Rekorde ohne Wunderanzug. Paralympics-Feeling bei den 24. IDM Schwimmen in Berlin. Update 4

24. IDM Schwimmen 2010 in Berlin

Die 24. Internationalen Deutschen Meisterschaften im Schwimmen der Behinderten (IDM) fanden vom 17. bis 20. Juni 2010 bereits zum elften Mal in Folge in Berlin statt.

Update 4: Spitzen-Schwimmsport – erfolgreich zum Ziel ohne „Speedo“

Die diesjährigen 24. IDM Schwimmen haben nicht nur im Hinblick auf die Anzahl der gemeldeten Athleten eine neue Marke gesetzt –  sie waren ein „Festival der Rekorde“.

Das Logo der Wundermarke „Speedo – mit der Lizenz zum Siegen“ war bei diesen Schwimmwettkämpfen nicht mehr auf den Design-Schwimmanzügen der Athleten zu sehen – vereinzelt zierte es mit sportlicher Gummikappe bedeckte Köpfe. Einen technischen Vorteil brachte das aber nicht. Hier wird nach den Regeln und fair geschwommen – ohne Rekordbeschleuniger Marke „Speedo“ & Co..

Allein das hohe Leistungsniveau der Schwimmer sorgte für Erfolge, die sich sehen lassen können – und einen Vergleich mit Sportlern ohne Handicap nicht scheuen müssen. Hier geht es zur Fotostrecke der 24. IDM Schwimmen 2010 in Berlin.

Der BSB vermeldet also gute Nachrichten aus dem Schwimmsport:

614 Teilnehmer aus 141 Vereinen und Verbänden waren aus 47 Nationen angereist. Sie erzielten bei 3.000 Starts insgesamt 41 Weltrekorde.

Eine Sportveranstaltung der Superlative waren die 24. Internationalen Deutschen

Meisterschaften im Schwimmen der Behinderten, die vom 17. bis 20. Juni zum 11.

Mal in Folge in Berlin unter der Schirmherrschaft von Bundesinnenminister

Dr. Thomas de Maizière stattfanden.

Interviews und ein Video gibt es bei Radio 4 Handicaps.


614 Teilnehmer aus 141 Vereinen und Verbänden, die aus 47 Nationen angereist waren erzielten bei 3.000 Starts insgesamt 41 Weltrekorde.

Aus Deutschland nahmen 187 Aktive aus 71 Vereinen teil und schwammen 3 Weltrekorde:

Kirsten Bruhn vom PSV Union Neumünster schwamm eine neue Weltbestzeit über 50m Rücken in 00:39,54,

Christoph Burkhard vom TV Rottweil brachte es auf zwei Bestmarken: 100m Brust in 01:25,38 und 200m Brust in 03:11,51.

Als bester Berliner Nachwuchsschwimmer darf sich der 10-jährige Malte Braunschweig

vom BSV Medizin Marzahn aus Berlin mit einer Zeit von 00:39,15 über 50m

Freistil ab sofort Internationaler Deutscher Meister der D-Jugend nennen.

Auch im Hinblick auf die Nominierungen von SportlerInnen und Sportlern für weitere

internationale Veranstaltungen ist die IDM aus Berliner Sicht erfreulich verlaufen:

Ben Siara (Jahrgang 1991) und Vincent Koch (Jahrgang 1996) vom Paralympischen

Sport Club Berlin (PSC) haben sich für die IWAS (International Wheelchair & Amputee

Sports Federation) World Youth Games im August in Tschechien qualifiziert.

Christiane Reppe, Daniela Schulte, Niels Grunenberg und Daniel Schäfer vom PSC

Berlin sind für die Weltmeisterschaft im August im niederländischen Eindhoven nominiert.


Eine sehr erfreuliche Gesamtbilanz, die mit Blick auf die Schwimm-WM im August auf neue Überraschungen hoffen läßt.

Update 3 – Ein weiterer Rekord-Tag

Dr. Ralf Otto kommentiert die IDM Schwimmen

Wer die Wettkämpfe der IDM Schwimmen besucht, muss auf die neuesten Ergebnisse der Fußball-WM nicht verzichten. Die sagt Ralf Otto, der die Läufe gewohnt eloquent und professionell für die Besucher dieses nicht minder hochkarätigen Sportevents kommentiert, gleich mal mit an.

Noch bis Sonntag werden hier die Top-Schwimmer geräuschvoll angefeuert – sogar die Vuvuzela ist als Aussenseiter am Start. Ohrenbetäubender Lärm ist also nicht zu befürchten und die besten Plätze in den Rängen kann sich jeder aussuchen. Die tropische Luft der lichtdurchfluteten  Schwimmhalle an der Landsberger Allee ist zwar nicht von tosenden Fan-Gesängen erfüllt – doch die Stimmung ist gut: Fans und Teams feuern ihre Schwimmer immer wieder an. Brasilien verfügt sogar über akustische Unterstützung, wie man sie sonst nur in der Oper hört: Da werden die Namen der Champs in kraftvoll-schönstem Tenor geschmettert. Das hat was, dieses paralympische Flair: „Wir sind eine Familie – und du bist dabei“. Sportlich, kämpferisch, fair und doch auch locker-entspannt.

Dreifacher Gewinn: geteilte Medaillen-Freude

Reinhard Tank, Pressesprecher des Behindertensportverbandes Berlin (BSB), versorgt Medien, Sportler und Unterstützer täglich mit immer neuen Erfolgsmeldungen von den IDM Schwimmen. In der Lokalpresse sucht man indes bislang vergeblich danach im Sportteil. Sogar Medienpartner der Paralympics haben vor lauter Terminstress und Platznot wegen anderer aktueller Events in Berlin die 24. IDM Schwimmen nicht präsent – zur Verwunderung Sportinteressierter, die dort gerne mehr lesen würden.

Rekordflut bei den Athleten, Ebbe bei der Presse? Was nicht ist, kann ja noch werden. Paralympischer Sport bewegt sich zwar aus dem Nischendasein heraus – ist aber auch kein Breitensport. Bei diesem Leistungssport geht letztlich Qualität vor Quantität.

Dass die Professionalisierung des Sports der Athleten mit Handicap ein hohes Maß erreicht hat, merkt man bei den diesjährigen IDM Schwimmen – als Vorbereitung auf Weltmeisterschaft 2010 und Europameisterschaften 2011 im Vorfeld der Paralympics London 2012.

Logistik, Abläufe und Team-Betreuung sind straff organisiert – das bedeutet Rekordleistungen nicht nur im Wasser. Hohe Anforderungen auch an die Jugendschwimmer. Training und Wettkämpfe müssen mit Schule und Ausbildung unter einen Hut gebracht werden. Paralympioniken treiben Leistungssport neben dem Beruf.

Die Athleten geben alles – auch Kirsten Bruhn schwimmt neue Weltrekorde. Während diese Spitzenleistungen bei den Paralympics willkommener Anlass zu Interview oder Reportage sind, herrscht während der 24. IDM Schwimmen eher Ebbe bei der Berichterstattung vieler Medien. Das war bei den IDM vor den Paralympics 2008 anders – ist bedauerlich, weil die Zurückhaltung dem Sport nicht gerecht wird.

Immerhin berichten die Berliner Zeitung mit einem interessanten Porträt von Niels Grunenberg und die Berliner Morgenpost mit Sport-Tipps zum Wochenende.

Erfreulich auch, dass mehrere Medien das Thema online kontinuierlich begleiten: die ARD berichtet bei der Sportschau-online über die Berlinerin Daniela Schulte, die als blinde Schwimmerin des Paralympischen Sportcub (PSC) gerade sehr erfolgreich ist.

Steigendes Interesse einiger Medien am Thema Paralympics zeigt sich auch in mehr aktueller Vorberichterstattung – etwa bei Radiosendern wie RBB-Inforadio und dem Engagement von Fritz Radio (RBB Berlin), das Sportlern und Fans in der Schwimm- und Sprunghalle des Europa Sportparks mit treibenden Beats erfolgreich einheizt.

Heute geht es also am letzten Wettkampftag in den Endspurt der IDM Schwimmen – die Finals ab 16 Uhr sind auf jeden Fall immer einen Besuch wert: der Eintritt ist frei.

Weltrekordjagd bei den IDM im Schwimmen der Behinderten

17 weitere Weltrekorde wurden am zweiten Wettkampftag erzielt. Wobei Ahmed Kelly aus Australien, Anna Efimenko aus Russland und Inbal Schwartz aus Israel ihre am Vormittag in den Vorläufen aufgestellten Weltrekorde am Nachmittag nochmals überboten haben.
– Ahmed Kelly (Australien), 100m Brust, Startklasse SB3 in 01:52,39
– Pavel Poltavtsev (Russland), 100m Brust, Startklasse SB9 in 01:06,93
– Anna Efimenko (Russland), 200m Freistil, Startklasse S12 in 02:18,88
– Ying Zhou (China), 200m Freistil F, Startklasse S4 in 03:20,43
– Konstantin Lisenkov (Russland), 50m Rücken, Startklasse S8 in 00:31,12
– Kardo Ploomipuu (Estland), 50m Rücken, Startklasse S10 in 00:29,02
– Inbal Schwartz (Israel), 100m Schmetterling, Startklasse S6 in 01:30,14
– Daniel de Farias Dias (Brasilien), 100m Schmetterling, Startklasse S5 in 01:20,23.
– Christoph Burkard (TV Rottweil), 100m Brust, Startklasse SB6 in 01:25,38
– Ahmed Kelly (Australien), 100m Brust, Startklasse SB3 in 01:51,14
– Anna Efimenko (Russland), 200m Freistil, Startklasse S12 in 02:17,26
– Kirsten Bruhn (PSV Union Neumünster), 50m Rücken, Startklasse S7 in 00:39,54
– Anna Efimenko (Russland), 50m Rücken, Startklasse S12 in 00:33,37
– Andre Brasil Esteves (Brasilien), 50m Rücken, Startklasse S10 in 00:28,60
– Konstantin Lisenkov (Russland), 50m Rücken StartklasseS8 in 00:30,94
– Alexander Nevolin-Svetov (Russland), Startklasse S12 in 00:28,69
– Inbal Schwartz (Israel), 100m Schmetterling, Startklasse S6 in 01:29,62

Auch am dritten Wettkampftag – Weltrekorde ohne „Speedo“

Trotz Verbotes spezieller Hightech-Schwimmanzüge – „Weitere Weltrekorde am heutigen letzten Wettkampftag in Berlin“ meldet der gerade der BSB:
Berlin, 20.06.2010, bsb.
Es ist der dritte Tag der 24. Internationalen Deutschen Meisterschaften im Schwimmen der Behinderten 2010. Obwohl auch bei den Behindertenschwimmern die vieldiskutierten „Rennanzüge“ seit Jahresbeginn verboten sind, will auch am Samstag, dem 19. Juni, die Rekordflut kein Ende nehmen:
50m Brust Frauen (Vorlauf)
– Jiangbo Xia, (China), Startklasse SB2, Zeit: 01:14,28
50m Brust Männer (Vorlauf)
– Mihovil Spanja, (Kroatien), Starklasse SB6, Zeit: 00:38,68
– Maurice Deelen (Niederlande), Startklasse SB8, Zeit 00:33,35
– Pavel Poltavtsev (Russland), Starklasse SB9, Zeit: 00:30,72
200m Rücken Männer (Vorlauf)
– Konstantin Lisenkov (Russland), Startklasse S8, Zeit: 02:30,09
50m Brust Frauen (Finale)
– Karolina Pelendritou (Zypern), Startklasse SB12, 00:35,66
50m Brust Männer (Finale)
Pavel Poltavtsev (Russland), Startklasse SB9, Zeit: 00:29,16
Weitere Infos auf: http://www.idm-schwimmen.de
Livestream online: http://www.titanium-media.de/cms/Livestream.html

Update 2 – Weltrekordjagd im schnellen Berliner Wasser

Dynamisch am Start in Berlin (Foto: Nora Erdmann)

Schon am zweiten Wettkampftag übertreffen die Ergebnisse der 24. IDM Schwimmen in Berlin alle Erwartungen. Mit gleich acht weiteren Weltrekorden – nach den sechs des Eröffnungstages – und hervorragenden Platzierungen der deutschen Schwimmteams werden schon jetzt Maßstäbe für die Weltmeisterschaften gesetzt, die im August in Eindhoven stattfinden.

Auf Medaillenjagd – Kirsten Bruhn (Foto: Andrea Ramsteck)

Favoritin Kirsten Bruhn gelang auf 50 Meter Rücken in der Startklasse S7 mit 39,54 Sekunden und 1001 Punkten ein neuer Fabel-Weltrekord – und sie bestätigte ihre Top-Form.

Bei der 4 x 100 Meter Freistil-Staffel der Frauen erreichte das deutsche Team mit Christiane Reppe, Anika Geller, Verena Schott und Julia Kabus den dritten Rang.

Ausrichter und Gastgeber Paralympischer Sportclub Berlin (PSC) und der Behindertensportverband Berlin können sich über den erfolgreichen Start freuen.

Als  internationale Spitzensportveranstaltung garantieren die IDM Schwimmen Bestzeiten und Rekorde im Berliner „schnellem Wasser“:

Hier ein Überblick der neuen Weltrekordhalter des Vormittages:
Ahmed Kelly (Australien), 100m Brust, Startklasse SB3 in 01:52,39
Pavel Poltavtsev (Russland), 100m Brust, Startklasse SB9 in 01:06,93
Anna Efimenko (Russland), 200m Freistil, Startklasse S12 in 02:18,88
Ying Zhou (China), 200m Freistil F, Startklasse S4 in 03:20,43
Konstantin Lisenkov (Russland), 50m Rücken, Startklasse S8 in 00:31,12
Kardo Ploomipuu (Estland), 50m Rücken, Startklasse S10 in 00:29,02
Inbal Schwartz (Israel), 100m Schmetterling, Startklasse S6 in 01:30,14
Daniel de Farias Dias (Brasilien), 100m Schmetterling, Startklasse S5 in 01:20,23.

Lassen wir uns überraschen, was der dritte Wettkampftag an sportlichen Höchstleistungen bietet.

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Schon am Eröffnungstag ist die Stimmung in der Schwimm- und Sprunghalle an der Landsberger Alle gut: Herzlicher Empfang, eifriges Händeschütteln am Rand des Schwimmbeckens und auf den Besucherrängen – man freut sich auf diese IDM.

Echte Fans bekommen WM und IDM locker unter einen Hut

Und wie bekommen wir Fußball-WM und IDM unter einen Hut?  Fans schaffen das.

Jetzt werden hier neue paralympische Rekorde aufgestellt: bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften im Schwimmen der Behinderten – auch mit der Zahl der gemeldeten Athleten: Mehr als 630 Sportlerinnen und Sportler aus 47 Nationen sorgen für einen neuen Teilnehmerrekord. Deutsche Favoritin ist Kirsten Bruhn .

Auf Facebook verabreden sich Sportfans in der :PARALYMPIC_crew bereits zur LaOla beim Schwimmevent: „Da geht was!“

„The games are open“

Kirstin Fussan, Brigitte Zypries und Friedheln Julius Beucher eröffnen die 24. IDM

Kirstin Fussan (Präsidentin des Behinderten-Sportverbandes Berlin BSB), Brigitte Zypries (Vorsitzende des Kuratoriums des DBS, MdB) und Friedhelm Julius Beucher (Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes DBS)

Sie eröffneten am 17. Juni 2007 in Berlin die 24. Internationalen Deutschen Meisterschaften im Schwimmen der Behinderten – und dankten allen Akteuren, Förderern aus Wirtschaft und Politik sowie den vielen ehrenamtlichen Helfern.

Im letzten Jahr wurden im „schnellen Wasser“ an der Landsberger Allee in Berlin 30 Welt- und 20 Europarekorde erzielt. Die Veranstalter vom Paralympischen Sport Club Berlin (PSC) und vom Behinderten-Sportverband Berlin (BSB) rechnen auch in diesem Jahr wieder mit einer sportlichen Rekordflut, zumal sich unter anderem die starken Teams aus Großbritannien, Niederlande und Spanien angesagt haben – erstmals auch Teams aus Armenien, Japan, Kasachstan und Südkorea.

Matthias Ulm, Cheftrainer Schwimmen Paralympics Berlin und Leiter des Organisation der IDM Schwimmen, sagt: „Im August finden in Eindhoven Weltmeisterschaften statt. Und in Berlin ist es für viele die letzte Chance sich zu qualifizieren und sich auch klassifizieren zu lassen. Zudem hat sich international im Laufe der letzten 10 Jahre herum gesprochen, dass wir hier eine Top-Veranstaltung machen. Die Organisation stimmt, die Teilnehmerfelder sind erstklassig, das Wasser ist sehr schnell. Und nicht zuletzt: Wer macht nicht gerne einen Ausflug nach Berlin?“

Wir müssen also nicht erst bis zu den Spielen in London 1012 warten, um die Weltspitze des paralympischen Schwimmsports live zu erleben. Wer sind die Favoriten?

„Die Frage nach den Favoriten ist im Moment noch schwer zu beantworten“, so Ulm weiter. „Wir werden etwa 50 Medaillengewinner der EM, WM und Paralympics der letzten Jahre hier haben. Ich glaube, dass wir damit, trotz der ersten „Nachanzug-Saison“ auch wieder Rekorde über Rekorde sehen werden. Es lohnt sich also auf alle Fälle, im SSE an der Landsberger Allee vorbei zu kommen“.

Rekorde ohne Wunderanzug – der Zeitplan der IDM Schwimen

Event: 24. Internationale Deutsche Meisterschaften im Schwimmen der Behinderten

Location: Schwimm- und Sprunghalle im Europa Sportpark
Paul-Heyse-Straße 26
10407 Berlin / S- Bhf. Landsberger Allee

17. Juni 2010 von 17:00 Uhr bis ca. 19:30 Uhr
18. – 20. Juni 2010 ab 09:00 Uhr
Finals jeweils ab 16:00 Uhr

www.idm-schwimmen.de

Eröffnet werden die IDM Schwimmen 2010 von Brigitte Zypries, der Kuratoriums-Vorsitzenden des Deutschen Behindertensportverbands (DBS) gemeinsam mit DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher. Den traditionellen Startschuss am 18. Juni gibt Olympia-Siegerin Britta Steffen.

Schwimmteam Berlin bereits bei der WM-Qualifikation erfolgreich
Bei den „Offenen Berlin-Brandenburger Meisterschaften“ im Schwimmen der

Behinderten (BBMS) am 6.Juni  zeigten die Schwimmer des Berliner Schwimmteams einmal mehr ihre Klasse. Die Meisterschaften dienten vor allem als Standortbestimmung im Hinblick auf die 24. Internationalen Deutschen Meisterschaften. Neben Daniela Schulte konnte sich auch Daniel Simon für die Weltmeisterschaften im August qualifizieren. Ebenfalls qualifiziert sind bereits Daniel Schäfer mit seinem 3. Platz vom Weltcup sowie Lucas Ludwig mit seinen Erfolgen bei den Norddeutschen Meisterschaften der Nicht-Behinderten.
Neben der offenen Klasse (8 Mal Gold, 4 Mal Silber, 5 Mal Bronze) konnten bei den BBMS vor allem die Nachwuchssportler überzeugen. Sie gewannen in den Jugendklassen je 5 Mal Gold und Silber sowie 3 Mal Bronze. Bereits beim Jugend-Länder-Cup machte der Nachwuchs mit neun Berlinern in den Top5 der Jahrgänge einen guten Eindruck. Die Berliner gewannen sogar bei „Jugend Trainiert für Paralympics“ mit ihrem Partner „Carl-von-Liné-Schule“.

Im Hinblick auf die IDM zeigen sich die Berliner Trainer Matthias Ulm und Maik Zeh zufrieden. Denn Christiane Reppe und Niels Grunenberg können den Sprung ins WM-Team schaffen und einige Nachwuchssportler haben gute Chancen auf eine Teilnahme an der Jugend-WM.

Der Zeitplan der IDM Schwimmen vom 17. – 201. Juni 2010
Donnerstag, 17.06.2010
17:00 Uhr 1. Veranstaltungsabschnitt
400m Lagen Frauen und Männer Entscheidung
800m Freistil Frauen und Männer Entscheidung
Freitag, 18.06.2010
08:00 Uhr 2. Veranstaltungsabschnitt
200m Freistil Frauen und Männer Vorläufe
50m Rücken Frauen und Männer Vorläufe
100m Brust Frauen und Männer Vorläufe
100m Schmetterling Frauen und Männer Vorläufe
4x100m Freistil Frauen und Männer Entscheidung
16:00 Uhr 3. Veranstaltungsabschnitt FINALS
200m Freistil Frauen und Männer Finale Offen und Jugend
50m Rücken Frauen und Männer Finale Offen und Jugend
100m Brust Frauen und Männer Finale Offen und Jugend
100m Schmetterling Frauen und Männer Finale Offen und Jugend
Samstag, 19.06.2010
08:00 Uhr 4. Veranstaltungsabschnitt
200m Schmetterling Frauen und Männer Entscheidung
150m Lagen Frauen und Männer Vorläufe
100m Freistil Frauen und Männer Vorläufe
50m Brust Frauen und Männer Vorläufe
200m Lagen Frauen und Männer Vorläufe

200m Rücken Frauen und Männer Entscheidung

4x100m Lagen Frauen und Männer Entscheidung

16:00 Uhr 5. Veranstaltungsabschnitt FINALS
150m Lagen Frauen und Männer Finale Offen und Jugend
100m Freistil Frauen und Männer Finale Offen und Jugend
50m Brust Frauen und Männer Finale Offen und Jugend
200m Lagen Frauen und Männer Finale Offen und Jugend
Sonntag, 20.06.2010
08:00 Uhr 6. Veranstaltungsabschnitt
400m Freistil Frauen und Männer Vorläufe
50m Schmetterling Frauen und Männer Vorläufe
200m Brust Frauen und Männer Entscheidung
100m Rücken Frauen und Männer Vorläufe
50m Freistil Frauen und Männer Vorläufe
16:00 Uhr 7. Veranstaltungsabschnitt FINALS
400m Freistil Frauen und Männer Finale Offen und Jugend
50m Schmetterling Frauen und Männer Finale Offen und Jugend
100m Rücken Frauen und Männer Finale Offen und Jugend
50m Freistil Frauen und Männer Finale Offen und Jugend

Vorbeikommen lohnt sich – für alle Sportfans, die mehr als Fußball-WM & Vuvu mögen.

(Text mit BSB/Reinhard Tank und Schwimmteam Berlin/ Maik Zeh)

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Waka Waka, Vuvuzela – „Voy! Voy!“ Wenn Fußball richtig gut klingt: „You can feel it!“

Das klingt gut! „Soccer for the Blind“.

Ja, er hat sie auch schon ausprobiert – die Vuvuzela. Auch sein Name ist derzeit in aller Munde – wegen dieses Wortspiels. Uwe Seeler amüsiert es, dass die Ähnlichkeit des Wortklanges seines Namens mit dem der lautstarken Soccer-Fanfare weltweit so einen Hype macht – und vor allem König Fußball in aller lärmresistente Ohren und fußballverrückte Herzen bringt.

Alle bleiben am Ball – auch bei der WM Südafrika

Die WM live für blinde und sehbehinderte Fussballfans, ein Sonderheft in Brailleschrift, „Daisy-CD“ und Videoberichte in internationaler Gebärdensprache holen die Spiele für alle auf den Schirm.

Die Welt zu Gast in Afrika – Fußball bringt Menschen einander näher, fast barrierefrei.

Dumisane Ntombela verlor sein Augenlicht im Alter von zwei Jahren, spielt leidenschaftlich Fußball – und trainiert mit erst 19 Jahren sein Team „The Silver Spears“ in südafrikanischen Townships.

Auch der blinde Marathonläufer und Paralympicssieger Henry Wanyoike unterstützt  ein Soccer-Projekt für sehende und blinde Kinder und Jugendliche in Kenia.

Immer mehr blinde und sehende Kicker begeistern sich für das Spiel nach Gehör – auch beim Fifa-Weltmeister Deutschland.

Wie kann man denn Fußball spielen, ohne zu sehen?

Mulgheta Russom – der beste Nationalspieler des deutschen Blindenteams hat es drauf!

Die Kicker „lesen das Spiel“ mit Hilfe eines speziellen auf ihre Fähigkeiten und Bedürfnisse ausgerichteten Trainings. Das Spiel folgt besonderen Regeln. Die beschrieb ich erstmals im Blog 2008:

Raus aus dem Abseits – erste Saison der Blindenfußball-Bundesliga

Verfasst am 31. März 2008 – 9:00.

Anpfiff für die erste Fußball-Bundesliga der blinden Kicker war am Wochenende des 29.

und 30. März in Berlin und Stuttgart. Jeweils vier Mannschaften traten gegeneinander an, um erstmals in der Geschichte des Behindertensports den Deutschen Meister der sieben repräsentierten Bundesländer zu ermitteln.

In Berlin liefen die SG Berlin/Würzburg, St.Pauli, Dortmund und Chemnitz sowie in Stuttgart die dortige Heim-Mannschaft, Mainz, Marburg und Essen auf. Das bedeutet je zwei mal 25 spannende Spielminuten.

Dribbeln, Pässe, Stürmen – und blindes Ballgefühl

Das Spiel der blinden Fußballer steht dem der sehenden Kicker nicht nach. Es ist ebenso schnell wie mitreißend, auch hart – aber fair. An Letzteres erinnert der Schiedsrichter die aufgeheizten Spieler auf dem Spielfeld des Berliner Olympiageländes in einer kurzen Auszeit. Die harten Kerle mit dem sanften Ballgefühl sind nicht zimperlich. Da wird schon mal gerempelt, gestürzt oder ungebremst krachend gegen die Bande am Spielfeldrand gerast. Deshalb tragen die Kicker eine etwas futuristisch anmutende, schützende Kopfmanschette. Eye-Pads und Augenbinde sorgen für einen fairen Ausgleich unterschiedlich starker Seheinschränkungen.

Dribbeln, Pässe, Stürmen – und blindes Ballgefühl. Das sind die Kompetenzen der Kicker, die den Ball nicht sehen können. Als eine Spezialanfertigung ist er kleiner und schwerer als das Fifa-Modell, zudem innen mit rasselnden Schellen ausgestattet. So können ihn die vier Feldspieler orten und sicher ins gegnerische Tor manövrieren. Dieses ist entsprechend der 40 mal 20 Meter messenden Spielfläche so groß wie ein Handballtor. Der Keeper – als einziger Spieler sehend – dirigiert seine Mannschaft durch Klopfen auf beide Torpfosten sowie laute Zurufe. Er verläßt den Torraum nicht weiter als bis auf zwei Meter. Hinter dem Tor und auf Höhe der Mittellinie unterstützen am Spielfeldrand sehende Guides – wie Rupert Liedke für die Berliner – beide Mannschaften bei der Orientierung. Unterdessen ist für die Fans “Ruhe!” angesagt bis das Tor fällt, dann gibts kurz und laut La Ola. Bald auch für den Frauenfußball, so hofft Helga “Charly” Liedke. Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau – so auch beim Blindenfußball, wo man bislang auch gemischt spielt.

„Voy! Voy! Ich komme!“ – Fans und Medien auch

Die Kunst dieses Fußballs ist ein Mix aus gekonnter Beinarbeit, höchster Konzentration kombiniert mit Intuition und Teamgeist. All dies sowie Ausdauer und hohe Motivation der blinden Kicker hat Fußball-Legende Uwe Seeler so stark beeindruckt, dass er sofort die Schirmherrschaft über die neue Fußballbundesliga der Blinden (DBFL) antrat – und ihr damit eine Steilvorlage gab.

Mit ausgefeilter und trainierter Lauftechnik führen die Kicker den Ball beim Dribbeln meist dicht am Fuß. “Voy! Voy!” das rufen sie immer wieder, während sie losstürmen. Denn sie wollen sich nicht gegenseitig umrennen. Dieser Ruf verrät den Mitspielern den Anlauf: “Ich komme!” und dem Publikum die Herkunft des Blindenfußballs aus Spanien, dem Land des amtierenden Europameisters. Dort und in Brasilien hat dieser Sport eine rund 20-jährige Traditon. Die Brasilianer erspielten sich zuletzt bei den Paralympics in Athen 2004 sogar Gold und wollen dieses in Peking verteidigen. Der Paralympionike und Schwimmer Ralf Hohn hat das Element gewechselt – und ist als blinder Torjäger jetzt nicht mehr nass vom Wasser, sondern vom Powern auf dem Rasen.

Damit zurück in die Fußball-Arena Berlin. Rund 100 Zuschauer sowie zahlreiche Presse- und Medienvertreter verfolgten die Partien und bescherten den Spitzenspielen hohe öffentliche Aufmerksamkeit. Auch Kristoffer Klein, Journalist der Süddeutschen Zeitung, kann sich diesem speziellen Ballzauber nicht entziehen: “Anfangs zittert man ja etwas um die Spieler wegen des Verletzungsrisikos. Doch dann merkt man schnell, wie wendig und sicher sie das Spiel beherrschen.” Klein schreibt über die DBFL auch aus persönlichem Engagement als Kommentator von “Standard-Spielen” im Stadion für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen.

Bislang stand der hierzulande noch junge Blindenfußball eher im Abseits des sportlichen Geschehens. Rainer Delgado tritt bei der DBFL für die Berliner an und erklärt, wie wichtig es sei, Spielpraxis unter professionellen Bedingungen zu erwerben. Trainer und Guides werden intensiv gesucht. Doch es mangelt noch an einer zertifizierten Trainer-Ausbildung – und angemessenen Honoraren. Doch sei man sehr dankbar für die professionelle Unterstützung von Förderern und Sponsoren sowie des Behindertensportverbands Berlin und des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands (DBSV). Er vertritt als Spitzenverband rund 145.000 blinde und weit mehr als 500.000 Menschen mit Seheinschränkung. Gemeinsam mit dem Sozialverband Deutschland plante man Ende 2005 ein erstes internationales Blindenfußballturnier im Vorfeld der Fifa-WM 2006. Der Rest ist Geschichte, an der jetzt auch Markus Baysal maßgeblich mitschrieb, als er den ersten Treffer dieser Saison zum 1:0 gegen den 1. FC St. Pauli erzielte. Herthaner Marco Pantelic kennt den Taumel zwischen Sieg und Niederlage. Das auszuhalten. gehe sicher nur mit enormer Motivation und Moral, sagt er voller Respekt gegenüber den Kickern der neuen Fußball-Bundesliga.

Abseits? Das gibt es hier nicht!

Jetzt ist der Blindenfußball raus aus dem Abseits. Genau genommen gibt es das hier gar nicht. Wozu auch? Sieht ja sowieso keiner. Und die Kicker mit dem blinden Ballgefühl finden zudem: “Das Runde muss ins Eckige!” Das ist fürs Erste sehr erfolgreich gelungen: Dortmund führt nach dem ersten Spieltag mit 6:0 Punkten die Tabelle vor Stuttgart und Essen an. Die SG Berlin/Würzburg liegt auf Platz 6.

Hertha BSC-Manager Dieter Hoeneß ist begeistert von so viel Leidenschaft und Können:”Jeder, der so ein Spiel gesehen hat, wird wiederkommen.”

In der Ruhe liegt die Kraft

Für Fußball-Muffel ist die mittlerweile tosende Debatte um den Lärmpegel der trendigen Tröte eine willkommene Steilvorlage zur Meidung von Fanmeile und Stadion.

Sogar „Uns Uwe“ findet die inbrünstig in den Fußball-Arenen Südafrikas und weltweit geblasene Vuvuzela „extrem laut und für die Ohren sicherlich nicht das Beste, aber ich hoffe, dass das meine Ohren aushalten. Bislang hab ich noch keine Oropax, weil ich die Stimmung schon mitbekommen möchte im Stadion. Ich fliege ja nun rüber zu den Spielen und ich will mal sehen, wie sich das da drüben anhört.“ Er hat zum Anfeuern beim Spiel seines Enkels schon mal selbst in eine Vuvuzela geblasen: “Das ist gar nicht so einfach, da richtig scharfe Töne raus zu bekommen, da gibt es auch eine Technik dafür, damit die Töne auch dementsprechend schrill und laut rauskommen.“

Der vitale 73-Jährige begeistert sich aber auch für noch ganz andere Fußball-Töne. Und die dürften sogar Fußball-Muffel und Vuvuzela-Skeptiker ans Spielfeld locken:

Das Rasseln des Balls, den die Kicker der Blindenfußball-Bundesliga kürzlich siegreich im Spiel gegen die Mannschaft der Türkei auf dem Rasen vorm Berliner Reichstag zum Dreizwei ins Tor manövrierten:  Eine Premiere wie die der deutschen Nationalelf in Südafrika – und ausbaufähig.

Anders als jetzt bei der Fußball-WM in Südafrika sind statt lautstarker Fan-Unterstützung eher leise Töne angesagt. In der Ruhe liegt die Kraft – besonders beim Blindenfußball, wo das Spiel im Wesentlichen mit einem feinen Gehör, ausgefeilter verbaler Kommunikation und hoher körperlicher Geschicklichkeit gemacht wird.

Eine anfeuernde Geräuschkulisse mit lauten Fanrufen oder gar ohrenbetäubenden Vuvuzelas nach dem Spiel-Anpfiff bedeuten: Rote Karte fürs Publikum. Fußballverrückte Fans dieses noch relativ jungen Sports in Deutschland stört das nicht. Die faszinierende Akrobatik der blinden Soccer, ihre sehenswerte, ganz spezielle Spieltechnik und -Taktik machen neben der Leidenschaft der Blindenfußballer den Reiz aus.

„Faszinierend, toll, sensationell“

So umschreibt Seeler seine Eindrücke vom Blindenfußball. Der Unterstützer der Blindenfußball-Bundesliga hat sich die blickdichte Textilbrille schon aufgesetzt und bei den blinden Akteuren mittrainiert. „Das ist unheimlich schwer“, kommentiert er seinen Selbstversuch. Er hat „riesige Hochachtung“ vor dem Können der neun Bundesliga-Teams. „Mich beeindrucken besonders das Ballgefühl und die Orientierungsfähigkeit der Spieler.“

Der beste Spieler der deutschen Blindenfußball-Nationalmannschaft ist der aus Afrika stammende Stuttgarter Mulgheta Russom. Wenn Bundestrainer Ulrich Pfisterer „Mulle“ ruft, wird es spannend – und es fühlt sich nach Tor an. Lena Neef drehte als Abschlussarbeit ihres Studiums der Audiovisuellen Medien über den Ausnahme-Sportler den viel beachteten Dokumentarfilm : „Mulgheta“.

„1000 Mikes“ – Blindenfußball on Air

Wer kein Spiel verpassen will, kann online Kommentare und Infos hören – oder bei Blindenfußball-online.de lesen. Presse, die täglich über Bundesliga & Co. schreibt, hat den Blindenfußball bislang selten im Sportressort. Beim Länderspiel in Berlin waren zahlreiche Medienvertreter auf dem Platz zum Interview: „Immer ran, an den Ball.“

Spieler und Fans fiebern jetzt mit der DFB-Nationalelf in Südafrika beim Public Viewing – und hoffen auf einen Sieg für Deutschland. Der Keeper beim Blindenfußball-Länderspiel vorm Reichstag klopft auf beide Torpfosten und ruft: „Hier ist die Mitte!“  – in der Gesellschaft, betonen die Förderer. Wenn das Runde ins Eckige fliegt, ist die Welt in Ordnung – für den Moment. Jetzt darf sie kurz und laut tönen, die Vuvuzela:

Fußball ist der Sport in der Mitte der Menschen: „You can feel it.“

Blattkritik: Nichts Neues in den News über Behindertensport? up(to)date #2.0

Die :paralympic_News_01_10 stehen an.
Die Nachrichtenticker laufen auf Hochtouren beim Sport.
Unsere Nachrichtenlage ist eher bescheiden? Stimmt nicht.

Sportreporter brauchen Sportler – beide brauchen Fans

Presse ist gut – Community besser. Eines kommt nicht ohne das andere aus. Der „Elektrische Reporter“ erklärt Dinge, die man eigentlich nicht erklären kann: http://www.elektrischer-reporter.de/index.php/site/film/45/

Hier ein offener Brief des Präsidenten des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) Friedhelm Julius Beucher
an die Medien – der Aufruf im Wortlaut:

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Sehr geehrte Medienvertreter,
sehr geehrte Redakteure in den Sportredaktionen,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Sportfreunde,

in nur wenigen Wochen folgen der diesjährigen Winter-Olympiade in
Vancouver die Paralympischen Winterspiele (12. bis 21. März 2010). Der
Deutsche Behindertensportverband wird am 17. Februar die Athletinnen und Athleten nominieren, die unser Land in Kanada vertreten werden. Bis zu diesem Zeitpunkt nutzten und nutzen noch viele der Sportler die anstehenden Welt- und Europacups um wichtige Qualifikationspunkte zu sammeln.

Leider konnte ich bisher auf keiner Sportseite der deutschen Zeitungen –
abgesehen von einigen lokalen Berichterstattungen- Hinweise oder gar
Berichte über erzielte Platzierungen bei internationalen wie auch nationalen Wettkämpfen entdecken. Dabei gehen unsere Informationen regelmäßig an insgesamt 800 Redaktionen in Deutschland. Ich erhebe dabei bewusst nicht den Anspruch die bisherigen Erfolge, übrigens durchweg auf den 1.bis 5. Plätzen, montags lesen zu können. Ich weiß, dass spätestens seit Bundesligabeginn im Fußball und der momentan stattfindenden Handball-EM, neben den Berichten über andere Sportarten und die Olympiavorbereitung der Nichtbehinderten dann kein Platz ist. Aber der Sport hat ja mindestens täglich 1-2 Seiten!

Ich möchte Sie deshalb bitten, der Berichterstattung über den Wintersport
unserer behinderten Leistungssportler, die bekanntlich zu den Besten der Welt zählen, angemessenen Raum in Ihrem Medium zur Verfügung zu stellen. Das gebietet unser Anspruch auf Chancengleichheit sowie der Respekt vor den Leistungen der Athletinnen und Athleten und selbst wenn zunächst nur bei Kurznachrichten oder ähnlichen Rubriken die Sieger und Siegerinnen „auf dem Stockerl“ erwähnt werden.

Sie werden spätestens an den jeweiligen Montagen nach den noch
ausstehenden Wettkämpfen Ergebnisse und Informationen online erhalten.

Dafür sorgt persönlich unsere Pressesprecherin Markéta Marzoli.
Eine Aufstellung der noch ausstehenden Wettkämpfe finden sie hier:

Ski alpin:

17.-23.01.Weltcup in Sestriere/ITA
12.-14.02. Weltcup Arta Terme/ITA
28.02.-05.03. Weltcup in Aspen/USA

Ski nordisch:
25.01.-01.02. Weltcup Bessans/FRA
01.02.-07.02. Weltcup Oberried/D

Mit sportlichen Grüßen

Friedhelm Julius Beucher
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Das Anschreiben an die Medien als PDF hier:

Offener Brief an die Medien von Friedhelm Julius Beucher

Meine Meinung:
Die Kommunikation zum Thema Behindertensport ist auch im Bereich Social Media und Blogs – trotz vielseitiger Aktivitäten in allen Onlinebereichen – hierzulande noch immer recht verhalten. Nicht ohne Grund? Warum haben professionelle Sport-Journalisten und sogar innovative Blogger – wie etwa Jens Weinreich – paralympischen Sport selten oder nicht auf ihrer Agenda?

Verbände und Vereine haben sich als Ziellinie „Inklusion“ und „Integration“ auch im Sport gesetzt. Derweil präsentieren sich Athleten bei Olympia und Paralympics noch immer in getrennten Arenen – mal vor gut gefüllten Rängen, mal vor fast leeren Zuschauerplätzen. Erstmals die Sommerspiele in Peking 2008 boten allen Athleten richtig großes Publikum – sehr zur Freude auch der Paralympioniken.

Eine Annäherung findet – in der Sportszene nicht unumstritten – langsam statt: Der kanadische Langläufer Brian McKeever wird in Vancouver ein kleines Stück Sportgeschichte schreiben. Als stark sehbehinderter Athlet geht er als erster Wintersportler sowohl bei den Olympischen Winterspielen als auch bei den anschließenden Paralympics an den Start:
http://www.focus.de/intern/archiv/langlauf-mckeever-plant-historischen-doppelstart_aid_473627.html

Schwimmerin Nathalie du Toit und Tischtennissportlerin Natalia Partyka haben bei den Sommerspielen bereits gezeigt, wie das geht – mit Erfolg.
Oscar Pistorius hat sich die Starterlaubnis bei Olympia juristisch erkämpft und sprintet gegen Vorbehalte,  Zeit und für seine Qualifizierung.

Änderungen der bislang hochkomplexen paralympischen Regelwerke und Startklassen sind in vollem Gange, um den paralympischen Sport fürs Publikum transparenter und attraktiver zu machen. Nur wenn das gelingt, füllen sich die Zuschauertribünen – und die Presse ist für alle Athleten und Fans mit am Start. Das gilt umso mehr in Zeiten knapper Ressourcen. Christiane Link hat dieses Thema bereits vor langer Zeit in ihrem Blog „Behindertenparkplatz“ diskutiert http://www.behindertenparkplatz.de/cl/2008/01/14/897/ Sie sagt, Paralympics als „Sonderveranstaltungen behinderter Menschen sind sowas von out“.

Sie schlägt vor: „Man könnte die Paralympics und die Olympischen Spiele zusammen legen und die Wettkämpfe abwechselnd abhalten. Mal startet eine Gruppe behinderter Sportler, mal eine Gruppe nicht behinderter Sportler. Die Spiele zeitlich zu trennen, macht für mich keinen Sinn und ist nichts anderes als Ausgrenzung.“ Diese Meinung findet zunehmend breite Zustimmung. Die Streichung von Sportdisziplinen hingegen ist unverständlich. Leichtathletik und Schwimmen auch der Athleten ohne Handicap haben als Randsportarten ohnehin weniger Publikum als Breitensport Fußball.

Sportevents und Wettbewerbe der Athleten mit Handicap finden auch zwischen den Spielen sicherlich mehr Aufmerksamkeit bei Medien und Sportfans, wenn sie integrativ stattfinden – ohne das alte Etikett „Behindertensport“. Im Bereich Jugendsport bei Vereinen – wo auch der olympische und paralympische Nachwuchs trainiert – ist dies bereits öfter der Fall. So etwa beim beliebten dynamischen Rollstuhlbasketball, wo Fußgänger mit Rollifahrern ein Team bilden – und gemeinsam übers Spielfeld Richtung Korb rasen, dabei der gegnerischen Mannschaft den Ball abjagen. Auch an der Tischtennisplatte oder beim Badminton gehen Sportler mit und ohne Handicap immer öfter gemeinsam zum Aufschlag ans Netz. Sportberichte und Bilder gehen schon jetzt online ins Netz – auf Facebook, Youtube, Blog und Twitter. Sportler und Fans sind hier aktiv und ergänzen – oder ersetzen – die klassischen Medien. Zeitung, Radio und Fernsehen sollten mit ihren Sportreportern am Start sein.

In Sportveranstaltungen, Online-Foren und Social Networks kommen Sportler und Fans, Infos und Feedback zusammen – zeitnah. Es gilt ja das Credo: schneller, höher, weiter.


Sportkommunikation ist zunehmend auch als Marken-Kommunikation auf PR und Cross Media angewiesen. Das zeigt die aktuelle Kampagne der Deutschen Sporthilfe, die auf Facebook per Viral-Marketing um Sponsoren wirbt. Marketing-Experte Oetting weist zurecht darauf hin, dass es nicht genüge, Kreativen zuzurufen:“Macht uns mal eine Kampagne für unseren neuen Sportschuh!“ Er sagt, Community sei eine Einstellung – keine Klickmaschine: http://www.connectedmarketing.de/cm/2010/01/community-ist-eine-einstellung.html

Was nützen neue Sportschuhe, wenn die Kommunikation ein alter Hut ist?

Die einfache Weiterleitung von Pressemitteilungen per „Copy&Paste“ mag zwar Reichweiten erzeugen, greift aber zu kurz – es fehlt an Tiefe und O-Tönen in der Berichterstattung. Wer will das lesen? Journalismus – auch die sogenannte Graswurzelvariante – ist aufwendig und verdient Honorierung. Da verweise ich per Link lieber gleich auf die Quelle, das ist seriöser und vertrauensbildender als einfaches „Abschreiben“. Zum Twittern genügen schon wenige Worte – genau genommen 140 Zeichen.

Auch Kontaktpflege und Recherche brauchen Zeit. Viele Ansprechpartner in Vereinen sind ehrenamtlich tätig, Pressestellen eher die Ausnahme. Informationen müssen je nach Veröffentlichung in Print oder Online zielgruppengerecht aufbereitet werden – möglichst barrierefrei.

Die Low-Budget-Alternative? Der Pressespiegel online.

In Kürze hier also wieder :paralympic_News_01_10 – ein Pressespiegel, ganz ohne Honorar zusammengestellt, aber mit viel Zuspruch gelesen. Weil er es wert ist – der paralympische Sport.

Presse-Medien machen sich gerade auf den Weg von Print nach Online. Community – da sind die Fans. Sportler müssen sich nur noch mehr zeigen, auch durch Marken-Kommunikation und Dialog mit ihren Fans: Sport und seine Fankultur liefern den Stoff: aktuelle Berichte, die eine gute Zeitung ausmachen. Wie ein Spagat zwischen Olympia und Paralympics ist das? Eher eine Brücke – mit erreichbarer Ziellinie.

Bei alledem gilt wie im Leistungssport: Qualität vor Quantität – alles andere behindert nur.

Bleiben wir dran… Sponsoren für Sportler: „Da geht noch was!“ – auch bei Fans

Bevor es hier weiter geht mit dem Bloggen – nur ein kurzer Werbeblock: Bleiben Sie dran!

Die Stiftung Deutsche Sporthilfe ist dieser Tage mit neuer Kampagne am Start: mit „Stellenanzeigen“ und einem Quiz https://www.sporthilfe.de/Startseite.dsh Eine auskömmliche Sportlerkarriere als Hauptgewinn?

Fragen über Fragen – und ein Interview.

Der Vorstandschef der Stiftung Deutsche Sporthilfe, Werner E. Klatten, erläutert im Gespräch mit dem Tagesspiegel Motive und Ziele der Spenden-Kampagne http://www.tagesspiegel.de/sport/art272,2987308

Richtig geschaltet? Sport sucht Sponsoren per Stellenanzeige

Stellenanzeige Sportler

…gesehen auf „Yucca Tree Post“, dem Blog von Jürgen Vielmeier. Lesenswert auch die Kommentare dort zum Thema: http://yuccatree.de/2010/01/ironische-kampagne-der-deutschen-sporthilfe-60-stunden-woche-fur-600-euro/

Als Repräsentanten aller von der Deutschen Sporthilfe geförderten Leistungssportler engagieren sich der Schwimmer Thomas Lurz, Fechterin Britta Heidemann, Judo-Sportler Ole Bischof, Leichtathletin Steffi Nerius, die Kanuten Nicole Reinhardt und Max Hoff – sowie der Alpin-Skirennfahrer und Paralympionike Gerd Schönfelder.

Bemerkenswert hier, dass der Paralympics-Top-Athlet in einer dpa-Pressemeldung bei der Süddeutschen Zeitung, immerhin als einzigem Blatt genannt, doch recht lapidar ohne Nennung seiner Leistungssportdisziplin allgemein dem „Behindertensport“ zugeordnet wird: http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/899392 . Da braucht es noch etwas mehr als Stellenanzeigen für Sportler im Blatt: „Journalisten gesucht“…

Schwimmer gesucht

Die FAZ titelt zu dieser Anzeige in ihrer Printausgabe: „Arme Athleten – Auf Hartz-IV-Niveau für Deutschland“ http://www.faz.net/s/Rub9CD731D06F17450CB39BE001000DD173/Doc~E2817E5A51C90432AB8D0F7217624FA10~ATpl~Ecommon~Scontent.html – und läßt Top-Sprinter und Olympionike Till Helmke zu Wort kommen.

Eine Kampagne, die Welle macht – und in den Foren mancher Onlinemedien, wie etwa der Welt, bei den Leser-Kommentaren an Ironie und Sarkasmus zuweilen noch um Längen überboten wird: http://www.welt.de/sport/article5724414/Hungerlohn-statt-Reichtum-fuer-die-Weltmeister.html

Meine Meinung: Sportler werden ist nicht schwer, Sportler sein dagegen schon… – im Leistungssport. Doch da geht noch was auch für Athleten des paralympischen Sports: Sponsoren für Sportler. Weil nicht nur die Medaille zählt… Und überhaupt

Die Videoantwortder Stiftung Deutsche Sporthilfe auf ihrem neuen YouTube-Kanal: „Sporthilfe gibt’s nicht beim Arbeitsamt.“ Auskömmliche Jobs leider auch immer seltener: der Trend „geht zu 3-Euro-Sponsoren“, zu aktivem ehrenamtlichem Engagement  – und zur Fan-Community.

Wie? Ganz einfach: per Klick  hier http://www.facebook.com/group.php?gid=125964702610&ref=mf-

und natürlich mit zahlreichen Besuchen der Sport-Events.

Denn, ohne Fans keine Medien, ohne Medien keine Sponsoren. Ohne Sportler kein Spaß beim Sport: einer der schönsten Jobs der Welt – eigentlich…

Quelle: Video 1 Scholz & Friends on YouTube http://www.youtube.com/user/ScholzundFriends – wo die Autorin ihr Texterhandwerk gelernt hat.

:Paralympic_crew_blog on Holidays – with snow and Simon’s Cat… ;-)

Hallo :PARALYMPIC_fans,

danke an alle für die vielen Besuche auf dieser Seite – hier geht’s in Kürze schneller, höher, weiter... 2010 sind wir hoffentlich alle wieder fit und sportlich dabei.

Beste Wünsche und Grüße!

Thanks for so many visits on this blog – will be continued soon.

Hope to have you all back here in 2010.

With best wishes!

Andrea Ramsteck

IPC Kurzbahn WM Rio: Rekorde, Medaillen, Goldrausch – Copacabana #3 update

Sie gibt einen Vorgeschmack auf die Paralympics in Rio de Janeiro 2016 – die Kurzbahn-WM 2009 an der Copacabana.

Impressionen von der Kurzbahn WM Rio 2009 aus Sicht des Teams Kanada

„Obwohl das Team mit nur sieben Athleten angereist ist, kann Bundestrainerin Ute Schinkitz mit den bisher erzielten Ergebnissen sehr zufrieden sein. In den vergangenen drei Wettkampftagen sammelte das deutsche Team insgesamt sieben Medaillen.“ vermeldete der Deutsche Behindertensportverband (DBS) am 3. Dezember auf seiner Webseite.

„Zweimal Gold und zwei weitere Weltrekorde für die Rekordsammlung des Berliner Schwimmteams lautet die Bilanz am vierten von sechs Wettkamptagen bei den Kurzbahn-Weltmeisterschaften im Schwimmen der Behinderten in Rio de Janeiro.

Daniela Schulte setzte sich mit zwei Weltrekorden gegen die Konkurrenz über 100 Meter Lagen und 200 Meter Lagen durch. Durch einen Fehlstart blieb ihr der dritte Titel, trotz Weltrekordzeit, gestern leider verwehrt.

Der zweite Berliner im Deutschen Mini-Aufgebot, Lucas Ludwig, schwamm am heutigen Abend, nach zwei fünften Plätzen (100 Meter Schmetterling und 200 Meter Lagen), auf einen herovrragenden vierten Platz über 400m Freistil.

Allerdings lief die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften alles andere als optimal.

Denn lange bereiteten sich die Schwimmer auf eine ungewisse WM-Teilnahme vor, zu der letzendlich nur zwei Berliner reisen konnten. Leider konnten Nationalmannschaft und Deutscher Behinderten Sportverband  die Reise nicht mehr finanzieren – und das Berliner Schwimmteam musste die Kosten von 3.200 Euro kurzfristig selbst tragen.“ schreibt Maik Zeh, Teammanager und Trainer am Berliner Paralympischen Trainingsstützpunkt Schwimmen, in seiner Pressemitteilung.

Am vierten Wettkampftag glänzte Maike Naomi Schnittger mit einer Bronzemedaille über 400 Meter Freistil. Ein weiteres Highlight setzte Daniel Simon, als er sich den Weltmeistertitel über 50 Meter Freistil in 24,24 Sekunden holte.

Kirsten Bruhn im Sportler-Porträt bei ParalympicSportTV

Die mehrfache Paralympics-Siegerin und Spitzen-Athletin Kirsten Bruhn vom PSV Neumünster preschte mit neuem Weltrekord über 100 Meter Rücken zu Gold – und über 50 Meter Freistil zu Bronze.

Christoph Burkard gewann in seiner Startklasse gleichfalls über 400 Meter Freistil mit 4:36,25 Minuten Bronze -und mailte der Neuen Rottweiler Zeitung: „Ich bin super zufrieden!“

Maike Naomi Schnittger (50 Meter Freistil) und Lucas Ludwig (400 Meter Freistil) erreichten am Mittwoch jeweils einen guten vierten Rang.

Ein Ausblick auf die Wettkampfstätten der Sommerspiele Rio 2016

Fans und Sportbegeisterte können die Kurzbahn-WM im Internet per Livestream auf ParalympicSportTV täglich ab 20 Uhr hierzulande verfolgen:

http://player27.narrowstep.tv/assets/players/4304/html/player.html

Die Bilderstrecke von Saulo Cruz auf  flickr macht noch mehr Lust auf Schwimm-WM und Paralympics:

http://www.flickr.com/photos/saulocruz/

Das ist einfach nur Samba!

Wer das Schwimmteam Berlin unterstützen möchte, kann dies über das Spenden-Portal „Betterplace.org“ http://de.betterplace.org/projects/1928-weltmeisterschaft-im-schwimmen-der-behinderten

Wer sagt, Medaillen seien ja nicht so wichtig wie der Erfolg und Spaß beim Sport, der bedenke: Keine Meriten ohne Moneten – vice versa.

Hier geht es zum Medaillen-Spiegel der IPC Kurzbahn-WM Rio 2009:

http://www.swimmingrio2009.com.br/EN/schedule-results/medals-ranking.asp

+++ #1 Update vom 5. Wettkampftag:

Es war wohl der erfolgreichste WM-Tag in Rio bisher.

Insgesamt wurden fünf Medaillen gewonnen: drei Mal Gold, zwei Mal Bronze kann das deutsche Schwimmteam am 3. Dezember für sich verbuchen. Dazu gab es einen sechsten Platz.

Die Stimmung war hervorragend trotz eines zwischenzeitlichen Gewitters, das auch den Zuschauern bei ParalympicSportTv in aller Welt eine Auszeit am PC-Bildschirm bescherte. „Es schüttete nur so vom Himmel.“ berichtet Bernhard von Welck, Chef-Trainer des Deutschen National-Schwimmteams und freut sich über die Ergebnisse eines sehr erfolgreichen und – auch von oben – energiegeladenen Tages:

Kirsten Bruhn holte über 100 Meter Brust  in  1:35,30 Minute Gold und  stellte hier in ihrer Startklasse neuen Weltrekord auf. Später gelang ihr zudem der Griff nach Bronze auf 100 Meter Freistil mit 1:11,90 Minute – und zugleich ein Europarekord.

Christoph  Burkard gelang über 100 Meter Brustschwimmen  in 1:22,44 Minute Weltrekord sowie über 100 Meter Schmetterling  in 1:12,44  Minute zugleich eine neue persönliche Bestzeit.

Lucas Ludwig schwamm Europarekord und gewann eine Bronzemedaille über 100 Meter Lagen in 1:00,82 Minute.

Annke Conradi schlug über 100 Meter Freistil  in 2:20,08  Minuten als Erste im Ziel an – und gewann eine Goldmedaille.

Auch bei Fans, die sich in Social Networks wie Facebook untereinander und mit den Sportlern dort international über die IPC Swimming World Championships Rio 2009 sowie in Fan-Gruppen austauschen, schlagen die Erfolge der Schwimmer wie ein Blitz ein. Die Spannung ist elektrisierend – und sie steigt täglich online und in Echtzeit.

Vitamine – echte und einzige Energiespender in Rio

+++ #2 Update vom 6. Wettkampftag:

Auch die Ergebnisse vom 6. Tag  der IPC WM Kurzbahn können sich sehen lassen. Dieses Spitzen-Sportevent war wieder sehr erfolgreich. Insgesamt wurden zwei Medaillen gewonnen: ein Mal Gold und ein Mal Silber. Dazu gab es je einen 5. und  7. Platz.

Wettergott Zeus steht der Sinn derzeit nach Wasser – auch von oben.

„Es schüttete wieder den ganzen Tag vom Himmel. Auch heute gibt es auf Grund der kritischen Wetterlage keine offiziellen Siegerehrungen. Wichtiger ist die Durchführung der Wettbewerbe.“ mailt Cheftrainer Bernhard von Welck aus dem fernen Rio nach Deutschland. Und das Schwimmteam hofft: „Jetzt noch ein Wettkampftag: mal sehen, ob das Wetter wieder besser wird.“ Fans in Deustchland und weltweit drücken die Daumen!

Die Ergebnisse des 6. Tages:

Daniela Schulte stellte auf 100 Meter Rücken  in 1:19,96 Minute einen neuen  Weltrekord auf und erreichte Platz eins.

Lucas Ludwig erreichte über 100 Meter Rücken  mit 1:00.30 Minuten  eine neue persönliche Bestzeit.

Christoph  Burkard schwamm die 100 Meter Freistil in  1:04.85 Minute.
Daniel Simon holte über 100 Meter Rücken  in 1:04.37 Minute Silber – und erreichte zugleich eine neue  persönliche Bestzeit.

Im Ranking steht Deutschland damit weiter auf Platz sechs.

Auf der Erfolgswelle - das deutsche Schwimmteam bei der WM Rio

+++ #3 Update vom 7. Wettkampftag:

Auch am letzten Wettkampftag regnet es in Rio zunächst – doch beim Finale strahlen Fans und Athleten um die Wette.

Mit zwei Medaillen – ein Mal Gold und ein Mal Bronze – rundet das deutsche Schwimmteam die Medaillenbilanz der WM auf der Kurzbahn in Rio nochmals erfreulich auf. Dazu gab es einen fünften und neunten Platz.

Das Wetter war etwas wärmer, aber trotzdem begann es im Verlauf der Vorläufe wieder zu regnen.

Die Ergebnisse des 7. und letzten Tages:

Daniela Schulte schwimmt über 100 Meter Freistil  erneut auf Platz eins in 1:08,94 Minute. Auch Maike  Naomi Schnittger fischt über 100 Meter Freistil  in 1:02,50 Minute mit Bronze noch einmal Edelmetall für Deutschland aus dem Wasser der Kurzbahn-WM in Rio.

Daniel Simon schwimmt über 100 Meter Freistil  in 55,21 Sekunden auf einen guten fünften Platz. Lucas Ludwig erreicht über 100 Meter Freistil  Rang neun in  54,94 Sekunden.

Insgesamt erreichten die Schwimmer elf Mal Gold, zwei Mal Silber und sechs Mal Bronze und belegten damit in der Gesamtwertung Rang 6 noch vor Japan, Spanien und Kanada.
„Wir können hoch zufrieden mit einer optimalen Medaillenausbeute, aber auch mit hervorragenden Bestzeiten nach Hause zurückkehren. Es war aus unserer Sicht ausgesprochen wichtig, an dieser Weltveranstaltung teilzunehmen, da die meisten führenden Nationen vor Ort waren und diese Veranstaltung sicher in den festen Kalender aufgenommen wird.“ so das Fazit von Bernhard von Welck zur WM Rio 2009.


+++ Sport-Fans sagen Danke! Auch die Band „Silbermond“ ist jetzt Follower und Freund der :Paralympic_crew on YouTube:

(Text mit v.Welck/DBS, D. Paschke; M. Zeh/BSB,  Foto: DBS)

Konkurrenz weggeputzt: Deutsche Leichtathleten räumen Titel und Medaillen ab bei IWAS Games in Bangalore – Update

Die Erfolgsmeldungen von der Leichtathletik-WM im indischen Bangalore reißen nicht ab. Auch am vierten Wettkampftag vermeldet das deutsche Team sensationelle Ergebnisse: Mathias Mester wirft als erster kleinwüchsiger Athlet den Speer über die 40-Meter-Marke und holt sich den Titel mit einer Weite von 40,69 Metern.

In der 4x-400-Meter-Staffel kommen die deutschen amputierten Sprinter nach Disqualifikation der Thailänder mit einer Zeit von 47,96 Sekunden auf Platz eins und zum Weltmeister-Titel.

Über 100 Meter lief David Behre in neuer persönlicher Bestzeit von 24,56 Sekunden hinter dem Brasilianer Olivera zu Silber.

In der Startklasse der Oberschenkelamputierten  holte sich Heinrich Popow im deutsch-deutschen Duell den WM-Titel über 200 Meter. Bis zur Kurve hatte sich Wojtek Czyz einen Vorsprung erarbeitet, berichtet TSV Bayer 04 auf der Vereinsseite. In der Kurve kam der Leichtathlet vom 1. FC Kaiserlautern dann aber aus dem Tritt und verlor seine Prothese.

An der Spitze des Feldes nutzte Heinrich Popow seine Chance und sicherte sich in 26,62 Sekunden überraschend den Titel und Gold vor dem Japaner Yamamoto.

Heinrich Popow (Mitte) und Thomas Kipping (links)

Thomas Kipping mit Heinrich Popow und David Behre

Verliererin des Tages könnte nun Steffi Nerius sein, die ihre Wette mit Mathias Mester verlor. Doch sie nimmt es sportlich – und wurde vom deutschen Team freudig mit neuer Hymne bedacht: „Wir wollen dich putzen sehen,…“

Derzeit sind wohl alle deutschen Team-Mitglieder Gewinner: http://www.tsvbayer04.de/de/_news.detail.asp?id=4151&guid=E7AB23750F2A4C74B824B4574AD9967C-469-378-421

Beachtliche Leistungen sind das angesichts eher weniger optimaler Startbedingungen an den Wettkampfstätten in Bangalore und organisatorischer Ablaufschwierigkeiten aufseiten der Gastgeber. Sogar indische Sport-Journalisten äussern sich dazu kritisch:

http://beta.thehindu.com/sport/other-sports/article55126.ece

Da musste bei der Eröffnungszeremonie ein Redner im Rollstuhl auf die Tribüne gehoben werden, weil eine Rampe fehlte: ein echtes Handicap. Handbiker und Rennrollstuhlsportler bemängeln die Beschaffenheit der Tartanbahn, die zu langsam sei. „Am Anfang schien die Organisation etwas mit dem Ablauf überfordert zu sein – jedoch steigert man sich hier von Tag zu Tag. Gab es am ersten Tag noch nicht mal Weiten- oder Zeitenanzeigen, hat man das dann gleich am zweiten Tag im Griff gehabt. Mittlerweile wird bei den Siegerehrungen sogar die entsprechende Nationalhymne vom Band gespielt. Am ersten Tag haben wir mit dem Team unsere schöne Hymne noch live gesungen – wir wurden dafür sogar lobend in der indischen Presse erwähnt.“ so Thomas Kipping.

Er betreut das deutsche Team als Orthopädietechniker-Meister vor Ort. Was in anderen Nationen, wie etwa den USA schon seit Jahren professionelle Praxis ist, setzte nun der neue Bundestrainer, Willi Gernemann, um. „Nachdem ich bei einem Wettkampf in Münster gesehen habe, wie wichtig ein Orthopädiemechaniker sein kann, haben wir diese Neuerung eingeführt. Schließlich haben wir zahlreiche amputierte Athleten dabei, die auf ihre Prothesen angewiesen sind.“

Bei 16 Einsätzen stand Kipping den Leichtathleten mit Prothesen-Technik als Fachmann zur Seite, kümmerte sich um Reparatur und Feinjustierung der Sportausrüstung. Seine Werkstatt hat er mangels anderer Alternativen  in seinem Hotel-Zimmer in unmittelbarer Nähe der Athleten eingerichtet. Gegen 13 Uhr ging es dann per Shuttle-Bus samt gepacktem Rucksack mit Notfallwerkzeug, Tapes, Klebstoff ausgerüstet ins Stadion.

Nachwuchsathlet Nick Weihs und Thomas Kipping

Nachwuchsathlet Nick Weihs und Thomas Kipping

„Für die Prothesenträger ist es in erster Linie wichtig zu wissen, dass ein Orthopädietechniker mit entsprechendem Equipment im Hintergrund für den Notfall bereit steht. Das gibt ihnen eine gewisse Sicherheit im Kopf.“ erklärt der Mann für alle Fälle. Diese lassen sich indes trotz Fine-Tuning und Sicherheitsvorkehrungen nicht immer verhindern – und sind zum Glück selten.

Nach den ersten Trainingseindrücken optimierte Kipping die Prothese des Nachwuchsathleten Nick Weihs. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Drei persönliche Bestleistungen und eine Silbermedaille standen für den 17-jährigen Athleten auf der Habenseite.

Mit Orthopädie-Technikern läuft es gut

Mit Orthopädie-Technikern läuft es gut

Seit dem Jahr 2001 betreut Thomas Kipping den vierfachen Medaillengewinner in Indien und Paralympics-Sieger Heinrich Popow.

Thomas Kipping freut sich, das deutsche Team unterstützen zu können: „David Behres Stümpfe haben hier etwas im Umfang verloren – daher ruschten seine Prothesen und ein Sturz im Training war die Folge. Ich habe ihm den Innenschaft angepasst und die Ventile, die das Vakuum halten müssen, verbessert.“ Auch verschiedene statische Anpassungen gehören zu den Aufgaben des Supports vor den Wettkämpfen. Um größere Reparaturen durchführen zu können, steht Kipping in Kontakt mit Kollegen der Werkstatt von Otto Bock Health Care in Bangalore.

Es sei wichtig, alles an Maschinen und Material da zu haben, um komplette Prothesen bauen zu können, ergänzt der Orthopädietechniker des deutschen Teams und lobt die Hilfsbereitschaft der Otto-Bock-Werkstatt, die man bislang noch nicht in Anspruch nehmen musste.

Zum Boxenstopp gehört auch das Reifenflicken – eine echte Herausforderung für Thomas Kipping, als ein platter Rollstuhlreifen von Marianne Buggenhagen sofortigen Support benötigt: „Da kein Ersatzschlauch aufzutreiben war – und eine Lieferung 10 Tage dauert -, improvisierte der  erfahrene Team-Orthopädietechniker – und schnitt flugs einen Flicken aus einem Thera-Band, das Athleten  zu Trainingszwecken dient.

Jörg Frischmann, selbst erfolgreicher Leichtathlet dieser WM mit Silber im Kugelstoßen und Geschäftsführer von Bayer 04 Leverkusen, sagt: „Tom Kipping hat den Bereich Prothetik  sehr gut begleitet. Ich würde mich freuen, wenn er fester Bestandteil des Teams wird.“

Siegerehrung Jörg Frischmann

Siegerehrung Jörg Frischmann

Alles in allem läuft es sehr gut für das deutsche Leichtathletik-Team. Nächste Station ist vor den Paralympics 2012 die IPC Leichtathletik WM in Neuseeland 2011 – möglichst auch mit dem Orthopädie-Techniker Thomas Kipping im Nationalteam.

Martina Willing holte ihre zweite Goldmedaille nach Diskus jetzt auch im Kugelstoßen. Mit einer Weite von 8,17 Metern blieb die 50-Jährige nur 34 Zentimeter unter ihrer persönlichen Bestleistung und 47 Zentimeter unter dem Weltrekord. Für die mehrfache Paralympics-Siegerin Willing ist dies der siebte WM-Titel ihrer Laufbahn, meldet die Märkische Oderzeitung: http://www.moz.de/index.php/Moz/Article/category/Sport/id/306069 Am Sonntag setzte die Athletin noch einen drauf und eroberte sich beim Speerwerfen mit 23,53 Metern Platz eins und erneut Gold. Alle guten Dinge sind drei.

Im Speerwurf sicherte sich Marianne Buggenhagen mit 16,32 Metern Bronze. Am Sonntag glückte ihr beim Kugelstossen, was Martina Willing in deren Startklasse zuvor gelang: mit einer Weite von 8,17 Metern die Eisen- in eine Goldkugel zu verwandeln.

Weitwurf-Spezialisten - Ali Ghardooni und Steffi Nerius

Weitwurf-Spezialisten - Ali Ghardooni und Steffi Nerius

Der 29-jährige Diskuswerfer Ali Ghardooni, der nach einer Kinderlähmung das rechte Bein eingeschränkt nutzen kann, wirft die Scheibe aus der Sitzposition heraus – jetzt mit einer Weite von 44,71 Metern zu Gold. Damit hat der gebürtige Iraner sein Ziel hier bei der Leichtathletik-WM in Indien erreicht: den Weltmeistertitel. Er hofft, 2010 die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten.

Mit einer Gold- und zwei Silbermedaillen endeten die Titelkämpfe für die deutsche Mannschaft bei der Leichtathletik Weltmeisterschaft in Indien. Zum Auftakt des letzten WM-Tages gewann Marc Schuh in einem packenden Finale mit der Zeit von 49,62 Sekunden über 400 Meter Gold.

Weltmeister Mathias Mester

Weltmeister Mathias Mester

Mathias Mester stieß die Kugel zum guten Schluss mit 11,91 Metern noch einmal auf Europa-Rekordweite und gewann damit eine Silbermedaille. Seine Trainerin Steffi Nerius zeigt sich darüber mehr als erfeut – trotz oder gerade wegen verlorener Wette.

Sehr erfreulich, dass zumindest einige deutsche Lokal-Redaktionen auch aus der Ferne am Start sind bei den IWAS Games 2009.

(Text: Andrea Ramsteck, Fotos: Jörg Frischmann/TSV Bayer04 Leverkusen, Ali Ghardooni: privat)

IWAS Leichtathletik-WM 2009 Bangalore: Buggenhagen und Willing holen Titel für Deutschland

Kürzlich erst hatte Martina Willing mit Trainerin Steffi Nerius Position und Sportgerät getauscht – und war dabei von der jüngeren Speerwerferin überboten worden.

Jetzt überbieten Martina Willing (SC Stahl Brandenburg) und Marianne Buggenhagen (SC Berlin) – als zwei Grand Ladies der Leichtathletik – alle Erwartungen und langen schon am ersten Wettkampftag der WM richtig zu. Marianne Buggenhagen holte sich in ihrer Startklasse (F 55) den WM-Titel im Diskus mit einer Weite von 25,80 Metern. Martina Willing wollte da nicht zurückstehen – und warf den Diskus in ihrer Startklasse (F 56) gleichfalls zu neuer Weltrekordweite. Die Athletinnen betreiben ihren Sport im Rollstuhl (und wechseln bei Diskus und Speerwurf in spezielle Sportstühle). Martina Willing ist zudem blind.

Beide Top-Sportlerinnen und das gesamte Deutsche Team werden uns in den nächsten Tagen sicher mit weiteren Bestleistungen auch beim Speerwerfen und Kugelstoßen auf Trab halten. Michaela Floeth (TSV Bayer 04 Leverkusen) kam beim Diskus in ihrer Startklasse mit 37,69 Metern auf den ersten Platz. Ihre Vereins-Kollegin Katrin Green sprintete über 100 Meter als Erste in 13,62 Sekunden durchs Ziel zum neuen deutschen Rekord. Astrid Höfte, gleichfalls TSV Bayer Leverkusen,  gewann Bronze und verbesserte mit 14,07 Sekunden zugleich ihre persönliche Bestzeit. Auch Jana Schmidt (LV Waren – Müritz) und Vanessa Low liefen über die gleiche Distanz in der Startklasse T 42 zu Gold und Silber. Bei den Herren war Reinhold Bötzel (NBS Nienburg) im Hochsprung Sieger des Tages. Kugelstoßer Frank Tinnemeier (Bayer 04 Leverkusen) gewann seine erste internationale Medaille.

Mit David Behre, Markus Rehm (beide Leverkusen) und Nick Weihs (Ludwigslust) sind gleich drei unterschenkelamputierte Nachwuchs-Sprinter im Finale am Donnerstag. Besonders erfreulich ist, dass David Behre (12,05sec) und Nick Weihs (12,23sec) neue persönliche Bestzeiten erzielten. Hinter dem Brasilianer Oliveira haben alle drei Medaillenchancen.
Im 100-Meter-Sprint in der Startklasse T54 hatte Rollstuhl-Schnellfahrer Marc Schuh mit der fünftschnellsten Vorlaufzeit ebenfalls das Finale erreicht.

Indes sind die Bedingungen in der Sportarena der indischen Millionen-Metropole Bangalore keineswegs so highttech-tauglich, wie es ein Technologie-Zentrum vermuten läßt: „Es wirkt vieles noch ziemlich unfertig. In der Weitsprunggrube war noch kein Sand, im Kugelstoß-Ring fehlt der Balken, für die Diskuswerfer ist noch kein Netz installiert“, sagte Delegationsleiter Jörg Frischmann (TSV Bayer 04 Leverkusen) gegenüber RP-Online.

Das tropische Klima stellt an Athleten, die mit Sportprothesen an den Start gehen, hohe Anforderungen: Beim Schwitzen kann es leicht geschehen, dass die Sportprothese am Beinansatz ins Rutschen kommt – bei Sprint oder Weitsprung den Halt verliert. Doch die Profisportler kennen die Risiken, prüfen den sicheren Sitz lieber mehrfach – und wischen sich das Wasser vorsichtshalber öfter von Stirn und Bein. Doch das Handtuch zu werfen, kommt nicht infrage. Seien die Bedingungen auch noch so schwierig. Man macht offensichtlich das Beste daraus – sprichwörtlich und sportlich gesehen.

Einen ersten Überblick zum System der Startklassen (auch Schadensklassen genannt) gibt es hier: http://www.leichtathletik.de/dokumente/ergebnisse/uploads/paralympics/startklassen_paralympics.pdf Abhängig von Art und Umfang der körperlichen Beeinträchtigung starten die Athleten zur Wahrung der Chancengleichheit in jeweils eigenen vergleichbaren Startklassen.

Die Berliner Morgenpost stellt Leichtathletik-Weltmeisterin des Jahres 2009 und Diplomsportlehrerin Steffi Nerius in einer Reportage aus Anlass der IWAS Leichtathletik-WM in ihrer neuen Arbeit als Trainerin der deutschen Behinderten-Leichtathletik-Mannschaft vor: http://www.morgenpost.de/sport/article1212047/Weltmeisterin-Nerius-trainiert-einen-Weltmeister.html

Der Erfolg der Brandenburger Sportlerinnen Buggenhagen und Willing findet bislang in der sonstigen Berliner Regional- und Lokalberichterstattung – leider auch im Sportteil eines Paralympics-Medienpartners – keine Erwähnung. Und dabei reichte man mir neulich noch eine hellblaue Papiertüte mit der Aufschrift „Paralympics Zeitung“ – in der meine Tageszeitung steckte, die ich seit über 30 Jahren lese. Ich bleibe zuversichtlich.

Aber dies hier sind ja nicht die Paralympics – und die WM läuft noch. Womöglich kommt man in Berlin ja noch nach – mit aktuellen Sportnachrichten von der IWAS Leichtathletik-WM 2009 in Bangalore.

Die Mannschafts-Aufstellung ist folgende:

David Behre: 100m, 200m, Staffel

Reinhold Bötzel: Hochsprung

Marianne Buggenhagen: Kugelstoßen, Diskus, Speerwurf

Wojtek Czyz: 100m, 200m, Weitsprung, Staffel

Michaela Floeth: Kugelstoßen, Diskus

Jörg Frischmann: Kugelstoßen

Ali Ghardooni: Diskus

Katrin Green: 100m, 200m, 400m, Weitsprung

Astrid Höfte: 100m, 200m, Weitsprung

Ulrich Iser: Kugelstoßen

Vanessa Low: 100m, Weitsprung

Mathias Mester: Kugelstoßen, Speerwurf; Diskus

Heinrich Popow: 100m, 200m, Weitsprung, Staffel

Markus Rehm: 100m, 200m, Weitsprung, Staffel

Jana Schmidt: 100m, Kugelstoßen, Speerwurf

Marc Schuh: 100m, 200m, 400m

Frank Tinnemeier: Kugelstoßen

Nick Weihs: 100m, 200m, Weitsprung, Staffel

Martina Willing: Kugelstoßen, Speerwurf, Diskus

Das Team Bayer 04 Leverkusen berichtet täglich von der WM Bangalore für die deutsche Mannschaft unter http://www.tsvbayer04.de/de/beh_ottobockmeeting_2007.asp?guid=720DA73FC3EF4A7D84EAB9588172571F-1609

(Quellen Presse: Märkische Oderzeitung v. 25.11.2009 und RP-online v. 25.11.2009)

http://www.moz.de/index.php/Moz/Article/category/Sport/id/305657

http://www.rp-online.de/bergischesland/leverkusen/sport/Die-Sorge-um-den-stabilen-Halt_aid_786980.html

:paralympic_News: Pressespiegel_03_09

Gerade wurden die paralympischen Sportler des Jahres 2009 in Berlin gekürt, da vermelden die Newsticker bereits Neuigkeiten für die Sommerspiele 2012 in London.

Erstmals seit den Sommer-Paralympics Sydney im Jahre 2000 werden auch wieder Athleten mit geistigen Einschränkungen in den Disziplinen Leichtathletik und Schwimmen an den Start gehen: eine Entscheidung, die große Zustimmung findet – aber auch für Diskussionen wegen möglicher Auswirkungen auf  Wettkampfabläufe sorgt. Dabei geht es nicht um die Teilnehmer, sondern um Darstellung und Aussenwirkung in den Medien, bei Sportpresse und Öffentlichkeit.

Die Frage ist also nicht das „Ob“, sondern das „Wie“ bei allgemeiner sowie Sport-Berichterstattung und Organisation. Um Wettkämpfe beim Publikum attraktiver zu machen, wurden einzelne Startklassen bereits zusammengelegt und sogar Disziplinen zusammengestrichen – nicht immer zur Freude für Athleten, die sich lange und intensiv vorbereiten. Die Kosten für Trainings, Reisen und Unterkunft bei den Wettkämpfen tragen sie zumeist selbst. Dieser Umstand, erschwert schon jetzt manchen Sportlern – auch denen der Gruppe mit kognitiven Einschränkungen – die Teilnahme bei den Paralympics.

Auch Fans, die sich im System der Startklassen auskennen, sind irritiert.

http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/881590

Wie schwierig das Thema „Paralympics“ in seiner Zuordnung bei der Presse ist, verdeutlicht sich, wenn interessierte Leser den Eklat um die Leichtathletin und WM-Siegerin Caster Semenya hier wiederfinden – quasi als „Akte X-Fall“:

http://www.focus.de/sport/mehrsport/leichtathletik-paralympics-suedafrikanischer-verband-suspendiert_aid_451854.html (Da ist sie wieder: unsere Rubrik „Mehrsport“. Was nicht passt, wird passend gemacht.)

Manchmal treibt die Berichterstattung schon seltsame Blüten. Mit seriöser Erwähnung paralympischer Athleten im Kontext von Olympia oder Sport allgemein tut man sich bedeutend schwerer. Es scheint Vorsicht geboten: die Paralympics nicht wieder in die Rubrik „Freakshow“ zu schieben. Das sollten wir längst hinter uns haben – und alle Athleten fair sowie fachkundig würdigen.

Immerhin gelingt es mancherorts, angemessen über brisante Sportthemen zu berichten: http://www.derwesten.de/nachrichten/sport/leichtathletik/2009/11/19/news-141377859/detail.html – und neben der menschlichen auch die sportliche Leistung in den Fokus zu stellen. Das ist es, was Leistungssport ausmacht, nicht alleine „Schicksal“ oder „Skandal“. Diese Headlines finden sich leider allzu oft im boulevardesken Teil bunter Blätter. Sportberichte per Media-Mix, das wollen Sportler – und ihre Fans.

Was Paralympics-Fans lesen wollen, wissen die Schüler-Redakteure der „Paralympics-Zeitung“ seit den Sommerspielen Athen 2004. Jetzt ist ein neues Redaktions-Team am Start bei den Winter-Paralympics Vancouver im März 2010:

http://www.die-mark-online.de//freistilstart/00_20091120005900_Von_Hennigsdorf_nach_Vancouver.html

Da wird es ganz sicher keine Stilblüten geben, sondern professionelle Reportagen, Interviews und Sportler-Porträts – von motivierten, neugierigen, sportbegeisterten Schreibern. Wir dürfen gespannt sein auf die erste Ausgabe der coolen Paralympics-Zeitung aus Vancouver und Whistler. Zusammen mit ihren kanadischen Schüler-Kollegen von der Kitsilano Secondary School in Vancouver werden sie vier Ausgaben der deutsch-kanadischen Paralympics Zeitung erstellen. Zwei Ausgaben des deutschsprachigen Teils sollen im Zeitraum der Paralympics als Beilage in der „Zeit“, dem „Handelsblatt“ und dem „Tagesspiegel“ erscheinen. Als Autoren werden wir dann folgende Namen lesen:

Anne Balzer, Forst (Lausitz), Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium

Heiko Möckl, Uhldingen-Mühlhoffen, Droste-Hülshoff-Gymnasium, Meersburg

Raphael Menke, Trier, Auguste-Viktoria-Gymnasium

Elisa Kremerskothen, Berlin, Bertha-von-Suttner-Gymnasium

Franziska Ehlert, Henningsdorf, Alexander-Puschkin-Gymnasium, Henningsdorf

Niko Langhammer, Holzkirchen, Max-Rill-Gymnasium, Reichersbeuern

Tassilo Hummel, Neckargemünd, Gymnasium Neckargemünd

Leonie Arzberger, Haag an der Amper, Dom-Gymnasium, Freising

In Workshops werden die Jungjournalisten mit redaktioneller Unterstützung des Tagesspiegel schon jetzt fit gemacht: http://www.tagesspiegel.de/sport/Paralympics;art17971,2947493 „Dann weicht das Lampenfieber schnell der Leidenschaft und Begeisterung beim Schreiben.“ versicherte Schülerin Bettina Berndt kurz vor dem Abflug des Redaktions-Teams zu den Paralympics nach Peking am Flughafen Berlin-Tegel.

Die Jungjournalisten der Paralympics-Zeitung 2008

Das Redaktions-Team der Paralympics-Zeitung der Sommerspiele Peking

„Klar, die Paralympics Zeitung ist ein tolles Projekt, aber die Flut an Einsendungen hat uns dennoch überrascht“, sagt Gregor Doepke von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Als Jury-Mitglied und Initiator des Projektes Paralympics Zeitung hatte auch er die Qual der Wahl, unter den hundert besten Einsendungen die acht herausragenden Bewerber auszuwählen.

Schüler-Reporter berichteten aus Peking 2008

Seit der ersten Zeitung in Athen 2004 hat das Projekt eine beeindruckende Entwicklung gemacht“, findet Lorenz Maroldt, Chefredakteur des Tagesspiegel und Herausgeber der Paralympics Zeitung. Auch er hat als Jury-Mitglied die acht Sieger des Schreibwettbewerbs ausgewählt.

Presse und viel Prominenz am Start

„Wir freuen uns, dass diese hoch motivierten jungen Menschen die Paralympics erleben können und so vielen Menschen in Deutschland von ihren Erlebnissen und Eindrücken berichten werden. Durch die Arbeit der jungen Reporter bekommen die Winter-Paralympics noch mehr Öffentlichkeit in Deutschland, auch bei jüngeren Menschen. Das ist uns ein wichtiges Anliegen“, ergänzt Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes e.V. (DBS) und Mitglied der Auswahljury. Der DBS ist offizieller Partner der Zeitung.

Ein Berliner Original: die Paralympics-Zeitung

Auch die Wintersport-Athleten machen sich professionell für Vancouver warm – und werden erstmals auch bei den Paralympics 2010 mit offizellen Olympia-Pässen ausgestattet:

http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/840774

Wer bei den Paralympics in Vancouver um die besten Plätze bei Ranking, Rekorden und Medaillen kämpft, hat auch bereits die Bewerbung um die Winterspiele in München 2018 im Blick – sollte man meinen. Dass dem nicht immer so sei, schreibt die Süddeutsche Zeitung:

http://www.sueddeutsche.de/m5O38j/3135790/Unterschlagene-Paralympics.html

Während die Winter-Paralympioniken beim Training für Vancouver ins Schwitzen kommen, messen sich derzeit Athleten der Sommerspiele im fernen indischen Bangalore bei tropischer Hitze: http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1257341735366&openMenu=1013016724285&calledPageId=1013016724285&listid=1018881578312

(Dieser Beitrag ist auch als Audio unter obigem Link abrufbar.)

In der 10 Millionen Einwohner zählenden Metropole – indisches Silicon Valley – finden jetzt die IWAS (International Wheelchair & Amputee Sports Federation) World Games 2009 mit Leichtathletik-Weltmeisterschaft der Handicap-Sportler statt. Hier treten mit 18 Mitgliedern des deutschen Teams als Favoriten Martina Willing, Michaela Floeth, Astrid Höfte und Wojtek Czyz an. Marianne Buggenhagen will es nochmal wissen – und hat gute Aussichten auf Edelmetall.

Paralympics-Sieger und WM-Favorit Mathias Mester hat eine saubere Sport-Wette mit Trainerin Steffi Nerius am Laufen: Wenn er eine Medaille im Diskus-Wurf abräumt, räumt sie bei ihm auf.

http://www.ahlener-zeitung.de/lokalsport/kreis_coesfeld/coesfeld/1218120_Ein_Staubwedel_fuer_Steffi_Nerius.html

Top, die Wette gilt!

Doch zuvor tauschte die Siegerin der Leichtathletik-WM Berlin und Weltmeisterin im Speerwurf mit Top-Athletin und Paralympics-Siegerin Martina Willing die sportliche Rolle – und warf  den Speer aus der Sitzposition heraus. Zur Sicherung des Wurfes dient ein spezieller Sportsitz, an dem querschnittgelähmte Speerwerfer ihre Beine per Sicherheitsgurten fixieren. So erreichen sie eine stabile Position bei größtmöglicher Flexibilität des Oberkörpers beim Wurf. Orthopädie-Techniker sind vor Ort, um Sportgeräte und Rollstühle beim Boxen-Stopp startklar zu machen.

Ungewohnte Position für Steffi Nerius beim Speerwurf

Ungewohnte Position für Steffi Nerius beim Speerwurf (Foto:DBS)

Eine saubere Leistung legen schliesslich alle Athleten hin. Auch Ali Ghardooni.

Der gebürtige Iraner kam vor fünf Jahren als Flüchtling nach Deutschland, lebt in Magdeburg und gilt als ein „erfolgreiches Beispiel gelungener Integration“, so Norbert Block, Präsident des Behinderten- und Reha-Sportverbandes Sachsen-Anhalt.

Der 29-jährige Leichtathlet hat einen langen Behörden-Marathon absolviert und startet, obwohl offiziell noch nicht eingebürgert, inzwischen für die deutsche Nationalmannschaft. Die Ausländerbehörde in Magdeburg hat ihm – wie bereits zu den Paralympics vor einem Jahr in Peking – einen Reisepass ausgestellt.
Die Behörde fördert auch seine Ausbildung zum Informatik-Kaufmann. Ghardooni wolle sich nun mit einer Medaille im Diskusring von Bangalore revanchieren, schreibt die Mitteldeutsche Zeitung.
Verfechter der Paralympics, Sir Philip Craven, wurde für weitere vier Jahre zum Präsidenten des IPC gewählt: http://ow.ly/EBcz
Wieder IPC-Präsident: Sir Philip Craven

Wieder IPC-Präsident: Sir Philip Craven

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(Text zur Paralympics-Zeitung mit Agentur panta rhei/Karin Preugschat und DBS/Marketa Marzoli, Fotos: Andrea Ramsteck)

„Respekt für eine bemerkenswerte Frau!“ – das zweite Leben der Steffi Nerius

Manchmal gibt es Tage, da stöbert man im Netz nach guten Sport-Reportagen oder Interviews zum paralympischen Sport – und entdeckt sie auch tatsächlich. Heute ist so ein Tag – und der Beitrag in der FAZ vom 18. November im Vorfeld der IWAS World Games und Leichtathletik WM 2009 der Sportler mit Handicap im indischen Bangalore http://www.paralympicindia.org.in/iwas/ – ein echter Lichtblick.

FAZ vom 18. November 2009

Im Gang zur Trainingshalle von Bayer Leverkusen hängt ein Poster, mit dem Nordrhein-Westfalen für sich wirbt. Die großen Köpfe des Landes sind versammelt, und Steffi Nerius lächelt zwischen Kardinal von Galen und Konrad Duden. Kein schlechter Platz. „Ja“, sagt Steffi Nerius und lacht laut. „Ich weiß auch nicht, wie ich dahin gekommen bin.“ An Ehrungen ist die 37-Jährige gewöhnt, seit sie im August in Berlin zum glanzvollen Ende ihrer Karriere Speerwurf-Weltmeisterin geworden ist. Die deutschen Spitzensportler haben sie daraufhin zu ihrem „Champion des Jahres“ gewählt.

Was, glauben Sie, haben die Kollegen damit gewürdigt? Den WM-Titel? Oder mehr?

„Wohl mehr, weil ich ja Paul Biedermann geschlagen habe, den zweifachen Weltmeister, der zweimal Weltrekord schwamm. Ich denke schon, dass die Kollegen meine ganze Karriere betrachtet haben, das ganze Paket. Vielleicht haben sie auch den Job gesehen.“

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“Wenn meine Athleten oben ankommen wollen, dann müssen sie schon ein bisschen ranknüppeln“: Steffi Berius mit der beinamputierten Schülerin Vanessa Low„Wenn meine Athleten oben ankommen wollen, dann müssen sie schon ein bisschen ranknüppeln“: Steffi Nerius mit der beinamputierten Schülerin Vanessa Low

Den Job, vor dem die Kollegen Olympiasieger und Weltmeister Hochachtung haben, macht Steffi Nerius seit dem 1. Oktober. Sie ist bei Bayer Leverkusen hauptamtliche Trainerin für behinderte Sportler. Einer von ihnen ist Mathias Mester, und der biegt in der Leverkusener Halle gerade um die Ecke. Mester ist kleinwüchsig, 1,42 Meter groß und Weltmeister mit dem Speer, dem Diskus und der Kugel. „Er ist so etwas wie das Aushängeschild meiner Trainingsgruppe“, sagt Steffi Nerius.

Neun Sportler und Sportlerinnen betreut sie in ihrem Kader, mit vier von ihnen flog sie am Mittwoch zur Weltmeisterschaft nach Bangalore in Indien. Mester ist ein lustiger Bursche. Während er durch die Trainingshalle geht, in der es von Sprintern, Stabhochspringern, Hammerwerfern und Hochspringern nur so wuselt, kommt er aus dem Grüßen nicht heraus: „Tag, Matse!“

Bevor sich der 23-Jährige für das Kugelstoßtraining warm macht, sitzt er neben einem riesigen Hammerwerfer auf der Bank und erzählt, dass er sich für Indien noch ein Netbook gekauft habe. Sei ja so praktisch und klein, viel besser als sein altes Laptop. „Na ja, Kleiner“, sagt der Hammerwerfer trocken, „für dich ist das Netbook ja ein Laptop.“ Großes Gelächter, und Mester lacht am lautesten. Das ist der Umgangston hier zwischen behinderten und nichtbehinderten Athleten: freundschaftlich, direkt, ohne falsche Scheu.

Wenig später steht Mester im Ring und stößt die vier Kilogramm schwere Kugel in Richtung der blauen Matten, die den Boden bedecken. Steffi Nerius sitzt auf einer Holzbank und schaut zu.

„Zu passiv, mehr Druck von den Beinen!“

“Mein letztes Jahr war der perfekte Abschluss“: Im August wurde Nerius Weltmeisterin„Mein letztes Jahr war der perfekte Abschluss“: Im August wurde Nerius Weltmeisterin

Mester holt die Kugel. Der nächste Versuch.

„Denk an die Konterbewegung. Du bist zu passiv mit den Beinen, du musst mehr Spannung auf die Schulter kriegen.“

Der dritte Versuch.

„Das war jetzt schön, aber nur schön, das reicht nicht, um weit zu stoßen.“

Mester schafft einen weiten Versuch, er markiert ihn auf der Matte mit einem Stück Klebeband, seine Aufgabe nun: diese Marke übertreffen. Das will nicht gelingen. Wieder und wieder scheitert er am selbstgesteckten Ziel. Er schreit die Enttäuschung heraus.

„Das war nix“, sagt Steffi Nerius. „Große Klappe reicht nicht. Einen noch, hopp oder topp!“

Mester arbeitet seit 2005 mit Steffi Nerius. Man könne mit ihr viel Spaß haben, sagt er, aber sie habe auch ihre Prinzipien. Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Disziplin, solche Sachen. „Ich arbeite gern mit ihr“, sagt Mester.

Fleiß und Disziplin sind für Steffi Nerius der Treibstoff ihres Lebens. Sie hat neben die Sportkarriere immer etwas anderes gesetzt: erst in Köln Sport studiert, dann von 1998 an im Reha-Bereich gearbeitet. 2002 bekam sie einen Halbtagsjob als Behindertentrainerin bei Bayer, der seit Oktober zur vollen Stelle wurde.

Warum haben Sie sich immer diese Doppelbelastung zugemutet?

„Ich habe schon im Studium in den Semesterferien gemerkt, dass es nichts für mich ist, wenn ich neben dem Sport gar nichts zu tun habe. Man kann nicht nur über Sport nachdenken, ich brauche noch etwas anderes für den Kopf. Ich bin im Studium halt um sieben aufgestanden und habe erst mal zwei Stunden gelernt. Da scheitert es bei vielen Athleten, die ich so kenne. Aber man kriegt alles hin, wenn man organisiert ist.“

Wo haben Sie das gelernt?

„Zielstrebigkeit und Fleiß habe ich von meinen Eltern mitbekommen. Ich bin auch durch die Kinder- und Jugendsportschule geformt worden. Ich bin ja mit 13 ins Internat in Rostock gekommen. Da gab es einen durchorganisierten Tagesablauf, wir sind um sechs aufgestanden, Frühstück, Schule, Training, Mittagessen, Schule, Training, Abendbrot, Schlafengehen. Das war ein Tagesablauf, bei dem man nicht sagen konnte, ich gehe jetzt mal drei Stunden in die Stadt zum Bummeln.“

In der Bayer-Halle macht Mathias Mester Pause. Steffi Nerius kümmert sich um eine andere Athletin, um die 18 Jahre alte Weitspringerin und Sprinterin Vanessa Low, die vor zwei Jahren von einem Zug überrollt wurde und beide Beine verlor. Auf der Bank am Rande hat sie ihre Alltagsprothesen gegen die Sportversion getauscht. Dann geht sie hinüber zur Sprunganlage, und gemeinsam mit Steffi Nerius wird am Absprung gefeilt. Nach und nach trudelt der Rest der Trainingsgruppe ein, in einer halben Stunde beginnt im Gymnastiksaal ein gemeinsames Stabilisationstraining, auf das Steffi Nerius besonderen Wert legt.

Wie sind Sie als Trainerin?

„Ich habe einen gewissen Anspruch. Wenn meine Athleten wirklich oben ankommen wollen, dann müssen sie schon ein bisschen ranknüppeln und Ehrgeiz zeigen. Wenn ich das Gefühl habe, sie sind nur am Jammern, dann kann ich auch schon einmal laut werden.“

Was unterscheidet die Trainingsarbeit mit behinderten von der mit nichtbehinderten Sportlern?

„Trainingsmethodik und der Umgang miteinander sind das Gleiche. Die Behinderten, die zu uns kommen, um Leistungssport zu treiben und mal zu den Paralympics wollen, sind nicht mehr in einem Stadium, wo sie depressiv sind wegen ihrer Behinderung, wo sie frustriert sind, wo sie bemitleidet werden wollen, die wollen alles austesten, die wollen an ihre Grenzen herangeführt werden, wollen gefordert werden, deswegen sind sie hier, und deswegen ist es für den Trainer vom Herangehen her genau das Gleiche wie bei Nichtbehinderten.“

Steffi Nerius ist mit dem Leistungssport großgeworden. Auch als Trainerin hat sie den Ehrgeiz, Sieger zu formen. Doch das ist nur ein Aspekt ihrer Arbeit. Sie ist auch Gründerin und Schirmherrin des Fördervereins „aclive“, der um Sponsoren für die Behindertenabteilung von Bayer Leverkusen wirbt. Ziel ist es, den Nachwuchs zu fördern, ein Fundament zu bauen, wie es im Nichtbehindertensport üblich ist. Trainingsgruppen schon für Acht- bis Zehnjährige, Fahrdienste, soziale Strukturen, Eltern entlasten – das sind die Stichworte.

Als Steffi Nerius 2002 als Trainerin zu Bayer kam, hatte die Behindertenabteilung, die heute 321 Mitglieder hat, 29 Kinder und Jugendliche, heute sind es 82. Der Breitensport ist wichtig und groß geworden, es geht Steffi Nerius nicht nur um Siege und Leistungen, es geht auch um das Meistern des täglichen Lebens, um Sicherheit und Selbstbewusstsein.

Sie sind jetzt oft nur noch Zuschauerin. Vermissen Sie für sich selbst schon die Wettkämpfe? Das Training?

„Das Training gar nicht. Ich muss mich geradezu zwingen, überhaupt etwas zu machen. Ich habe fast ein schlechtes Gewissen deswegen. Ich spüre auch keine Wehmut, weil es vorbei ist mit dem aktiven Sport, keine Melancholie. Ich habe nicht geheult beim Abschied. Mein letztes Jahr war der perfekte Abschluss, ich bin innerlich total befriedigt mit allem, was ich gemacht habe in meiner Karriere. Ich habe nichts verpasst. Es ist schön, dieses Gefühl in sich zu haben.“

Steffi Nerius steht in der Gymnastikhalle am Rand, sie ruht in sich, schaut zu, korrigiert bisweilen. Sie mag es, wenn alle ihre Athleten zumindest einmal die Woche nicht einzeln trainieren, sondern beisammen sind. Es geht ihr bei diesem Stabilisationstraining um mehr als um körperliche Ertüchtigung und Leistungssport. Es geht ihr um das Gefühl von Gemeinschaft.

Und ein Leser kommentiert: „Respekt für eine bemerkenswerte Frau!“

Text: F.A.S. Bildmaterial: AP, Edgar Schoepal

Quelle: FAZ online http://www.faz.net/s/Rub9CD731D06F17450CB39BE001000DD173/Doc~EB01655A5034E47D494DEE6D55D40E2C4~ATpl~Ecommon~Scontent.html