IPD 2009 – PARALYMIC sports in motion

Paralympic sports: „Move it!“

„747“ neuer Weltrekord. Nur Fliegen ist schöner: nach London 2012!

Tor-Stürmer

Tor-Stürmer

„Guck mal, er hat nur ein Bein…

…und blind ist er wohl auch?!
Das merkt man ihm ja gar nicht an.“

Text und Fotos von Andrea Ramsteck

Solche und ähnliche Fragen hörte man oft von unzähligen
staunenden Zuschauern an der Weitsprunganlage des IPD 2009

Fast 60.000 Besucher und Sportfans waren in diesem Jahr mit am Start.

Da trafen und sprachen sich viele bekannte und neue Menschen:

„Hallo, wie geht’s? Was treibst du so seit den Paralympics,

den IDM Schwimmen dieses Jahr hier in Berlin?“

„Twittern. Schneller geht nicht.“ grinsen Sportler und Fan um die Wette…
Kinder zogen ihre Eltern zur Sportarena, warteten
geduldig auf den Start und feuerten die Sportler an.

Sitzvolleyball

Volleyball oder Torball? Beides Paralympics.

Neu ist: Sehr viele junge Sportfans gingen auf die Teststrecke,

hatten viele Fragen – und sind begeistert: „Wie cool ist das denn?!“

Da waren Erläuterungen gefragt – Sport-Moderatoren lieferten sie.

Man kam aus dem Fachsimpeln und Plaudern gar nicht mehr heraus und

hätte dabei als Fan die schönste Überraschung des Tages fast verpasst:

Matthias Schöder springt Weltrekord (Foto: Reinhard Tank)

Matthias Schröder vom PSC Berlin springt neuen Weltrekord (Foto: Reinhard Tank)

7,47 Meter – das ist der neue Weltrekord des smarten Berliner
Leichtathleten und Paralympic-Siegers Matthias Schröder
vom PSC – dem Paralympischen Sport Club Berlin.

Ronan Pallier, Matthias Schröder, Thomas Ulbricht (Foto: Reinhard Tank)

Ronan Pallier, Matthias Schröder, Thomas Ulbricht (Foto: Reinhard Tank)

Wer die „Paralympics am Pariser Platz“ verpasst hat,

dem sei „Sport Platz extra: Der International Paralympic Day“

des Medienpartners RBB als gelungene Sportberichterstattung

sehr empfohlen: einfach auf den Link im Blogroll klicken!

Rebounds und Körbe

Rebounds und Körbe

Alle Handicap-Sportarten lockten und begeisterten Zuschauer:
was für ein Gewimmel, viel mehr als noch vor zwei Jahren.
Als die vielen Helfer am Abend die Tartanbahn einrollten,
mussten sie vorsichtig sein: da waren noch Sportverrückte
beim Probetraining – und fanden kein Ende.

Höher, weiter - Weltrekord

Höher, weiter - Weltrekord

Prothesen-Sprinter faszinierten das Publikum am meisten:
das „C-Leg“ ist berühmtes Markenzeichen und Diskussionsstoff.

Biathletin Verana Bentele ist auch als Coach gefragt

Biathletin Verena Bentele ist auch als Coach gefragt

Nur einige Sprünge vom Pariser Platz entfernt liefen
ja nicht minder stilvoll Damen auf Stilettos ins Ziel.
Und beim Tagesspiegel schafften sie es in die „Top 10“
der meistgelesenen Artikel – noch vor den Paralympioniken.

Champs der Tartanbahn

Ronan Pallier und Roberto La Barbera

Sie aber haben Weltrekorde vorzuweisen – und springen auf
Platz 1: „747“ – nur Fliegen ist schöner: nach London 2012!

+++ Fans sagen: „Really impressing. Let’s get started!“  +++

More impressions on this blog soon –

&  new IPD-video on YouTube!


„Paralympics am Pariser Platz“ – Besuch beim IPD in Berlin

Die Paralympics haben den Sprung aus dem Schatten der Olympischen Spiele längst geschafft – doch auf gute Plätze bei der Sportberichterstattung ist es noch ein weiter Weg.

Der Mann ist schnell, der Mann springt weit – und er hat ein Handicap.
Der Franzose Xavier le Draoullec hat nur einen Unterschenkel.

Text und Fotos von Andrea Ramsteck

Xavier Le Draoullec

Xavier Le Draoullec

Eine Hightech-Prothese macht dem Leichtathleten trotz Handicap Höchstleistungen bei der paralympischen Disziplin Weitsprung möglich. Jetzt auch beim internationalen Sport-Event am Pariser Platz vorm Brandenburger Tor in Berlin.

Gemeinsam mit dem Franzosen zeigen der Schweizer Urs Kolly, Casey Tibbs aus den USA sowie die Deutschen Heinrich Popow, Thomas Ulbricht und Matthias Schröder aus Berlin den Besuchern in Wettkämpfen und Präsentationen, wie weit sportliche Professionalität tragen kann – auch im paralympischen Leistungssport.

Alle Infos zu Programm, Athleten und Highlights des IPD am 11. Juli 2009 in Berlin unter dem Link im Blogroll rechts.

Ein Video dazu bei ParalympicSportTV unter: http://player26.narrowstep.tv/assets/players/3206/html/player.html

Mit über 100 weiteren internationalen Leistungssportlern, zeigen die Weitsprung-Asse beim Internationalen Paralympischen Tag den Berlinern und ihren Gästen Spitzensport der Extra-Klasse. Und das ist durchaus wörtlich zu verstehen: Im Leistungssport der Behinderten und bei den Paralympischen Spielen gibt es spezielle Startklassen. Sie richten sich nach dem Grad der Behinderung oder Beeinträchtigung, bilden die Grundlage der Leistungsbewertung – und sorgen so für einen fairen Wettkampf. Das komplexe System der Klassifizierung wird gerade überarbeitet, auch zugunsten besserer Transparenz und Attraktivität fürs Sportpublikum – nicht immer aber zur Freude der Sportler mit ihren sehr vielfältigen Leistungsprofilen.

Cheerleader

Warm up mit Cheerleadern

Auch Rollstuhlbasketball, Sitzvolleyball und Fußball für Sehbeeinträchtigte verwandeln den Ort des sportlichen Geschehens bei strahlendem Sonnenschein in eine kleine, aber beeindruckende olympische Arena mit fast 50.000 Besuchern bis zum Abend.

+++ Vom diesjährigen IPD 2009 am 11.Juli sendet der Regionalsender RBB live von 17:10 bis 17:55 Uhr, Radio 1 ist von 16 bis 18 Uhr beim Event on Air – und auch der Tagesspiegel ist als Medienpartner mit seiner Sonderberichterstattung am Start. „Thumbs up, Daumen hoch!“ +++

Sitzvolleyball

Präzision eines Profis

Präzision eines Profis

Sitzvolleyball

Groß und Klein erleben hier paralympischen Spitzensport hautnah und unterstützen die Männer und Frauen bei der Präsentation ihres Sports mit kräftigem Beifall bis hin zu rhythmischem Trommeln auf den Seitenbanden an Spielfeldern und Weitsprunganlage. Die Menschen staunen, mit welcher Energie und Eleganz die Athleten auftreten. Freundlich und geduldig beantworten sie Fragen großer und kleiner Sportreporter, wie zum Beispiel diese: „Sie spielen Fußball und können nicht sehen. Wie geht denn das?“

Blindenfußball

Das Runde fliegt ins Eckige

Beim Blindenfußball ist der Ball etwas schwerer als das FIFA-Modell und innen mit einer Rassel ausgestattet. So hören ihn die vier blinden Mannschafts-Spieler rollen. Sie kicken mit Hilfe von Zurufen zweier Helfer – den Guides hinterm Tor und an der Mittellinie. Das Spielfeld ist 20 Mal 40 Meter groß und die Spielzeit beträgt zwei Mal 25 Minuten. Der Mann im Tor ist als einziger sehend – oder sehbehindert. „Voy!“, das rufen die Spieler, wenn sie stürmen, um niemanden umzulaufen. Da sind gutes Ballgefühl und körperliche Geschicklichkeit gefragt. Dieses Länderspiel am Brandenburger Tor gewinnt die Spanische Nationalmannschaft gegen die Deutsche National-Mannschaft.

Wie es sich anfühlt, blind zu sein, erleben sonst sehende Erwachsene und Kinder auf dem Blinden-Parcours. Mit blickdichter Brille und Blindenstock ausgerüstet, tastet man sich voran auf ungewissem Terrain – stolpert hier und eckt da sanft an. Nichts ist zu sehen, nur zu ertasten. Schnell merkt der Blinden-Scout, wie sehr einem die anderen Sinne zu Hilfe kommen, wenn das Sehen einmal ausfällt. Das scheint eine andere Welt, in die der Mensch da eintaucht. Geräusche und Stimmen werden jetzt schnell zu Wegweisern. Die Probanden tasten sich zunächst etwas unsicher, doch zunehmend neugierig durch den Hindernis-Parcours. Nach kurzem Tappen durchs Dunkel tritt man wieder hinaus ins Tageslicht – erleichtert und stolz. Die Welt der Blinden ist nun etwas vertrauter.


Gleich nebenan können Interessierte bequem Platz nehmen. Aber nicht etwa zur Verschnaufpause. Rollstühle verschiedener Größe und Bauart warten auf ihre Benutzer: auf dem Rolli-Parcours. Mitarbeiter der Firma Otto Bock Health Care sind bei den ersten Fahrversuchen behilflich. Das Unternehmen sponsert auch diesen Paralympic Day und ist bei den Spielen mit Hightech und Sachverstand zur Stelle, wenn die Mechanik von Rollstühlen und Prothesen der Athleten eine Auszeit braucht – zwecks Reparatur.

Rolli-Parcours

Teststrecke Rolli-Parcours

Andy, 8 Jahre alt, hat sich ein sportliches Rollstuhl-Modell ausgesucht. Er testet mit seiner ein Jahr älteren Schwester Angel, wie flott man sich auf zwei Rädern über Rampen und an kleinen Hindernissen vorbei bis zum Ziel bewegen kann. Sie ziehen dabei interessierte Blicke auf sich, die kleinen Chinesen. Weil sie den Umgang mit dem Rollstuhl ganz unbefangen und eifrig üben. Gerade haben ihre Landsleute, die Rollstuhlbasketballerinnen der chinesischen Nationalmannschaft zielsicher Bälle aus fast jeder Distanz in den Korb geworfen beim Spiel gegen die deutsche U22-Nationalmannschaft der Männer.

Gleich geht es zur nächsten Station der Mini-Paralympics – an die Tischtennis-Platte. Hier wird weit mehr geboten, als das aus der Freizeit geläufige Ping-Pong-Spiel. Jan-Eric kontert mit seinen 12 Jahren die Aufschläge von Andy fast wie ein alter Hase – sogar aus dem Rollstuhl heraus. In dieser Disziplin sind auch Fußgänger – also Menschen, die nicht auf den Rolli angewiesen sind – als Spielpartner gern gesehen. Selbst geübte Spieler lernen Tischtennis im Rolli aus einer ganz neuen Perspektive kennen – von der Pike auf. Die Regeln sind hier dieselben wie sonst, wenn Rollstuhlfahrer gegen Fußgänger spielen. Spielen zwei Rolli-Fahrer, darf der Tischtennisball nur hinter die Grundlinie, also nicht über die Seitenlinien hinaus fliegen.

Rollstuhltischtennis

Satz und Sieg beim Rollstuhltischtennis

An der Platte nebenan schlägt jemand den Ball im hohen Bogen in die Luft: “Oh, die Frau will hoch hinaus.“ „Ja, aber nur im Wasser!“ lacht sie – es ist Kirsten Bruhn. Die mehrfache Weltmeisterin und Rekordschwimmerin bei den Paralympischen Spielen in Athen, ist begeistert angesichts der vielen Besucher und deren Aufgeschlossenheit bei diesem Sport-Event mit Olympia-Feeling. „Eigentlich sind doch die Menschen – besonders die Kinder – vorurteilsfrei gegenüber Menschen mit Handicap. Das erlebt man hier entgegen vieler Klischees.“, freut sich die Botschafterin dieses paralympischen Tages für das Internationale Paralympische Committee.

Eine Annäherung der Paralympics an die Olympischen Spiele hält sie jedoch für schwierig: „Logistik, Zeitmanagement und Organisation des paralympischen Leistungssports haben ganz besondere Anforderungen. Für Europa- und Weltmeisterschaften hingegen wäre das ein interessanter Gedanke.“

Die sympathische Sportlerin freut sich, durch die verbesserte Sportförderung mit teilweiser Freistellung vom Arbeitsplatz einen höheren Trainingseffekt erreicht zu haben. Ihr Arbeitgeber erhält den zeitweiligen Ausfall der Versicherungsfachangestellten in vollem Umfang finanziell ersetzt. Kirsten Bruhn trainiert jetzt statt bisher drei bis zu acht Stunden, verbessert ihre Zeiten – und stellt neue Weltrekorde im Schwimmen auf.

Auch die Zusammenarbeit mit Schulen, um Kindern und Jugendlichen den Behindertensport und die Paralympischen Spiele ebenso wie den übrigen Leistungssport näher zu bringen, begrüßt Kirsten Bruhn sehr: „Kinder sind doch absolut offen – und vorurteilsfrei.“

Sir Philip Craven - Präsident des IPC

Verfechter der paralympischen Idee - Phil Craven

Am Ende des erfolgreichen Paralympic Days 2007 gibt es noch ein ganz besonders Highlight auf höchster Ebene: Der Präsident des Samsung-Konzerns, Hai-Keong Yang, sowie der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees, Sir Philip Craven, unterzeichnen in feierlichem Rahmen einen Kooperationsvertrag.

Weitere Infos zum Paralympic Day 2009 unter: http://www.tagesspiegel.de/keyword/?keyword=paralympic%20day