bei dieser Gala direkt neben der des Tagesspiegels zu haben – und tauschte mich mit Journalisten der Zeitung, die auch Medienpartner der Paralympics ist, angeregt aus. Gerne nutze ich die seltene Gelegenheit, Gerd Nowakowski, den Ressortleiter der Redaktion Berlin-Brandenburg, mit Leserwünschen zu belagern:

Warum schreibt der Tagesspiegel so selten über die Berliner Paralympioniken? Mit einem erfreulichen Beitrag über Ronny Ziesmer – Laudator dieser Sport-Gala – im Rahmen der Berichterstattung zum Berlin-Marathon gab es eine schöne Steilvorlage im Sportressort – bei der Vorberichterstattung zur „Nacht der Stars“ später aufgegriffen:

http://www.tagesspiegel.de/sport/Leichtathletik-Ronny-Ziesmer-Paralympics-Berlin-Marathon;art19477,2904517

Erfolgreiche Paralympics-Teilnehmer und Medaillengewinner bei Leichtathletik und Schwimmen hat der PSC Berlin ja vorzuweisen. Eine der letzten ausführlichen Sportreportagen über Berliner Athleten des PSC stammt aus dem Jahre 2005 – nach den Paralympics Athen 2004: http://www.tagesspiegel.de/sport/art272,2025105

Die Paralympioniken aus Berlin haben sich einen Namen gemacht – nur leider noch nicht nachhaltig genug in Presseredaktionen und vielen Köpfen freier Journalisten.

Lorenz Vossen ist so einer. Er schrieb mehrmals über den Behindertensport – und würde sicher auch gerne Behinderungen des Sports näher beleuchten:

http://www.tagesspiegel.de/sport/paralympic-day;art17971,2845092

Vor allem aber hält er eine klare Positionierung der Berichterstattung im Sportressort für den richtigen Weg, um  Athleten die ihnen und ihren Leistungen gebührende Aufmerksamkeit zu verschaffen –  und eine Recherche, die Sachverhalte wahrheitsgemäß ermittelt. Es ist in Zeiten krisengeschüttelter Medien nicht leicht, investigativ zu schreiben – und Beiträge in der Redaktionskonferenz durchzubekommen. Diplomatisches Feingefühl ist gefragt.

Mit dem sehr geduldigen und aufgeschlossenen Ressortleiter der Lokalredaktion hatte ich natürlich nicht den Mann erwischt, der für den Sportteil seiner Zeitung verantwortlich ist. Das wäre Robert Ide gewesen, der an diesem Abend eilig von einem Gespräch zum nächsten unterwegs war – und nicht am Tisch saß. Der Redakteurin der „Paralympics Zeitung“ – dem Schüler-Reporter-Projekt des Tagesspiegels – erging es auch nicht wirklich anders, sie probierte das mehrgängige Fest-Menü in unzähligen Etappen: Presse-Marathon. Jetzt liegt immerhin die Visitenkarte von Gerd Nowakowski hier neben meinem Laptop, falls mal wieder Fragen auf der Sportfan-Seele brennen – die sich möglichst nicht in bösen Leserkommentaren auf Tagesspiegel-online niederschlagen sollen: Ist mir schon passiert, wurde moniert, revidiert – und gelöscht.

Worum es ging? Ich fand einen Beitrag etwas zu PR-lastig. Per E-Mail klärte sich die Frage. Heute müssen Journalisten wohl alle Register ziehen, um ein Thema zu pushen – und Leser zu erreichen.

Die Kommunikation über das Internet gewinnt generell zunehmend an Bedeutung: Soziale Netzwerke wie StudiVZ und Facebook sind für Sportler und Fans virtuelle Treffpunkte, wo Verabredungen und Organisation ihrer Events immer öfter stattfinden – nahezu barrierefrei und sogar über nationale Grenzen hinweg. Medien haben das erkannt – und gehen hier immer öfter mit ihren Online-Auftritten an den Start. Das hat Strahlkraft – bis in die reale Sportszene.

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Der Förderkreis Behindertensport würdigt als Gastgeber die Gewinner des Abends:

Auf der Benefiz-Gala „Die Nacht der Stars – ein Festabend des Behindertensports“ in Berlin wurden die „Behindertensportler des Jahres“ 2009 geehrt.

Im Rahmen der Benefiz-Gala „Die Nacht der Stars – ein Festabend des Behindertensports“ feierten am 12. November 2009 im festlich gestalteten Maritim Hotel Berlin rund 600 Gäste. Höhepunkt der Gala war die Auszeichnung der „Behindertensportler des Jahres“ 2009 in den Kategorien Sportlerin, Sportler und Mannschaft.

Paralympische Sportler des Jahres 2009

Paralympische Sportler des Jahres 2009

Bei den Damen konnte sich Andrea Rothfuss (VSG Mitteltal) durchsetzen und sich den Titel der „Behindertensportlerin des Jahres“ sichern. Im finalen Wahlgang waren Andrea Eskau (Radsport) und Kirsten Bruhn (Schwimmen) ihre Konkurrenten. Andrea Rothfuss gewann bei der Ski WM in Korea in der Kategorie Slalom als auch im Riesenslalom, der Superkombination und der Abfahrt die Bronzemedaille.

Gekrönt wurde ihre Leistung zudem mit der Goldmedaille im Teamwettbewerb. Bereits 2005 wurde sie von der Stiftung Deutsche Sporthilfe als Junior Sportlerin des Jahres ausgezeichnet. Ihre stetige Weiterentwicklung lässt auch bei den Paralympischen Winterspielen in Vancouver 2010 auf Medaillen hoffen.

Bei den Herren erhielt Michael Teuber (BSV München) die meisten Stimmen und konnte sich so vor seinen Konkurrenten Josef Giesen (Biathlon) und Gerd Schönfelder (Ski Alpin) die Auszeichnung als „Behindertensportler des Jahres“ sichern. Der erfolgreiche Radsportler gewann bei der Weltmeisterschaft in Italien zwei Goldmedaillen und eine Silbermedaille (2x Zeitfahren, 1x Straßenrennen). Auch außerhalb seiner Rennen setzt sich Teuber stets neue Ziele. So erklomm er 2008 mit seinem Rad non-stop den höchsten Berg Spaniens, den Pico del Teide auf Teneriffa.

In der Kategorie Mannschaft kann sich die Rollstuhl-Curling Mannschaft über die Auszeichnung als „Behindertensportler des Jahres“ freuen. Sie setzte sich gegen die Rollstuhlbasketball-Mannschaft der Damen und die Sitzvolleyball-Mannschaft der Herren durch. Der Titel ist ein krönender Abschluss eines erfolgreichen Jahres, in dem sich die Mannschaft mit der Bronzemedaille bei der WM in Vancouver zum ersten Mal für die Paralympischen Winterspiele qualifizieren konnte. Außerdem gewann sie den IDENTA-Cup in Schwenningen und belegte bei den Danish Open in Kopenhagen den erfolgreichen zweiten Platz.

Die Verleihung des German Paralympic Media Award 2009 in den Kategorien Print/Foto, TV/Hörfunk und Online stellte einen weiteren Höhepunkt der Gala dar. Mit dem Medienpreis wurden bereits zum elften Mal herausragende journalistische Beiträge zum Thema Behindertensport ausgezeichnet. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), Dr. Hans-Joachim Wolff, überreichte die durch die DGUV gestifteten Preise an:

1. Kategorie Print/Foto: Neue Rhein Zeitung / NRZ, Lokalredaktion Rheinberg für ihre herausragende mediale Begleitung des „LVR-Tag der Begegnung“. Für die Lokalredaktion Rheinberg nahm Redaktionsleiterin Carmen Friemond die Auszeichnung entgegen.

2. Kategorie TV/Hörfunk: Martin Zimmermann für sein einfühlsames und informatives Radiointerview für den Rundfunk Berlin-Brandenburg mit Ronny Ziesmer

3. Kategorie Online: brandstage.tv für die nachhaltige Berichterstattung mit dem internationalen, englischsprachigen Internet-TV-Sender „ParalympicSport.tv“

Die Initiative KiOly – Kinderolympiade, ein gemeinnütziges Veranstaltungskonzept für Städte und Kommunen erhielt den diesjährigen „Le Mobile“ Award, gestiftet durch den Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR).

Für KiOly nahm die Initiatorin Fürstin Elisabeth zu Waldburg-Wolfegg und Waldsee die Auszeichnung entgegen. Der „Le Mobile“ Award zeichnet Personen oder Institutionen für ihr herausragendes Engagement zugunsten der Chancengleichheit für Menschen mit eingeschränkter Mobilität aus.

Überzeugt hatte die Initiative KiOly durch die Veranstaltung ihrer Sport- und Spielfeste für Kinder, bei denen besonderer Wert darauf gelegt wird, dass alle Spielstationen auch von Kindern mit körperlichen, geistigen oder mentalen Behinderungen absolviert werden können. Zudem zeichnet sich die Initiative dadurch aus, dass möglichst viele Beteiligte, wie Stadtverwaltung, Schulen oder Handwerker, aus dem jeweiligen Veranstaltungsort eingebunden werden. Nach zwei Veranstaltungen in Bad Waldsee ist für 2011 ein KiOly-Fest in Bonn geplant.

Neben der Auszeichnung der „Behindertensportler des Jahres“ überraschte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) alle anwesenden Spitzensportler und verloste unter ihnen einen Flug nach Cape Canaveral zu einem Shuttle Start.

Mit viel Charme und Humor moderierten die Paralympics-Moderatoren Jana Thiel (ZDF) und Andreas Käckell (NDR) die diesjährige Gala. Die Vorsitzende des Förderkreises Behindertensport, Gerda Pleitgen, zeigte sich erfreut über den Verlauf der Gala: „Die vielen engagierten Gäste, das hohe Interesse der Medien und vor allem die würdigen Preisträger haben diesen Abend zu einem besonderen Ereignis für den Behindertensport gemacht.“

(Pressetext und Foto: Förderkreis Behindertensport e.V.)