37. Berlin Marathon – großes Rennen gegen Regen und Zeit

Mission: Possible – Handbiker und Sportrollifahrer machen das Rennen

bei der Handbike Citymarathon Trophy 2010


So viel Regen, Nässe und kühler Wind von allen Seiten war selten beim Berlin Marathon. Doch auch Handbiker und Rennrollifahrer schreckte das nicht ab – und sie machten ihr Rennen.

Bei den Handbikern gewann der Deutsche Vico Merklein mit einer Zeit von 1:09:04 in einem spannenden Finish vor Bernd Jeffré und Edward Maalouf.

Schnellste Handbikerin ist die Schweizerin Ursula Schwaller mit 1:25:13, gefolgt von der Britin Karen Darke und Connie Hansen aus Dänemark.

Bei den Rennrollstuhlfahrern siegte der Japaner Masazumi Soejima mit 1:28:46 vor seinem Landsmann Kota Hokinoue. Dritter wurde der Schweizer Marcel Hug.
Dem Schweizer mehrmaligen Sieger Heinz Frei glückte der erhoffte erneute Marathon-Sieg nicht – er erreichte mit einer sportlich beachtlichen Leistung unter widrigen Umständen Platz 9.

Siegerin beim Marathon der Rennrollstuhlfahrerinnen ist die Japanerin Wakako Tsuchida mit 1:46:15, dicht gefolgt von Sandra Graf auf Platz zwei und Sandra Hager als Dritter, beide Schweizerinnen.

Natalie Simanowski erreichte nach 2:16:02 die Ziellinie einen sehr guten fünften Platz – und will 2011 in Berlin wieder beim Marathon starten.

Natalie Simanowski im Ziel

Ronny Ziesmer absolvierte seinen zweiten Marathon gemeinsam mit seinem Trainer Heinrich Köberle mit dem Handbike in 2:21:54. Dauerregen und rutschiger Asphalt kosten alle Läufer, Handbiker und Rennrollifahrer diesmal wertvolle Zeit.

 

Bei den Läufern siegten Patrick Makau aus Kenia mit 2:05:08 und als schnellste Läuferin Aberu Kebede aus Äthiopien mit 2:23:58 Stunden. Der Weltrekord von Haile Gebrselassi blieb beim Berlin Marathon 2010 unangetastet.

Wer an der Strecke und im Ziel dabei war, um die Sportler zu unterstützen, sah viele hoch konzentrierte, erschöpfte und am Ende glückliche Gesichter. „Ich bin ein Eisklotz.“ sagte Ronny Ziesmer kurz nach der Ziellinie und über zwei Stunden Kampf mit Wind, Wetter und sich selbst im Handbike.

Vico Merklein ist ein sehr beeindruckender Athlet und Marathon-Sprinter – mit Langstreckenerfahrung quer durch die USA: „Wer rastet, der rostet. Marathon und Handbike sind da gut.“ sagte er nach dem Rennen gegen Regen und Zeit.

Ausführliche Berichte unter handbikesport.de

_Rückblende:

27. Berlin-Marathon: Den Therapiesport in Bewegung gebracht

_Porträt:

 Ronny Ziesmer

Zur Fotostreckevon Runnersworld

Zugleich war der 37. Berlin-Marathon mit seiner Sportmesse „Berlin vital“ die vorletzte Station der BG-Kliniktour 2010.

Das Unfallkrankenhaus Berlin präsentierte ein eigenes Team – und informierte Besucher über paralympischen Sport. (Fotos der folgenden Slideshow: Andrea Ramsteck)

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Der Berliner Alhassane Baldé ist zum 10. Mal dabei.


Der Marathon steht als olympische Disziplin auch für Paralympioniken in London 2012 ganz oben auf der Agenda. Dort hat man sich gerade – gegen den Widerstand des Stadtbezirkes Tower Hamlet als ursprünglichen Streckenabschnitt mit Ziel im Olympic Stadium – für eine Verlegung in die Londoner Innenstadt entschieden zugunsten eines größeren Zuschauerzuspruchs. Auch Sebastian Coe, London-Olympia-Repräsentant, votiert für das Marathon-Ziel 2012 in der Londoner Mall.

See you @London2012!


Rekorde ohne Wunderanzug. Paralympics-Feeling bei den 24. IDM Schwimmen in Berlin. Update 4

24. IDM Schwimmen 2010 in Berlin

Die 24. Internationalen Deutschen Meisterschaften im Schwimmen der Behinderten (IDM) fanden vom 17. bis 20. Juni 2010 bereits zum elften Mal in Folge in Berlin statt.

Update 4: Spitzen-Schwimmsport – erfolgreich zum Ziel ohne „Speedo“

Die diesjährigen 24. IDM Schwimmen haben nicht nur im Hinblick auf die Anzahl der gemeldeten Athleten eine neue Marke gesetzt –  sie waren ein „Festival der Rekorde“.

Das Logo der Wundermarke „Speedo – mit der Lizenz zum Siegen“ war bei diesen Schwimmwettkämpfen nicht mehr auf den Design-Schwimmanzügen der Athleten zu sehen – vereinzelt zierte es mit sportlicher Gummikappe bedeckte Köpfe. Einen technischen Vorteil brachte das aber nicht. Hier wird nach den Regeln und fair geschwommen – ohne Rekordbeschleuniger Marke „Speedo“ & Co..

Allein das hohe Leistungsniveau der Schwimmer sorgte für Erfolge, die sich sehen lassen können – und einen Vergleich mit Sportlern ohne Handicap nicht scheuen müssen. Hier geht es zur Fotostrecke der 24. IDM Schwimmen 2010 in Berlin.

Der BSB vermeldet also gute Nachrichten aus dem Schwimmsport:

614 Teilnehmer aus 141 Vereinen und Verbänden waren aus 47 Nationen angereist. Sie erzielten bei 3.000 Starts insgesamt 41 Weltrekorde.

Eine Sportveranstaltung der Superlative waren die 24. Internationalen Deutschen

Meisterschaften im Schwimmen der Behinderten, die vom 17. bis 20. Juni zum 11.

Mal in Folge in Berlin unter der Schirmherrschaft von Bundesinnenminister

Dr. Thomas de Maizière stattfanden.

Interviews und ein Video gibt es bei Radio 4 Handicaps.


614 Teilnehmer aus 141 Vereinen und Verbänden, die aus 47 Nationen angereist waren erzielten bei 3.000 Starts insgesamt 41 Weltrekorde.

Aus Deutschland nahmen 187 Aktive aus 71 Vereinen teil und schwammen 3 Weltrekorde:

Kirsten Bruhn vom PSV Union Neumünster schwamm eine neue Weltbestzeit über 50m Rücken in 00:39,54,

Christoph Burkhard vom TV Rottweil brachte es auf zwei Bestmarken: 100m Brust in 01:25,38 und 200m Brust in 03:11,51.

Als bester Berliner Nachwuchsschwimmer darf sich der 10-jährige Malte Braunschweig

vom BSV Medizin Marzahn aus Berlin mit einer Zeit von 00:39,15 über 50m

Freistil ab sofort Internationaler Deutscher Meister der D-Jugend nennen.

Auch im Hinblick auf die Nominierungen von SportlerInnen und Sportlern für weitere

internationale Veranstaltungen ist die IDM aus Berliner Sicht erfreulich verlaufen:

Ben Siara (Jahrgang 1991) und Vincent Koch (Jahrgang 1996) vom Paralympischen

Sport Club Berlin (PSC) haben sich für die IWAS (International Wheelchair & Amputee

Sports Federation) World Youth Games im August in Tschechien qualifiziert.

Christiane Reppe, Daniela Schulte, Niels Grunenberg und Daniel Schäfer vom PSC

Berlin sind für die Weltmeisterschaft im August im niederländischen Eindhoven nominiert.


Eine sehr erfreuliche Gesamtbilanz, die mit Blick auf die Schwimm-WM im August auf neue Überraschungen hoffen läßt.

Update 3 – Ein weiterer Rekord-Tag

Dr. Ralf Otto kommentiert die IDM Schwimmen

Wer die Wettkämpfe der IDM Schwimmen besucht, muss auf die neuesten Ergebnisse der Fußball-WM nicht verzichten. Die sagt Ralf Otto, der die Läufe gewohnt eloquent und professionell für die Besucher dieses nicht minder hochkarätigen Sportevents kommentiert, gleich mal mit an.

Noch bis Sonntag werden hier die Top-Schwimmer geräuschvoll angefeuert – sogar die Vuvuzela ist als Aussenseiter am Start. Ohrenbetäubender Lärm ist also nicht zu befürchten und die besten Plätze in den Rängen kann sich jeder aussuchen. Die tropische Luft der lichtdurchfluteten  Schwimmhalle an der Landsberger Allee ist zwar nicht von tosenden Fan-Gesängen erfüllt – doch die Stimmung ist gut: Fans und Teams feuern ihre Schwimmer immer wieder an. Brasilien verfügt sogar über akustische Unterstützung, wie man sie sonst nur in der Oper hört: Da werden die Namen der Champs in kraftvoll-schönstem Tenor geschmettert. Das hat was, dieses paralympische Flair: „Wir sind eine Familie – und du bist dabei“. Sportlich, kämpferisch, fair und doch auch locker-entspannt.

Dreifacher Gewinn: geteilte Medaillen-Freude

Reinhard Tank, Pressesprecher des Behindertensportverbandes Berlin (BSB), versorgt Medien, Sportler und Unterstützer täglich mit immer neuen Erfolgsmeldungen von den IDM Schwimmen. In der Lokalpresse sucht man indes bislang vergeblich danach im Sportteil. Sogar Medienpartner der Paralympics haben vor lauter Terminstress und Platznot wegen anderer aktueller Events in Berlin die 24. IDM Schwimmen nicht präsent – zur Verwunderung Sportinteressierter, die dort gerne mehr lesen würden.

Rekordflut bei den Athleten, Ebbe bei der Presse? Was nicht ist, kann ja noch werden. Paralympischer Sport bewegt sich zwar aus dem Nischendasein heraus – ist aber auch kein Breitensport. Bei diesem Leistungssport geht letztlich Qualität vor Quantität.

Dass die Professionalisierung des Sports der Athleten mit Handicap ein hohes Maß erreicht hat, merkt man bei den diesjährigen IDM Schwimmen – als Vorbereitung auf Weltmeisterschaft 2010 und Europameisterschaften 2011 im Vorfeld der Paralympics London 2012.

Logistik, Abläufe und Team-Betreuung sind straff organisiert – das bedeutet Rekordleistungen nicht nur im Wasser. Hohe Anforderungen auch an die Jugendschwimmer. Training und Wettkämpfe müssen mit Schule und Ausbildung unter einen Hut gebracht werden. Paralympioniken treiben Leistungssport neben dem Beruf.

Die Athleten geben alles – auch Kirsten Bruhn schwimmt neue Weltrekorde. Während diese Spitzenleistungen bei den Paralympics willkommener Anlass zu Interview oder Reportage sind, herrscht während der 24. IDM Schwimmen eher Ebbe bei der Berichterstattung vieler Medien. Das war bei den IDM vor den Paralympics 2008 anders – ist bedauerlich, weil die Zurückhaltung dem Sport nicht gerecht wird.

Immerhin berichten die Berliner Zeitung mit einem interessanten Porträt von Niels Grunenberg und die Berliner Morgenpost mit Sport-Tipps zum Wochenende.

Erfreulich auch, dass mehrere Medien das Thema online kontinuierlich begleiten: die ARD berichtet bei der Sportschau-online über die Berlinerin Daniela Schulte, die als blinde Schwimmerin des Paralympischen Sportcub (PSC) gerade sehr erfolgreich ist.

Steigendes Interesse einiger Medien am Thema Paralympics zeigt sich auch in mehr aktueller Vorberichterstattung – etwa bei Radiosendern wie RBB-Inforadio und dem Engagement von Fritz Radio (RBB Berlin), das Sportlern und Fans in der Schwimm- und Sprunghalle des Europa Sportparks mit treibenden Beats erfolgreich einheizt.

Heute geht es also am letzten Wettkampftag in den Endspurt der IDM Schwimmen – die Finals ab 16 Uhr sind auf jeden Fall immer einen Besuch wert: der Eintritt ist frei.

Weltrekordjagd bei den IDM im Schwimmen der Behinderten

17 weitere Weltrekorde wurden am zweiten Wettkampftag erzielt. Wobei Ahmed Kelly aus Australien, Anna Efimenko aus Russland und Inbal Schwartz aus Israel ihre am Vormittag in den Vorläufen aufgestellten Weltrekorde am Nachmittag nochmals überboten haben.
– Ahmed Kelly (Australien), 100m Brust, Startklasse SB3 in 01:52,39
– Pavel Poltavtsev (Russland), 100m Brust, Startklasse SB9 in 01:06,93
– Anna Efimenko (Russland), 200m Freistil, Startklasse S12 in 02:18,88
– Ying Zhou (China), 200m Freistil F, Startklasse S4 in 03:20,43
– Konstantin Lisenkov (Russland), 50m Rücken, Startklasse S8 in 00:31,12
– Kardo Ploomipuu (Estland), 50m Rücken, Startklasse S10 in 00:29,02
– Inbal Schwartz (Israel), 100m Schmetterling, Startklasse S6 in 01:30,14
– Daniel de Farias Dias (Brasilien), 100m Schmetterling, Startklasse S5 in 01:20,23.
– Christoph Burkard (TV Rottweil), 100m Brust, Startklasse SB6 in 01:25,38
– Ahmed Kelly (Australien), 100m Brust, Startklasse SB3 in 01:51,14
– Anna Efimenko (Russland), 200m Freistil, Startklasse S12 in 02:17,26
– Kirsten Bruhn (PSV Union Neumünster), 50m Rücken, Startklasse S7 in 00:39,54
– Anna Efimenko (Russland), 50m Rücken, Startklasse S12 in 00:33,37
– Andre Brasil Esteves (Brasilien), 50m Rücken, Startklasse S10 in 00:28,60
– Konstantin Lisenkov (Russland), 50m Rücken StartklasseS8 in 00:30,94
– Alexander Nevolin-Svetov (Russland), Startklasse S12 in 00:28,69
– Inbal Schwartz (Israel), 100m Schmetterling, Startklasse S6 in 01:29,62

Auch am dritten Wettkampftag – Weltrekorde ohne „Speedo“

Trotz Verbotes spezieller Hightech-Schwimmanzüge – „Weitere Weltrekorde am heutigen letzten Wettkampftag in Berlin“ meldet der gerade der BSB:
Berlin, 20.06.2010, bsb.
Es ist der dritte Tag der 24. Internationalen Deutschen Meisterschaften im Schwimmen der Behinderten 2010. Obwohl auch bei den Behindertenschwimmern die vieldiskutierten „Rennanzüge“ seit Jahresbeginn verboten sind, will auch am Samstag, dem 19. Juni, die Rekordflut kein Ende nehmen:
50m Brust Frauen (Vorlauf)
– Jiangbo Xia, (China), Startklasse SB2, Zeit: 01:14,28
50m Brust Männer (Vorlauf)
– Mihovil Spanja, (Kroatien), Starklasse SB6, Zeit: 00:38,68
– Maurice Deelen (Niederlande), Startklasse SB8, Zeit 00:33,35
– Pavel Poltavtsev (Russland), Starklasse SB9, Zeit: 00:30,72
200m Rücken Männer (Vorlauf)
– Konstantin Lisenkov (Russland), Startklasse S8, Zeit: 02:30,09
50m Brust Frauen (Finale)
– Karolina Pelendritou (Zypern), Startklasse SB12, 00:35,66
50m Brust Männer (Finale)
Pavel Poltavtsev (Russland), Startklasse SB9, Zeit: 00:29,16
Weitere Infos auf: http://www.idm-schwimmen.de
Livestream online: http://www.titanium-media.de/cms/Livestream.html

Update 2 – Weltrekordjagd im schnellen Berliner Wasser

Dynamisch am Start in Berlin (Foto: Nora Erdmann)

Schon am zweiten Wettkampftag übertreffen die Ergebnisse der 24. IDM Schwimmen in Berlin alle Erwartungen. Mit gleich acht weiteren Weltrekorden – nach den sechs des Eröffnungstages – und hervorragenden Platzierungen der deutschen Schwimmteams werden schon jetzt Maßstäbe für die Weltmeisterschaften gesetzt, die im August in Eindhoven stattfinden.

Auf Medaillenjagd – Kirsten Bruhn (Foto: Andrea Ramsteck)

Favoritin Kirsten Bruhn gelang auf 50 Meter Rücken in der Startklasse S7 mit 39,54 Sekunden und 1001 Punkten ein neuer Fabel-Weltrekord – und sie bestätigte ihre Top-Form.

Bei der 4 x 100 Meter Freistil-Staffel der Frauen erreichte das deutsche Team mit Christiane Reppe, Anika Geller, Verena Schott und Julia Kabus den dritten Rang.

Ausrichter und Gastgeber Paralympischer Sportclub Berlin (PSC) und der Behindertensportverband Berlin können sich über den erfolgreichen Start freuen.

Als  internationale Spitzensportveranstaltung garantieren die IDM Schwimmen Bestzeiten und Rekorde im Berliner „schnellem Wasser“:

Hier ein Überblick der neuen Weltrekordhalter des Vormittages:
Ahmed Kelly (Australien), 100m Brust, Startklasse SB3 in 01:52,39
Pavel Poltavtsev (Russland), 100m Brust, Startklasse SB9 in 01:06,93
Anna Efimenko (Russland), 200m Freistil, Startklasse S12 in 02:18,88
Ying Zhou (China), 200m Freistil F, Startklasse S4 in 03:20,43
Konstantin Lisenkov (Russland), 50m Rücken, Startklasse S8 in 00:31,12
Kardo Ploomipuu (Estland), 50m Rücken, Startklasse S10 in 00:29,02
Inbal Schwartz (Israel), 100m Schmetterling, Startklasse S6 in 01:30,14
Daniel de Farias Dias (Brasilien), 100m Schmetterling, Startklasse S5 in 01:20,23.

Lassen wir uns überraschen, was der dritte Wettkampftag an sportlichen Höchstleistungen bietet.

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Schon am Eröffnungstag ist die Stimmung in der Schwimm- und Sprunghalle an der Landsberger Alle gut: Herzlicher Empfang, eifriges Händeschütteln am Rand des Schwimmbeckens und auf den Besucherrängen – man freut sich auf diese IDM.

Echte Fans bekommen WM und IDM locker unter einen Hut

Und wie bekommen wir Fußball-WM und IDM unter einen Hut?  Fans schaffen das.

Jetzt werden hier neue paralympische Rekorde aufgestellt: bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften im Schwimmen der Behinderten – auch mit der Zahl der gemeldeten Athleten: Mehr als 630 Sportlerinnen und Sportler aus 47 Nationen sorgen für einen neuen Teilnehmerrekord. Deutsche Favoritin ist Kirsten Bruhn .

Auf Facebook verabreden sich Sportfans in der :PARALYMPIC_crew bereits zur LaOla beim Schwimmevent: „Da geht was!“

„The games are open“

Kirstin Fussan, Brigitte Zypries und Friedheln Julius Beucher eröffnen die 24. IDM

Kirstin Fussan (Präsidentin des Behinderten-Sportverbandes Berlin BSB), Brigitte Zypries (Vorsitzende des Kuratoriums des DBS, MdB) und Friedhelm Julius Beucher (Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes DBS)

Sie eröffneten am 17. Juni 2007 in Berlin die 24. Internationalen Deutschen Meisterschaften im Schwimmen der Behinderten – und dankten allen Akteuren, Förderern aus Wirtschaft und Politik sowie den vielen ehrenamtlichen Helfern.

Im letzten Jahr wurden im „schnellen Wasser“ an der Landsberger Allee in Berlin 30 Welt- und 20 Europarekorde erzielt. Die Veranstalter vom Paralympischen Sport Club Berlin (PSC) und vom Behinderten-Sportverband Berlin (BSB) rechnen auch in diesem Jahr wieder mit einer sportlichen Rekordflut, zumal sich unter anderem die starken Teams aus Großbritannien, Niederlande und Spanien angesagt haben – erstmals auch Teams aus Armenien, Japan, Kasachstan und Südkorea.

Matthias Ulm, Cheftrainer Schwimmen Paralympics Berlin und Leiter des Organisation der IDM Schwimmen, sagt: „Im August finden in Eindhoven Weltmeisterschaften statt. Und in Berlin ist es für viele die letzte Chance sich zu qualifizieren und sich auch klassifizieren zu lassen. Zudem hat sich international im Laufe der letzten 10 Jahre herum gesprochen, dass wir hier eine Top-Veranstaltung machen. Die Organisation stimmt, die Teilnehmerfelder sind erstklassig, das Wasser ist sehr schnell. Und nicht zuletzt: Wer macht nicht gerne einen Ausflug nach Berlin?“

Wir müssen also nicht erst bis zu den Spielen in London 1012 warten, um die Weltspitze des paralympischen Schwimmsports live zu erleben. Wer sind die Favoriten?

„Die Frage nach den Favoriten ist im Moment noch schwer zu beantworten“, so Ulm weiter. „Wir werden etwa 50 Medaillengewinner der EM, WM und Paralympics der letzten Jahre hier haben. Ich glaube, dass wir damit, trotz der ersten „Nachanzug-Saison“ auch wieder Rekorde über Rekorde sehen werden. Es lohnt sich also auf alle Fälle, im SSE an der Landsberger Allee vorbei zu kommen“.

Rekorde ohne Wunderanzug – der Zeitplan der IDM Schwimen

Event: 24. Internationale Deutsche Meisterschaften im Schwimmen der Behinderten

Location: Schwimm- und Sprunghalle im Europa Sportpark
Paul-Heyse-Straße 26
10407 Berlin / S- Bhf. Landsberger Allee

17. Juni 2010 von 17:00 Uhr bis ca. 19:30 Uhr
18. – 20. Juni 2010 ab 09:00 Uhr
Finals jeweils ab 16:00 Uhr

www.idm-schwimmen.de

Eröffnet werden die IDM Schwimmen 2010 von Brigitte Zypries, der Kuratoriums-Vorsitzenden des Deutschen Behindertensportverbands (DBS) gemeinsam mit DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher. Den traditionellen Startschuss am 18. Juni gibt Olympia-Siegerin Britta Steffen.

Schwimmteam Berlin bereits bei der WM-Qualifikation erfolgreich
Bei den „Offenen Berlin-Brandenburger Meisterschaften“ im Schwimmen der

Behinderten (BBMS) am 6.Juni  zeigten die Schwimmer des Berliner Schwimmteams einmal mehr ihre Klasse. Die Meisterschaften dienten vor allem als Standortbestimmung im Hinblick auf die 24. Internationalen Deutschen Meisterschaften. Neben Daniela Schulte konnte sich auch Daniel Simon für die Weltmeisterschaften im August qualifizieren. Ebenfalls qualifiziert sind bereits Daniel Schäfer mit seinem 3. Platz vom Weltcup sowie Lucas Ludwig mit seinen Erfolgen bei den Norddeutschen Meisterschaften der Nicht-Behinderten.
Neben der offenen Klasse (8 Mal Gold, 4 Mal Silber, 5 Mal Bronze) konnten bei den BBMS vor allem die Nachwuchssportler überzeugen. Sie gewannen in den Jugendklassen je 5 Mal Gold und Silber sowie 3 Mal Bronze. Bereits beim Jugend-Länder-Cup machte der Nachwuchs mit neun Berlinern in den Top5 der Jahrgänge einen guten Eindruck. Die Berliner gewannen sogar bei „Jugend Trainiert für Paralympics“ mit ihrem Partner „Carl-von-Liné-Schule“.

Im Hinblick auf die IDM zeigen sich die Berliner Trainer Matthias Ulm und Maik Zeh zufrieden. Denn Christiane Reppe und Niels Grunenberg können den Sprung ins WM-Team schaffen und einige Nachwuchssportler haben gute Chancen auf eine Teilnahme an der Jugend-WM.

Der Zeitplan der IDM Schwimmen vom 17. – 201. Juni 2010
Donnerstag, 17.06.2010
17:00 Uhr 1. Veranstaltungsabschnitt
400m Lagen Frauen und Männer Entscheidung
800m Freistil Frauen und Männer Entscheidung
Freitag, 18.06.2010
08:00 Uhr 2. Veranstaltungsabschnitt
200m Freistil Frauen und Männer Vorläufe
50m Rücken Frauen und Männer Vorläufe
100m Brust Frauen und Männer Vorläufe
100m Schmetterling Frauen und Männer Vorläufe
4x100m Freistil Frauen und Männer Entscheidung
16:00 Uhr 3. Veranstaltungsabschnitt FINALS
200m Freistil Frauen und Männer Finale Offen und Jugend
50m Rücken Frauen und Männer Finale Offen und Jugend
100m Brust Frauen und Männer Finale Offen und Jugend
100m Schmetterling Frauen und Männer Finale Offen und Jugend
Samstag, 19.06.2010
08:00 Uhr 4. Veranstaltungsabschnitt
200m Schmetterling Frauen und Männer Entscheidung
150m Lagen Frauen und Männer Vorläufe
100m Freistil Frauen und Männer Vorläufe
50m Brust Frauen und Männer Vorläufe
200m Lagen Frauen und Männer Vorläufe

200m Rücken Frauen und Männer Entscheidung

4x100m Lagen Frauen und Männer Entscheidung

16:00 Uhr 5. Veranstaltungsabschnitt FINALS
150m Lagen Frauen und Männer Finale Offen und Jugend
100m Freistil Frauen und Männer Finale Offen und Jugend
50m Brust Frauen und Männer Finale Offen und Jugend
200m Lagen Frauen und Männer Finale Offen und Jugend
Sonntag, 20.06.2010
08:00 Uhr 6. Veranstaltungsabschnitt
400m Freistil Frauen und Männer Vorläufe
50m Schmetterling Frauen und Männer Vorläufe
200m Brust Frauen und Männer Entscheidung
100m Rücken Frauen und Männer Vorläufe
50m Freistil Frauen und Männer Vorläufe
16:00 Uhr 7. Veranstaltungsabschnitt FINALS
400m Freistil Frauen und Männer Finale Offen und Jugend
50m Schmetterling Frauen und Männer Finale Offen und Jugend
100m Rücken Frauen und Männer Finale Offen und Jugend
50m Freistil Frauen und Männer Finale Offen und Jugend

Vorbeikommen lohnt sich – für alle Sportfans, die mehr als Fußball-WM & Vuvu mögen.

(Text mit BSB/Reinhard Tank und Schwimmteam Berlin/ Maik Zeh)

Waka Waka, Vuvuzela – „Voy! Voy!“ Wenn Fußball richtig gut klingt: „You can feel it!“

Das klingt gut! „Soccer for the Blind“.

Ja, er hat sie auch schon ausprobiert – die Vuvuzela. Auch sein Name ist derzeit in aller Munde – wegen dieses Wortspiels. Uwe Seeler amüsiert es, dass die Ähnlichkeit des Wortklanges seines Namens mit dem der lautstarken Soccer-Fanfare weltweit so einen Hype macht – und vor allem König Fußball in aller lärmresistente Ohren und fußballverrückte Herzen bringt.

Alle bleiben am Ball – auch bei der WM Südafrika

Die WM live für blinde und sehbehinderte Fussballfans, ein Sonderheft in Brailleschrift, „Daisy-CD“ und Videoberichte in internationaler Gebärdensprache holen die Spiele für alle auf den Schirm.

Die Welt zu Gast in Afrika – Fußball bringt Menschen einander näher, fast barrierefrei.

Dumisane Ntombela verlor sein Augenlicht im Alter von zwei Jahren, spielt leidenschaftlich Fußball – und trainiert mit erst 19 Jahren sein Team „The Silver Spears“ in südafrikanischen Townships.

Auch der blinde Marathonläufer und Paralympicssieger Henry Wanyoike unterstützt  ein Soccer-Projekt für sehende und blinde Kinder und Jugendliche in Kenia.

Immer mehr blinde und sehende Kicker begeistern sich für das Spiel nach Gehör – auch beim Fifa-Weltmeister Deutschland.

Wie kann man denn Fußball spielen, ohne zu sehen?

Mulgheta Russom – der beste Nationalspieler des deutschen Blindenteams hat es drauf!

Die Kicker „lesen das Spiel“ mit Hilfe eines speziellen auf ihre Fähigkeiten und Bedürfnisse ausgerichteten Trainings. Das Spiel folgt besonderen Regeln. Die beschrieb ich erstmals im Blog 2008:

Raus aus dem Abseits – erste Saison der Blindenfußball-Bundesliga

Verfasst am 31. März 2008 – 9:00.

Anpfiff für die erste Fußball-Bundesliga der blinden Kicker war am Wochenende des 29.

und 30. März in Berlin und Stuttgart. Jeweils vier Mannschaften traten gegeneinander an, um erstmals in der Geschichte des Behindertensports den Deutschen Meister der sieben repräsentierten Bundesländer zu ermitteln.

In Berlin liefen die SG Berlin/Würzburg, St.Pauli, Dortmund und Chemnitz sowie in Stuttgart die dortige Heim-Mannschaft, Mainz, Marburg und Essen auf. Das bedeutet je zwei mal 25 spannende Spielminuten.

Dribbeln, Pässe, Stürmen – und blindes Ballgefühl

Das Spiel der blinden Fußballer steht dem der sehenden Kicker nicht nach. Es ist ebenso schnell wie mitreißend, auch hart – aber fair. An Letzteres erinnert der Schiedsrichter die aufgeheizten Spieler auf dem Spielfeld des Berliner Olympiageländes in einer kurzen Auszeit. Die harten Kerle mit dem sanften Ballgefühl sind nicht zimperlich. Da wird schon mal gerempelt, gestürzt oder ungebremst krachend gegen die Bande am Spielfeldrand gerast. Deshalb tragen die Kicker eine etwas futuristisch anmutende, schützende Kopfmanschette. Eye-Pads und Augenbinde sorgen für einen fairen Ausgleich unterschiedlich starker Seheinschränkungen.

Dribbeln, Pässe, Stürmen – und blindes Ballgefühl. Das sind die Kompetenzen der Kicker, die den Ball nicht sehen können. Als eine Spezialanfertigung ist er kleiner und schwerer als das Fifa-Modell, zudem innen mit rasselnden Schellen ausgestattet. So können ihn die vier Feldspieler orten und sicher ins gegnerische Tor manövrieren. Dieses ist entsprechend der 40 mal 20 Meter messenden Spielfläche so groß wie ein Handballtor. Der Keeper – als einziger Spieler sehend – dirigiert seine Mannschaft durch Klopfen auf beide Torpfosten sowie laute Zurufe. Er verläßt den Torraum nicht weiter als bis auf zwei Meter. Hinter dem Tor und auf Höhe der Mittellinie unterstützen am Spielfeldrand sehende Guides – wie Rupert Liedke für die Berliner – beide Mannschaften bei der Orientierung. Unterdessen ist für die Fans “Ruhe!” angesagt bis das Tor fällt, dann gibts kurz und laut La Ola. Bald auch für den Frauenfußball, so hofft Helga “Charly” Liedke. Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau – so auch beim Blindenfußball, wo man bislang auch gemischt spielt.

„Voy! Voy! Ich komme!“ – Fans und Medien auch

Die Kunst dieses Fußballs ist ein Mix aus gekonnter Beinarbeit, höchster Konzentration kombiniert mit Intuition und Teamgeist. All dies sowie Ausdauer und hohe Motivation der blinden Kicker hat Fußball-Legende Uwe Seeler so stark beeindruckt, dass er sofort die Schirmherrschaft über die neue Fußballbundesliga der Blinden (DBFL) antrat – und ihr damit eine Steilvorlage gab.

Mit ausgefeilter und trainierter Lauftechnik führen die Kicker den Ball beim Dribbeln meist dicht am Fuß. “Voy! Voy!” das rufen sie immer wieder, während sie losstürmen. Denn sie wollen sich nicht gegenseitig umrennen. Dieser Ruf verrät den Mitspielern den Anlauf: “Ich komme!” und dem Publikum die Herkunft des Blindenfußballs aus Spanien, dem Land des amtierenden Europameisters. Dort und in Brasilien hat dieser Sport eine rund 20-jährige Traditon. Die Brasilianer erspielten sich zuletzt bei den Paralympics in Athen 2004 sogar Gold und wollen dieses in Peking verteidigen. Der Paralympionike und Schwimmer Ralf Hohn hat das Element gewechselt – und ist als blinder Torjäger jetzt nicht mehr nass vom Wasser, sondern vom Powern auf dem Rasen.

Damit zurück in die Fußball-Arena Berlin. Rund 100 Zuschauer sowie zahlreiche Presse- und Medienvertreter verfolgten die Partien und bescherten den Spitzenspielen hohe öffentliche Aufmerksamkeit. Auch Kristoffer Klein, Journalist der Süddeutschen Zeitung, kann sich diesem speziellen Ballzauber nicht entziehen: “Anfangs zittert man ja etwas um die Spieler wegen des Verletzungsrisikos. Doch dann merkt man schnell, wie wendig und sicher sie das Spiel beherrschen.” Klein schreibt über die DBFL auch aus persönlichem Engagement als Kommentator von “Standard-Spielen” im Stadion für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen.

Bislang stand der hierzulande noch junge Blindenfußball eher im Abseits des sportlichen Geschehens. Rainer Delgado tritt bei der DBFL für die Berliner an und erklärt, wie wichtig es sei, Spielpraxis unter professionellen Bedingungen zu erwerben. Trainer und Guides werden intensiv gesucht. Doch es mangelt noch an einer zertifizierten Trainer-Ausbildung – und angemessenen Honoraren. Doch sei man sehr dankbar für die professionelle Unterstützung von Förderern und Sponsoren sowie des Behindertensportverbands Berlin und des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands (DBSV). Er vertritt als Spitzenverband rund 145.000 blinde und weit mehr als 500.000 Menschen mit Seheinschränkung. Gemeinsam mit dem Sozialverband Deutschland plante man Ende 2005 ein erstes internationales Blindenfußballturnier im Vorfeld der Fifa-WM 2006. Der Rest ist Geschichte, an der jetzt auch Markus Baysal maßgeblich mitschrieb, als er den ersten Treffer dieser Saison zum 1:0 gegen den 1. FC St. Pauli erzielte. Herthaner Marco Pantelic kennt den Taumel zwischen Sieg und Niederlage. Das auszuhalten. gehe sicher nur mit enormer Motivation und Moral, sagt er voller Respekt gegenüber den Kickern der neuen Fußball-Bundesliga.

Abseits? Das gibt es hier nicht!

Jetzt ist der Blindenfußball raus aus dem Abseits. Genau genommen gibt es das hier gar nicht. Wozu auch? Sieht ja sowieso keiner. Und die Kicker mit dem blinden Ballgefühl finden zudem: “Das Runde muss ins Eckige!” Das ist fürs Erste sehr erfolgreich gelungen: Dortmund führt nach dem ersten Spieltag mit 6:0 Punkten die Tabelle vor Stuttgart und Essen an. Die SG Berlin/Würzburg liegt auf Platz 6.

Hertha BSC-Manager Dieter Hoeneß ist begeistert von so viel Leidenschaft und Können:”Jeder, der so ein Spiel gesehen hat, wird wiederkommen.”

In der Ruhe liegt die Kraft

Für Fußball-Muffel ist die mittlerweile tosende Debatte um den Lärmpegel der trendigen Tröte eine willkommene Steilvorlage zur Meidung von Fanmeile und Stadion.

Sogar „Uns Uwe“ findet die inbrünstig in den Fußball-Arenen Südafrikas und weltweit geblasene Vuvuzela „extrem laut und für die Ohren sicherlich nicht das Beste, aber ich hoffe, dass das meine Ohren aushalten. Bislang hab ich noch keine Oropax, weil ich die Stimmung schon mitbekommen möchte im Stadion. Ich fliege ja nun rüber zu den Spielen und ich will mal sehen, wie sich das da drüben anhört.“ Er hat zum Anfeuern beim Spiel seines Enkels schon mal selbst in eine Vuvuzela geblasen: “Das ist gar nicht so einfach, da richtig scharfe Töne raus zu bekommen, da gibt es auch eine Technik dafür, damit die Töne auch dementsprechend schrill und laut rauskommen.“

Der vitale 73-Jährige begeistert sich aber auch für noch ganz andere Fußball-Töne. Und die dürften sogar Fußball-Muffel und Vuvuzela-Skeptiker ans Spielfeld locken:

Das Rasseln des Balls, den die Kicker der Blindenfußball-Bundesliga kürzlich siegreich im Spiel gegen die Mannschaft der Türkei auf dem Rasen vorm Berliner Reichstag zum Dreizwei ins Tor manövrierten:  Eine Premiere wie die der deutschen Nationalelf in Südafrika – und ausbaufähig.

Anders als jetzt bei der Fußball-WM in Südafrika sind statt lautstarker Fan-Unterstützung eher leise Töne angesagt. In der Ruhe liegt die Kraft – besonders beim Blindenfußball, wo das Spiel im Wesentlichen mit einem feinen Gehör, ausgefeilter verbaler Kommunikation und hoher körperlicher Geschicklichkeit gemacht wird.

Eine anfeuernde Geräuschkulisse mit lauten Fanrufen oder gar ohrenbetäubenden Vuvuzelas nach dem Spiel-Anpfiff bedeuten: Rote Karte fürs Publikum. Fußballverrückte Fans dieses noch relativ jungen Sports in Deutschland stört das nicht. Die faszinierende Akrobatik der blinden Soccer, ihre sehenswerte, ganz spezielle Spieltechnik und -Taktik machen neben der Leidenschaft der Blindenfußballer den Reiz aus.

„Faszinierend, toll, sensationell“

So umschreibt Seeler seine Eindrücke vom Blindenfußball. Der Unterstützer der Blindenfußball-Bundesliga hat sich die blickdichte Textilbrille schon aufgesetzt und bei den blinden Akteuren mittrainiert. „Das ist unheimlich schwer“, kommentiert er seinen Selbstversuch. Er hat „riesige Hochachtung“ vor dem Können der neun Bundesliga-Teams. „Mich beeindrucken besonders das Ballgefühl und die Orientierungsfähigkeit der Spieler.“

Der beste Spieler der deutschen Blindenfußball-Nationalmannschaft ist der aus Afrika stammende Stuttgarter Mulgheta Russom. Wenn Bundestrainer Ulrich Pfisterer „Mulle“ ruft, wird es spannend – und es fühlt sich nach Tor an. Lena Neef drehte als Abschlussarbeit ihres Studiums der Audiovisuellen Medien über den Ausnahme-Sportler den viel beachteten Dokumentarfilm : „Mulgheta“.

„1000 Mikes“ – Blindenfußball on Air

Wer kein Spiel verpassen will, kann online Kommentare und Infos hören – oder bei Blindenfußball-online.de lesen. Presse, die täglich über Bundesliga & Co. schreibt, hat den Blindenfußball bislang selten im Sportressort. Beim Länderspiel in Berlin waren zahlreiche Medienvertreter auf dem Platz zum Interview: „Immer ran, an den Ball.“

Spieler und Fans fiebern jetzt mit der DFB-Nationalelf in Südafrika beim Public Viewing – und hoffen auf einen Sieg für Deutschland. Der Keeper beim Blindenfußball-Länderspiel vorm Reichstag klopft auf beide Torpfosten und ruft: „Hier ist die Mitte!“  – in der Gesellschaft, betonen die Förderer. Wenn das Runde ins Eckige fliegt, ist die Welt in Ordnung – für den Moment. Jetzt darf sie kurz und laut tönen, die Vuvuzela:

Fußball ist der Sport in der Mitte der Menschen: „You can feel it.“

Paralympics rocken! Sportrausch, sonniges Strahlen in Vancouver & Whistler „Twitter is over capacity“ – und ein Fall naiver Leistungssteigerung

Dabei sein ist alles! Dieses olympische Credo ist aus den Bergen von Whistler Creekside längst im Web angekommen. Mit den vielen sportlichen Höchstleistungen schnellt auch der Puls der Paralympics-Fans in die Höhe – und zeitgleich mit den Athleten auf Piste und Loipe rasen Tweets tausendfach über die Timeline bei Twitter: Echtzeit in Rekordzeit. „Dabei sein“ um jeden Preis? Ein leistungssteigerndes Pressethema gerade.

Blutdruckhemmende Mittel, die der schwedische Curler Glenn Ikonen seit Jahren einnimmt, bringen die Doping-Debatte nach Olympia jetzt wieder bei den Paralympics ins Rollen. Paralympische Athleten unterliegen – oft auf Medikamente angewiesen – einer strengen Meldepflicht: Mehrmals täglich geben sie online Bericht zur Kontrolle. Das ist aufwändig und scheint auch notwendig.

Wenden wir uns dem Leistungssport zu.

Twitter is over capacity.
Too many medals! Please wait a moment and try again – for more.



Paralympics-Stars wie Brian McKeever und jetzt auch Verena Bentele sorgen für Hypes – und Medientraffic

Dem Rausch der Medaillen- und Rekordjagd vor strahlend sonniger Bergweltkulisse kann sich einfach nicht entziehen, wer allabendlich nach der Arbeit der verfügbaren Live-Bericherstattung folgt: die Nacht wird zum Tag gemacht. Wenn Jäger im frühen Morgengrauen auf Pirsch gehen, fällt unsereins ins Bett – mit Beute: enthusiasmiert, euphorisiert, adrenalinselig – glücklich über das Glück der Sportler und Fans im fernen Kanada.

Die Bilder der Männer und Frauen, die da sogar waghalsige Stunts hinlegen auf ihrem Weg zur Medaille und den Sieg über Hindernisse, sie rauben Fans schier den Atem. Die Bilder entfesselter Emotionen und des Könnens von Verena Bentele, Gerd Schönfelder oder Andrea Rothfuss wie so vieler internationaler Athleten pumpen sich durch die Adern mitten ins Herz, über die Sinne ins Hirn. Die pure Leidenschaft.

Andrea Eskau, die jetzt ihre sensationelle Premiere bei den Winterspielen mit gleich mehrfachem Edelmetall erlebt, bringt es auf den Punkt: „Da weiß ich, ich bin ein Tier!“ Sie ist als Siegerin auch der Sommer-Paralympics erstmals bei den Winterspielen vom Handbike auf den Schlitten umgestiegen – gleitet bei Biathlon und Langlauf von Erfolg zu Erfolg. Sie schätzt die besondere Atmosphäre der Winter-Paralympics, entdeckt einen Unterschied zu den Sommerspielen: „Wir sind eine Familie. Hier weiß jeder, wie hart die Scheiße ist. Das ist nochmal anders als im Sommer.“ Dieser Spirit.

Der ist auch anders als bei Olympia. Ganz großes Kino. Warum also zwei Blockbuster zu einem B-Movie zusammenschneiden, wenn das Publikum seine spezielle Wahl beim Sportevent trifft?

So oder so, Authentizität und Professionalität sind gefragt: alle Athleten bieten sie. Quotenverrückter Medienzirkus eher nicht. Sport ist immer – auch nach den Spielen. Man darf gespannt sein, ob paralympischer Sport nach Vancouver die Presse lockt. Die berichtet auch aktuell kaum über den sonstigen Leistungssport mit Handicap, so etwa über die kürzlich erfolgreichen Danish Open – mit Schwimmstar Kirsten Bruhn am Start. Medienmachern ein Pokerface zu unterstellen, wäre indes reichlich „gaga“.

Sledgehockey: Renner in Kanada. Events aller Sportarten starten überall.

Medien – besonders die deutschen – berichten jetzt umfassend über die Winter-Paralympics. Besonders erfreulich: Das journalistische Augenmerk liegt mehr auf professioneller Kommentierung, die sportliche Aspekte der einzelnen Disziplinen zeigt. Schwer Nachvollziehbares wird erläutert, analysiert – und auch zuweilen kritisiert: „Warum wird beim Rollstuhl-Curling nicht gewischt?“ fragt mit den Zuschauern der Sportjournalist. Der Skip des jetzt ausgeschiedenen deutschen Curling-Teams nimmt’s gelassen: „Ich spiele gegen Steine, nicht gegen Menschen.“ Die Haltung macht den Unterschied – auch mit Blick auf Olympia.

Verbotener Sportrausch ist hier wie da Thema. Doch auch hier liegt der Teufel im Detail: Sportler mit Handicap ahnen oft nicht, durch die notwendige Einnahme von Medikamenten gegen Anti-Dopingregeln zu verstoßen. Werfe jetzt nicht mit (Curling-) Steinen nach Schweden, wer selbst im Glashaus sitzt. Der deutsche Paralympics-Teilnehmer in Peking, Ahmet Coskun, bezog nach den Sommerspielen 2008 Stellung zu seinem eigenen Fall: „Viel schwerer wiegt für mich der Schaden für den Sport,  den Verband, meine Mitspieler. Das bedrückt mich zutiefst.“ Er hatte seinerzeit seinen Haarwuchs steigern wollen. Leistungssteigerung per „Boosting“? Adrenalinkick durch volle Blase oder abgebundene Glieder? Haarsträubende Idee. Wer, bitte, tut sowas? Man sollte nicht naiv sein. Sowas fliegt auf – hier wie da. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen: Süffisante Kommentare sind wie unlautere Adrenalin manipulierende Mittel selbst – eher kontraproduktiv. Sie schaden dem sportlichen Ansehen aller Athleten, die mit fairen Mitteln kämpfen.

Auch bei Skandalthemen ist es wie immer in den Medien:

Twitter is over capacity.
Too many tweets! Please wait a moment and try again.

Sportlern wie Schreibern der Spiele sind ein ruhiges Händchen und faire Mittel immer öfter empfohlen. Wo bleibt sonst der Spirit, den auch Sportfans teilen? Auf der Strecke.

Womöglich sind wegen allseits gelungener Inklusion Blogs und Tweets wie diese als Nischentext bald schon obsolet. Das klingt absurd? Wir werden es erleben. Hoffentlich.

Dann schreiben wir über Sport und die Dinge des Lebens – ganz allgmein und für Alle: möglichst barrierefrei. Es ist noch viel zu tun, sagen zu Recht auch Mediennutzer mit Handicap. Dabei sind es gerade auch die leiseren Zwischentöne, die unsere Aufmerksamkeit gewinnen. Deutsche Fans zwitschern noch kaum wahrnehmbar im sportlich-fanverrückten Twitterkonzert: Vancouver im Frühling – auf zum paralympischen Sport an allen Orten! Auch über Facebook und Twitter rocken viele Sportarten mit Handicap die Arena. Wie wär’s mal wieder mit Rollstuhlbasketball?

(Foto: flickr) Eigene Fotos aus Vancouver und Whistler hätte ich hier natürlich gerne gezeigt. Zwei Jobs und Sportschauen daheim. Anders als sonst – von Sportvereinen und Verbänden – erreichen mich tägliche PMs des DBS ohne Fotos: die gibt es in der Presse.

Daher verweise ich beim Twittern über die Paralympics auch gerne auf diese Quellen.

Ein STERN leuchtet – über Vancouver und Whistler Creekside

Was für ein Wettkampf dort oben im fernen grünen kanadischen Whistler Creekside: Winter ist anders. Schwere Regenwolken und dichte Nebelbänke liegen auf Start- und Zielstrecke der Piste beim Riesenslalom. Sogar der Kamera-Zoom macht am heimischen HDTV-Bildschirm weder dicke Suppe noch Sicht klarer. Wie sieht die Lage da erst auf der Piste aus? Reporter rufen schnell verunsichert nach Guides – während die mit ihren Athleten sicher und schnell die Piste talwärts wedeln.

Wieder fiebern wir Fans mit den Athleten mit – nach Verena Bentele, Andrea Rothfuss, Andrea Eskau, Gerd Schönfelder, Willi Brem, Frank Höfle sowie den Rollstuhlcurlern des deutschen Teams – heute Abend mit Anna Schaffelhuber und Martin Braxenthaler dort oben in Whistler Creekside: „Go Germany go!“

Bei diesem Start ist Geduld gefragt beim Zuschauer – und besonderes Geschick bei den Skifahrern. Mit Regen, Nebel und Wind braut sich gleich einer Hexenküche schier unberechenbares Wetterchaos zusammen, will sich der rasanten Abfahrt in den Weg stellen: „Wenn man schon kein Glück hat, dann kommt noch Pech dazu.“ kommentiert Guido Heuber live bei Eurosport auch das unerwünschte Wegflattern eines großen bunten Werbebanners an der Ziellinie („Haltet ihn!“ oder „Bleiben Sie dran!“ mag der Sponsor den Volunteers zugerufen haben.) – und begleitet die Rennen sachkundig-kurzweilig wie unprätentiös, ganz ohne falsche Petitesse . Die kommt uns auch nach über fünf Jahren seit Athen noch immer mal wieder hier und da als mitleidige Attitüde unter.

„Ich mag es nicht über anderen Leuten zu stehen und auch nicht darunter.  Am liebsten bin ich mittendrin und versuche dort mein Bestes zu geben.“
– Angus Young, Gitarrist AC/DC –

Dieses professionelle Motto eines Musikers scheint auch für Kommentatoren gut zu funktionieren – bei der Berichterstattung über die Paralympics.

Wer „Paralympics“ unter News googelt, dem flattern augenblicklich so um die 10.600 Suchergebnisse online auf den Flatscreen. Das ist der Hit im doppelten Wortsinne.

Ein Stern leuchet über Vancouver und Whistler – die Presse entdeckt Paralympics. Geht da womöglich ein Ruck durch die Medienlandschaft? Das wäre erfreulich, besonders als sport-journalistische Langstreckendisziplin auch zwischen Start in Vancouver 2010 und Ziel London 2012. Paralympioniken haben als Mensch einen langen Atem – als Sportler sind sie weniger geduldig.

Well done, liebe Medien. Weiter so! Google-Space-Spots à la STERN-Schnuppe? Naja… Guter Wille zählt auch – als kleiner Lichtblick. Die Stars der Piste – sie strahlen sowieso: heute wieder golden und glänzend. Martin Braxenthaler gewann sein zweites Gold und Anna Schaffelhuber machte eine glänzende Figur – trotz Wetterchaos.

(Fotos: flickr)

Verena Bentele holt ihr achtes Gold bei den Paralympics – und Twitter macht schlapp!

Siegen auf Zuruf – Verena Bentele mit Guide Thomas Friedrich im Ziel

So ist das mit der Berichterstattung in Echtzeit: wenn man sie dringend braucht, ist sie nicht zur Stelle. Gerade in diesem Moment macht Twitter schlapp – das war einfach zu viel: #paralympics: ein sogenannter „Hashtag“ – klingt irgendwie verboten, ist es aber nicht. Wer dieser Tage das Schlagwort #paralympics auf Twitter eintippt, ist mitendrin in der Echtzeitkommunikation über die Winterspiele Vancouver – und kommt gleich mit Sportfans, Journalisten, sogar Sportlern aus aller Welt in Kontakt.

Es sei denn, Twitter macht mal kurz schlapp…

Something is technically wrong.
Thanks for noticing —
we're going to fix it up and have things back to normal soon.

Texte wie diese lassen den Atem jedes Twitterers stocken – im ungünstigsten Fall das Notebook aus dem Fenster werfen. Doch immer mit der Ruhe…

Es gibt ja zum Glück für die Twitter-Pause auch SportTV via Internet – und Blogs, die den Leistungssport in Vancouver und Whistler auch nach Olympia im Blick haben:

Daniel Drepper berichtet als Journalist auch fürs ZDF über die Paralympics Vancouver. Und welcher Sportfan kennt sie nicht, die „Lesebefehle“ von Jens Weinreich? Mich überrascht und freut es, wenn Journalisten die Sportler mit Handicap und sogar die :Paralympic_crew immer öfter entdecken.

Beide Sportjournalisten kommen ums Bloggen und Twittern nicht herum, sie tun es offensichlich gerne – und das mit zunehmender Aufmerksamkeit auch für Paralympics.

Twitter hält die Welt in Atem, Sportler bringen ihre Fans ausser Atem: Mitfiebern, Daumendrücken in vielen Sprachen, spontane Freudenausbrüche im Stadion, an Strecke, Loipe – und im World Wide Web. Nur virtuelles Gedöns? Wer setzt sich schon an die Tastatur und tauscht mit anderen in Rekordzeit Kurznachrichten aus, ohne dafür einen guten Grund zu haben?

Die Paralympics brauchen eigentlich keinen „guten Grund“, in aller Munde, Augen oder Ohren zu sein. Dieses Sportevent steht für sich, selbstbewußt, und unverbogen als professioneller Sport. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Um das zu sagen, braucht es eigentlich nur 140 Zeichen – die von Twitter.

Deshalb erreichen sie ihr Publikum, ihre Fans in aller Welt schon lange – auch abseits der Medienwelt. Jetzt ist es soweit: nach „Paralympics goes Media“ kommen die Medien in Scharen zu den Athleten mit Handicap an die Piste, an die Tartanbahn – und nicht immer muss es Oscar Pistorius sein, um den sich informationshungrige Journalisten drängeln. Obwohl das verständlich ist, weil dieser smarte, bodenständige Typ den Weg der Medien in die Welt der Paralympics bis jetzt unermütlich hilft, frei zu machen: sich sogar für die ein oder andere boulevardeske Schlagzeile nicht zu schade ist. In der Medien-Sportwelt ist er als professioneller Athlet angekommen. Verena Bentele und viele andere deutsche Athleten auch.

Schützenhilfe beim Zielen nach Gehör – Biathletin Bentele beim IPD 2009

Schön, dass die Paralympics Vancouver dieser Tage endlich auch dort stattfinden, wo sie schon längst hingehören – im Sport bei den Medien. Dies bitte auch nach den Spielen.

Der spannende Lauf von Verena Bentele und ihrem Guide Thomas Friedrich beim Biathon gipfelte in den verschneiten und nebelverhangenen Bergen von Whistler Creekside in einer Goldmedaille. Großer Jubel an der Loipe und Freude bei den Fans daheim.

Das erste Gold für Deutschland bescherte diese beeindruckende und sympathische Athletin nach einer langen Sportkarriere jetzt in Whistker – und es ist ihre eigene achte Goldmedaille. Fans, Freunde und Förderer feiern diesen Erfolg – mit ihnen die Medien.

Da sage noch jemand, Medaillen seien ja nicht so wichtig. Auch wenn sie für die Athleten selbst nicht das Maß aller Dinge sind. So bleiben sie doch Ausdruck der Wertschätzung ihrer sportlichen Leistung – und mit gutem Image eine sichere Währung bei Sponsoren.

Twitter ist wieder da – auch zum Schreiben von Glückwünschen!

Share and discover what’s happening right now, anywhere in the world.

Was für ein guter kleiner Texthelfer.

Er trägt auch die vielen Worte unzähliger Journalisten und Blogger, die über die Wettkämpfe der Paralympics aus Vancouver berichten hinaus, wo Fans schon auf Neuigkeiten warten – rund um die Welt, rund um die Uhr: Gold in Vancouver holen Verena Bentele und ihr Guide Thomas Friedrich.

(Fotos 1 und 3 von DBS/NPC, Foto 2 von Andrea Ramsteck)

Paralympics auf gutem Weg in die Zukunft – mit „Lazylegs“, cooler Break Dance. Performance und stille Momente

Party at it’s best – mit stillen Momenten: Spiele der Farben aus aller Welt.

Wer die bunte, lebendige und emotionale Eröffnungsfeier live vor Ort oder via TV und Internet verfolgte, der bekam schon jetzt einen Eindruck, was „Glowing Hearts“ sind – und was Begeisterung bewegt. Das macht das spezielle Credo der Paralympics aus: nah am Puls der Menschen – und jetzt auch der Zeit.

Vor 60.000 glühenden Fans zeigt sich Kanada als großartiger und toleranter Gastgeber: „One inspires many“.

Besonders zu Herzen ging mir persönlich die Szene, als die Eltern des – 1981 in jungen Jahren an Krebs verstorbenen – Prothesenläufers Terry Fox das Feuer der paralympischen Fackel gemeinsam mit Daniel Wesley und Marni Abbott-Peter an den erst 15-jährigen beinamputierten Zach Beaumont weiterreichten – der dann das olympische Feuer in Vancouver wieder zum Leuchten brachte. Eine zukunftsweisende, sehr menschliche Geste an den Junior-Snowboarder – und an alle Menschen gerichtet.

Manche Zuschauer zweifelten auf Twitter, ob diese auch von Ernst und Nachdenklichkeit getragene Feier junge Sportfans begeistert: an realen und demografischen Fakten kommen wir nicht vorbei. „Sumi“ ist für alle da:

Die olympischen und paralympischen Spiele erreichen alle Generationen – und das sollen sie auch.

Der jüngste Teilnehmer in Vancouver ist erst 15 , ein „Senior“ 75.

Dies sind auf jeden Fall auch die Spiele der Youngster – Paralympics meets Breake Dance und Lazylegz . Stay young at heart!

„Sind wir nicht alle ein bisschen „Oldie“, Alter?!“…

Vancouver zeigt eindrucksvoll, wie der Sprung in die Zukunft gelingt:

Trike-Biker rockt die Halle, Skater fliegen mit und ohne Rolli durch die Lüfte – Paralympics move!

Die Resonanz während der Eröffnungsfeier in Vancouver war auf Twitter groß, besonders aus Kanada reges Gezwitscher. In Deutschland hingegen schliefen die Lerchen noch. Dies war hierzulande die Stunde der Nachteulen, jetzt alle ein wenig lockerer – und weiser.

(Fotos Flickr: Fox-Eltern/adrian8_8, Farbenspiele u. Sumi/lionsgater)